23.07.2019 14:41 |

„No Libra“

Aktivisten fordern Stopp von Facebook-Währung

Die Bürgerbewegung Finanzwende fordert den sofortigen Stopp der Facebook-Währung Libra. Die EU müsse Libra verbieten, noch bevor die private Währung auf den Markt komme, heißt es in einem Appell von Finanzwende und der Organisation Finance Watch. Facebook plane mit der Libra-Einführung „einen Angriff auf unser Währungssystem und unsere individuelle Freiheit“, kritisieren die Organisationen. Sie warnen insbesondere vor der Datenverknüpfung.

„Ein bisschen Regulierung reicht nicht“
„Einmal eingeführt, ließe sich Libra kaum mehr stoppen“, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Appell der Organisationen an die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank weiter. Kritische Äußerungen und ein bisschen Regulierung reichten daher nicht.

Finanzwende begründet die Forderung nach einem Verbot von Libra mit vier Punkten. Einer ist der Datenschutz: Kämen Zahlungsdaten zu den von Facebook gesammelten Daten seiner Nutzer hinzu, entstehe eine „viel zu große Abhängigkeit“, erläuterte die Organisation in Berlin. Zudem verwies sie auf den Verbraucherschutz. Libra sei für die Nutzer keineswegs sicher: „Im Krisenfall könnten die privaten Träger einfach aussteigen.“

Sorge vor „völlig unkontrollierbarem Geldmonopol“
Libra könne sich auch zu einem „völlig unkontrollierbaren Geldmonopol entwickeln“, warnte Finanzwende. Facebook wäre mit der Währung ein Spieler im Finanzsystem, der zu groß und mächtig wäre, um scheitern zu dürfen. „Am Ende trägt dann wie im Finanzbereich so oft die Bevölkerung die Haftung.“

Die Bürgerbewegung Finanzwende hat der ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete Gerhard Schick gegründet. Ziel der gemeinnützigen Organisation ist es, Lehren aus der Finanzkrise zu ziehen und sich für ein nachhaltiges und stabiles Finanzsystem einzusetzen, das die Interessen von Privatpersonen schützt.

Mehrheit gegenüber Libra skeptisch
Laut einer aktuellen Umfrage in von Finanzwende sehen mehr als zwei Drittel der Deutschen (71 Prozent) Libra skeptisch, nur zwölf Prozent der Befragten sehen etwas Positives darin. Das Vertrauen in private Großunternehmen bei der Herausgabe von Währungen ist demnach mit vier Prozent sehr gering. Eine knappe Mehrheit der Anfang Juli befragten rund 2100 Deutschen über 18 Jahre sagte außerdem, der Einfluss von Facebook sei bereits heute problematisch.

„Spielgeld gegen gutes Geld“
Der ehemalige Wirtschaftsweise Peter Bofinger warnte indes in der „Passauer Neuen Presse“, wer sein Geld in Libra anlege, habe keinen Anspruch gegen Facebook. Das sei für den Konzern ein „fantastisches Geschäftsmodell“: Er gebe wertloses Spielgeld aus und bekomme dafür gutes Geld. Bofinger sagte weiter, er halte es für unrealistisch, dass das Projekt von den Aufsichtsbehörden akzeptiert werde.

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