23.10.2019 13:22 |

Entdeckungsreise

Wickie und der Ruf der Kraniche

Zwei Länder, vereint durch die Ostsee, laden zur Entdeckungsreise ein: Dänemark lockt mit den Wikingern, Norddeutschland mit dem Vogelzug der Kraniche.

Touristen und Kraniche haben eines gemeinsam: Zweimal im Jahr zieht es sie auf die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst in der Nähe von Rostock. Die Touristen kommen im Sommer und um die Weihnachtszeit, die Kraniche im Frühjahr und Herbst – ihr trompetenartiger Ruf ist nicht zu überhören. Schätzen die Urlauber die weiten Strände an der Ostsee, lockt die Vögel der „Bodden“. „Eine Lagunen-Landschaft zwischen Festland und Halbinsel“, erklärt Schipper Joachim Radke aus Zingst. „Die Inseln und Salzwiesen sind für Zugvögel begehrte Rastplätze.“

Vor allem lockt der Zug der Kraniche Vogelfreunde an
Es ist ein eindrucksvolles Schauspiel, wenn diese großen Tiere mit einer Flügelspannweite von bis zu 2,5 Meter zu Zehntausenden einfliegen. Bevor man sie noch sieht, sind die Kraniche zu hören: Ihr röhrendes Trompeten ist weit hin zu vernehmen.

Radke bietet mit seinem speziell für den Bodden konstruierten Zeesboot – es hat kaum Tiefgang – dann auch Fahrten zu den Schlafplätzen der Kraniche an: „Dabei ist es wichtig, die Tiere nicht zu stören. Kraniche sind sehr scheue, wachsame Vögel.“ Und sie gelten als „Vögel des Glücks“ – wer will da schon riskieren, diese zu verscheuchen?

Die Kraniche sind auch beliebtes Fotomotiv und damit für das Ostseeheilbad Zingst wertvolles Anschauungsmaterial. Denn Zingst hat sich der Fotografie verschrieben. „Wir haben hier ein besonderes Licht“, erklärt Simone Marks vom Tourismusverband. „Das schätzten früher die Maler, und jetzt lockt es Fotografen aus aller Welt.“

Neben Workshops für Hobby-Fotografen findet jedes Jahr das Umwelt-Fotofestival „horizonte zingst“ statt. „Sehzeichen“ stehen im ganzen Ort gegen die Beliebigkeit der Informationsflut. Die Themen sind brandaktuell: Klimawandel, Plastik-Vermüllung der Meere und die Schutzbedürftigkeit der Natur. Zentraler Treffpunkt in Zingst ist die Seebrücke, hier tobt bei Sonnenuntergang das pralle Ferienleben. Ein rothaariger Ziehharmonika-Spieler träumt von „17 Jahr, blondes Haar“, vom „Waffel Maik“ duftet es verführerisch herüber und in der „Zuckerhut Bar“ mixt Tom einen „Sanddorn-Caipi“, der jeden normalen Caipirinha um Längen abhängt.

Keine hundert Kilometer nördlich – mit der Fähre zwischen Rostock und Gedser in zwei Stunden erreichbar – pflegen die Dänen die Kunst der „Hygge“. Gemütlich, angenehm, behaglich mit Freunden und Familie zusammen sein, möglichst im Kerzenschein – das ist der typisch dänische Gemütszustand. Dabei waren die Vorfahren der Dänen alles andere als gemütlich. Die Raubzüge der Wikinger waren an allen Küsten Nordeuropas gefürchtet.

In Dänemark haben die wilden Krieger und exzellenten Seefahrer viele Spuren hinterlassen. Eine große Schau im Dänischen Nationalmuseum in Kopenhagen mit viel Gold und schaurigen Wikingerköpfen gibt einen ersten Einblick in ihr Leben. Quer durchs Land finden sich Überreste von sogenannten Wikingerburgen. Etliche davon wurden rekonstruiert, oft können Kinder und Erwachsene in die Rolle der alten Recken schlüpfen – Wickie lässt grüßen! So geht es im Sagnlandet Lejre hoch her. Kanufahrten im Einbaum, Feuerstellen zum Grillen der beliebten Røde Pølser, eine Art Frankfurter, Bogenschießen, Getreide mahlen und Brot backen – Lejre ist eine Art belebtes Freilichtmuseum. Daneben gibt es in der weitläufigen Anlage „echte“ Grabhügel und Steinsetzungen, einen steinzeitlichen Lagerplatz und eine nachgebaute Wikingersiedlung samt Königshalle – die hier wirklich einmal gestanden hat.

Wie sie ausgesehen haben kann, zeigt die Ringburg von Trelleborg. Sie war durch einen 17 Meter breiten und fünf Meter hohen Wall mit hölzernen Aufbauten und einen tiefen Graben geschützt. Von den Holzpalisaden ist nichts mehr erhalten, im Inneren des Walls finden sich aber noch die Grundmauern der Häuser.

Auch nahe der Stadt Køge wurde 2014 ein mächtiger Wall entdeckt. Borgring liegt auf einem kleinen Hügel, Kampfspuren wurden nachgewiesen, aber Archäologen vermuten, dass diese Burg nie besiedelt war. Dafür hat man sich hier etwas ganz Neues einfallen lassen: Dank einer Virtual-Reality-Brille und einer App am Smartphone können Besucher in Borgring auf Zeitreise gehen und die Burg auferstehen lassen.

Bauherr war der legendäre Wikingerkönig Harald Blauzahn, der in unserer Zeit unverhofft wieder zu Ehren gekommen ist. Blauzahn - Bluetooth - war Namensgeber für die Datenübertragung per Funk auf kurze Distanz. Angeblich hat man sich für diesen Namen entschieden, weil Harald Blauzahn einst weite Teile Nordeuropas vereint hat. Auch das Bluetooth-Symbol besteht aus den Runen seines Namens. Blauzahn, der 987 starb, ist, wie sämtliche dänischen Königinnen und Könige nach ihm, in der Kathedrale von Roskilde beerdigt.

Zu Lebzeiten diente ihm die einstige Hauptstadt von Dänemark als Hafen und Bauplatz für die berüchtigten Wikingerschiffe. Fünf davon wurden im Fjord vor Roskilde gefunden und nach der Restaurierung um sie herum ein lichtdurchflutetes Museum gebaut. Ein unterhaltsames Museum, wie überall in Dänemark, in dem Groß und Klein auf Entdeckungstour gehen, beim Bau von Wikingerschiffen mithelfen oder ganz stilecht damit im Fjord auf große Fahrt gehen kann.

Waltraud Dengel, Kronen Zeitung

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