Vom Buhmann zum Helden

Polster: „Dieses 3:0 prägte mein ganzes Leben“

Toni Polster, mit 44 Toren Rekord-Schütze im Nationalteam, schoss Österreich am 15.  November 1989 mit drei Treffern gegen die DDR zur WM 1990. Damit schaffte er es vom Buhmann zum Nationalhelden.

„Krone“: Toni, das legendäre 3:0 gegen die DDR jährt sich am 15. November zum 30. Mal - was geht dir spontan durch den Kopf?
Toni Polster: Es war eine ganz schwere Zeit. Ich fragte mich oft: „Warum?“ Warum musste ich soviel leiden für den großen Traum, der unseraller Traum war: zur WM 1990 zu fahren.

Du meinst dieaufgeheizte Stimmung gegen dich. Beginnend mit der WM-Quali-Partie gegen Island in Salzburg im August 1989.
Teamchef Hickersberger hatte mich nicht aufgestellt, weil er fürchtete, das Stadion würde gegen uns sein. Die Fans wollten den gebürtigen Salzburger Pfeifenberger sehen. Das warnoch irgendwo nachvollziehbar. Aber die Pfiffe in Wien waren mit logischen Argumenten nicht mehr zu verstehen.

Sie gipfelten im gellenden Pfeifkonzert gegen dich unmittelbar vorm Ankick gegen die DDR. Mit welchem Emotionen gingst du ins Spiel?
Meine Energie schien für die Ewigkeit zu reichen. Dieses Spiel nicht zu spielen wäre für mich eine Tragödie gewesen, darauf hatte ich ein Leben lang hingearbeitet. Ich habe es nur für mich, meine Familie und meinen Berater Skender Fani gespielt. Ich war wie in Trance.

Beginnend mit deinem 1:0 in Minute zwei. Die Wandlungzum Nationalhelden in nur 120 Sekunden. Geschichten, wie sie nur der Sport schreibt.
Vielleicht auch das Leben generell. Dass ein Tag, der so hässlich begann, so schön endete, war ein Wahnsinn.

Wenn es gegen die DDR nicht aufgegangen wäre …
… hätte ich wohl aufhören müssen, für Österreich zu spielen. Ich bin froh, durchgehalten zu haben. Sonst hätte ich Krankls Torrekord nicht brechen können.

Hättest du dir damals mehr Unterstützung gewünscht?
Ja, aber was hätten die Mitspieler machen können? In dieser Situation kann dir niemand helfen, da muss jeder allein durch. Dieses 3:0 prägte mein ganzes Leben.

Wie hast du es geschafft, da durchzutauchen? Andere wären daran zerbrochen …
Von klein auf hat meine Mutter oft gesagt: Du bist ein Polster, du gehst da durch. Und zwarerhobenen Hauptes. Genauso habe ich es gemacht. Aufgeben war nie eine Option. Nie in meinem Leben. Bloß auf die Ehrenrunde nach dem Match hatte ich verzichtet. Mir war nicht nach Feiern zumute.

Sind die Wunden 30 Jahre später längst verheilt?
Ja, denn mit den 90 Minuten hat sichvieles verändert. Sich mit diesem Spiel in die Galerie der besten österreichischen Kicker eingereiht zu haben ist etwas Unglaubliches. Genauso wie Prohaskas Spitz von Izmir oder Krankls Córdoba-Tore wird das 3:0 ewig mit mir in Erinnerung bleiben. Darauf bin ich extrem stolz. Weil mir nie jemand etwas zugetraut hat, ich es trotz aller Widerstände allen bewiesen habe.

Christian Reichel, Kronen Zeitung

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