04.07.2019 10:38 |

Elton John in Graz:

Der fulminante Abschied einer schillernden Legende

Es war sein allerletztes Konzert in Österreich - und Elton John verabschiedete sich bei den 10.000 Fans am Freigelände der Messe Graz mit einer fabelhaften Show. Daran konnte auch der zwischenzeitliche Regen nichts ändern!

Goldene Schuhe, Glitzer-Sakko, Rüschen am Hemdsärmel und eine funkelnde Brille - so betritt Elton John um 20.03 Uhr die Bühne am Freigelände der Messe Graz. Das Publikum begrüßt ihn wie einen alten Freund - und viele der 10.000 Besucher in Graz sehen ihn an diesem Abend auch nicht zum ersten Mal. Wohl aber zum letzten Mal, denn der als Reginald Kenneth Dwight geborene Sänger, der mit mehr als 350 Millionen verkauften Alben zu den erfolgreichsten Popstars der Geschichte zählt, sagt an diesem Abend „Farewell Yellow Brick Road“ und Goodbye Österreich.

Streifzug durch eine Weltkarriere
Doch bevor es soweit ist, hat er noch einen gut zweieinhalb-stündigen Rückblick auf seine Karriere geplant, der - typisch für Elton John - auf sehr sympatische Weise zwischen Pathos und Selbstironie pendelt. Mit „Bennie and the Jets“ startet er den Abend, legt mit „I Guess That‘s Why They Call It the Blues“, „Border Song“ und „Tiny Dancer“ gleich drei echte Schmuckstücke seiner schier unerschöpflichen Hit-Kollektion nach. Wie groß diese ist, erkennt man auch daran, dass er einige 80er-Klassiker („Nikita“), „Don‘t Go Breaking My Heart“ oder das oscarprämierte „Can You Feel the Love Tonight“ an diesem Abend überhaupt nicht spielt.

Grandiose Show
Doch den Fans fehlt es an diesem Abend dennoch an Nichts: „Rocket Man“, „I‘m Still Standing“, „The Bitch is Back“ - für  all diese Welthits wurden aufwändige Visuals und Videos kreiert, die diesen Abend nicht nur zu einem Ohren-, sondern auch zu einem Augenschmaus machen. Außerdem spielt er auf seiner Abschieds-Tourauch wieder „Candle in the Wind“, das in der Version für Lady Diana zur meistverkauften Single der Welt wurde und das er eigentlich nie mehr live spielen wollte. In der Originalversion (für Marilyn Monroe) rührt es in Graz so manchen Fan zu Tränen. Nur aus dem, von manchen Fans erhofften, Duett mit Sting (der ja heute seinen großen Auftritt in Graz hat und dem Vernehmen nach beim Konzert vor Ort war) wurde es nichts: So sang Elton John „Don‘t Let the Sun Go Down on Me“ doch alleine.

„Persönliche Hits“ statt „Best of“
Doch er spielt an diesem Abend eben nicht nur die ganz großen Hits, sondern auch einige Songs, die ihm persönlich viel bedeuten. So bekommt das Publikum etwa das gewaltige „Indian Sunset“ zu hören - als Huldigung an seinen Songwriting-Partner Bernie Taupin: „Das ist, meiner Meinung nach, einer der allerbesten Texte, die Bernie geschrieben hat.“ Und nach einem künstlichen Donnerwetter (der echte Regen, der den ersten Teil des Konzertes noch etwas getrübt hatte, war zu dem Zeitpunkt bereits verzogen) steht er zwar in neuer Garderobe - einem geblümten Sakko und pinken Hosen - vor seinen Fans, erzählt aber dennoch ganz unverblümt von den dunklen Seiten seines Lebens und wie er gelernt hat die „Kraft von Mitgefühl und Liebe“ in sein Leben zu lassen. All das manifestiert sich in „Believe“, wohl einem seiner persönlichsten Hits.

Große Spielfreude
Freilich merkt man, dass Elton John mit 72 nicht mehr der Jüngste ist. Statt wie früher auf dem Klavier herumzuturnen, steht das Instrument heute auf Rädern, um ihn gemütlich auch auf die andere Bühnenseite zu bringen, damit er auch dort den Fans zuwinken kann. Und im ersten Teil des Abends schont er seine Stimme noch ein bisschen und überlässt so manche hohe Note seinen Musikern. Dazu muss man allerdings auch sagen: Lieber Herr Männergesangsverein, Elton John ist mit Weltklasse-Musikern auf Tour! Einige davon - wie etwa der schillernde Percussionist Ray Cooper und der coole Drummer Nigel Olsson - stehen schon seit den frühen 1970ern mit ihm auf der Bühne. Bei „Levon“, das zu einer kleinen Jam-Session auswächst, zeigt sich wohl am prägnantesten die Spielfreude, mit der die Herren immer noch gemeinsam auf der Bühne stehen.

Abflug in Richtung Pop-Himmel
Grandios treiben Elton John und seine Musiker den Abend zu seinem großen Finale: Im Bademantel absolviert der ewige Paradiesvogel die Zugaben: „Your Song“ wurde zum sentimentalen Höhepunkt für so manchen Fan, ehe Elton John dann endgültig „Goodbye Yellow Brick Road“ sagte und - so viel Kitsch muss sein - über eben diese besungene gelbe Pflastersteinstraße in Richtung Pop-Universum entschwand. So wie es sich für einen der schillerndsten Sterne der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts eben gehört. 

Christoph Hartner
Christoph Hartner
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