04.12.2019 14:19 |

Scharfe Kritik

Werden Ansprüche für Bahnreisende eingeschränkt?

Bahnreisende in Europa sollen nach dem Willen der EU-Staaten künftig weniger Entschädigungsansprüche bei Verspätungen haben. Die EU-Verkehrsminister verständigten sich in Brüssel darauf, Bahnunternehmen in Fällen höherer Gewalt - etwa bei extremen Wetterbedingungen - von der Entschädigungspflicht zu befreien.

Von Verbraucherschützern hingegen kam scharfe Kritik. Bevor die Änderungen in Kraft treten können, müsste noch eine Verständigung mit dem Europaparlament gefunden werden. Die ist bisher fraglich.

„Faire Wettbewerbsbedingungen“
Die EU-Kommission hatte 2017 vorgeschlagen, dass Bahnunternehmen - ähnlich wie etwa Airlines - bei Verspätungen oder Ausfällen nicht zahlen müssten, wenn sie die dafür verantwortlichen Umstände nicht hätten vermeiden können. Das Europaparlament hatte sich bereits 2018 gegen diese Änderung ausgesprochen. Mit der Befreiung von der Haftung in Fällen höherer Gewalt würden faire Wettbewerbsbedingungen gegenüber anderen Verkehrsträgern geschaffen, hieß es von den Verkehrsministern nun.

„Falsche und paradoxe Entscheidung“
„Es geht darum, einen guten Ausgleich zu erzielen zwischen den Interessen der Fahrgäste und den Eisenbahnunternehmen“, sagte der deutsche Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). „Wenn wir alle im Zug sitzen und höhere Gewalt einfach zu Verspätungen führt, dann muss man schon auch Verständnis [...] haben.“ Der Chef der Bundeszentrale Verbraucherverband, Klaus Müller, nannte die Einigung eine „falsche und paradoxe Entscheidung“. Er warf den Ministern sowie dem deutschen Verkehrsminister Scheuer vor, damit Fahrgastrechte abzusenken.

Bahnpassagiere in Deutschland können derzeit bei einer absehbaren Verspätung von 20 Minuten am Zielbahnhof einen anderen Zug nehmen. Sollte dieser teurer sein, erhalten sie die Differenz später zurück. Zudem erstattet die Deutsche Bahn ab einer Verspätung von einer Stunde am Zielbahnhof ein Viertel des Fahrpreises. Ab zwei Stunden ist es die Hälfte.

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