23.09.2019 11:35 |

TV-Star scheiterte

297.036 € Spenden für NGO-Schiff - das nie auslief

Für die Seenotrettung hatte der deutsche Comedian Klaas Heufer-Umlauf vergangenes Jahr beinahe 300.000 Euro an Spenden lukriert. Er versprach dafür, ein Schiff zu chartern, um schiffbrüchige Migranten aus dem Mittelmeer zu retten. Doch ein solches Schiff lief nie aus. Der für diese Zwecke gegründete Verein Civilfleet sieht sich nun mit dem Vorwurf konfrontiert, die Spender nicht ordnungsgemäß informiert zu haben und das Scheitern des Projekts nicht früh genug erkannt zu haben.

Als ein Kapitän eines NGO-Schiffs im Sommer 2018 verhaftet wurde, rief Klaas Heufer-Umlauf (bekannt aus den Sendungen „Joko und Klaas“ und „Circus HalliGalli“) zum Handeln auf. Er wolle die Rettungsmissionen weiterführen. „Man braucht jetzt Schiffe, um jetzt ein Zeichen zu setzen, um zu sagen, wir machen weiter, und natürlich, um ganz konkret Hilfe leisten zu können“, erklärte er auf YouTube. Er versprach, persönlich dafür Sorge dafür zu tragen, dass das Geld da ankomme, wo es hinmüsse. Es kamen 297.036 Euro für das Projekt zustande.

Doch mehr als ein Jahr später hat es der Verein nicht geschafft, sein Vorhaben umzusetzen, machte die Aufdeckerplattform „Addendum“ jetzt publik: Ein Schiff, das für die Seenotrettung gechartert und ausgerüstet werden sollte, stach niemals in See.

Statt auslaufendem Schiff gab es zweiten Spendenaufruf
Civilfleet gab zwar Anfang des Jahres bekannt, ein Schiff gefunden zu haben, das man mieten und ausrüsten wolle. Ein „langer, teurer Prozess der Umregistrierung“ habe dafür erfolgen müssen, weil es Probleme mit dem Flaggenstaat Panama gebe. Doch das Schiff könne „zeitnah“ auslaufen, wurde versprochen. Nach monatelanger Funkstille gab es erst im Juni wieder eine Botschaft des Vereins: ein Spendenaufruf, an dem sich auch Jan Böhmermann beteiligte. Wenig später gab die Organisation bekannt, dass eine Million Euro an Spenden lukriert worden sei.

Doch wohin floss das Geld? Das Schiff Golfo Azzurro, das zuvor für die NGO Proactiva Open Arms unterwegs war, sollte von Civilfleet gechartert werden. Doch nachdem die erste Rate gezahlt war, wurde dem Schiff die Flagge entzogen. Damit der Eigner dieses umflaggen kann, stellte der Verein 30.000 Euro bereit. Weitere 70.000 Euro Darlehen wurden ihm für diverse Umbauten, Diesel und Überprüfungen bezahlt. Insgesamt seien 206.675 Euro an Spendengeldern in die Golfo Azzurro geflossen. Um die Rückzahlung von Vorschüssen und Darlehen werde jetzt rechtlich vorgegangen, ließ der Schatzmeister des Vereins Ruben Neugebauer auf Anfrage von „Addendum“ wissen.

Civilfleet: Scheitern des Projekts war nicht absehbar
Der Verein wehrt sich auf seiner Website gegen Vorwürfe, dass Spenden „verschwunden“ seien: „Es stimmt, dass es keine öffentlichen Informationen an die Spenderinnen und Spender gab“, räumt Civilfleet in der Stellungnahme ein. Es sei allerdings so gewesen, dass die Organisation selbst bis vor Kurzem nicht wusste, wie es weitergehen sollte. Nachdem die Kosten aus dem Ruder gelaufen waren, hätte man andere NGOs kontaktiert, doch es sei keine Einigung mit dem Eigner der Golfo Azzurro und einer dieser Vereine zustande gekommen. „Dass der Abbruch des Projekts noch nicht kommuniziert wurde, hängt damit zusammen, dass das Projekt erst vor Kurzem abgebrochen wurde“, lässt Civilfleet wissen. Das bereits angeschaffte Equipment, die Ausrüstung und das Material, das einen hohen Wert habe, werde abgebaut, damit es auf anderen Schiffen zum Einsatz komme. Ein Teil davon sei sogar schon in Verwendung.

Man sei nur aus der Not bereit gewesen, Geld für den Flaggenwechsel zu zahlen, da „zu dieser Zeit kaum ein Seenotrettungsschiff auf dem Mittelmeer war und das Massensterben beinahe unbemerkt weitergehen konnte“. Andere Möglichkeiten seien geprüft worden hätten aber verworfen werden müssen.

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