So, 16. Juni 2019
25.05.2019 06:30

Dünen und Canyons

Kasachstan: Land der Kontraste und Wunder

Wer Abenteuer, die Natur und das Reisen liebt, der sollte Kasachstan auf seiner „Bucket List“ haben. Es ist ein riesengroßes Land voller Wunder, „Himmelsberge“, spektakulärer Canyons, singender Dünen und futuristischer Städte.

Die Sonne geht auf, Turkish Airways setzt sicher auf dem Flughafen von Almaty auf, und Kasachstan versetzt mich sofort in Staunen. Denn direkt hinter der Metropole leuchten die schneebedeckten Gipfel des Tian Shan im Morgenrot, und der knapp 5000 Meter hohe Pik Talgar rüttelt schlagartig meine Bergsteiger-Gene wach. Was für eine wunderschöne Bergwelt.

Doch statt mit den eisigen Höhen der „Himmelsberge“ erfolgt mein Erstkontakt mit Kasachstan mit einem großen Schluck fermentierter Stutenmilch aus einer prall gefüllten hölzernen Schale, inmitten des lebendigen Grünen Basars (Kok Basar). Dort werden neben der Stuten- und Kamelmilch auch Trockenfrüchte, Pferdefleisch und vieles mehr feilgeboten.

Legendär ist die Gastfreundschaft der Kasachen, und ihre Kulinarik genauso vielfältig wie die Einwohner und das Land zwischen Kaspischem Meer und Altai-Gebirge selbst. Menschen aus 125 Nationen, 50 Ethnien und sämtlichen Weltreligionen leben hier – frei nach dem Tengrismus, der alten Religon der Nomadenvölker Zentralasiens – unter dem „ewig blauen Himmel“ friedlich zusammen. In einem faszinierenden Land, das unglaubliche 32-mal (!) größer als Österreich ist.

„Kasachstan ist auch eines der rohstoffreichsten und gleichzeitig am dünnsten besiedelten Länder der Welt“, erklärt Sergej, unser Reiseguide. Und wir wollen in die unendlichen Weiten Kasachstans eintauchen. Doch zuerst geht es direkt in das Tian-Shan-Gebirge, ins Skigebiet Shymbulak. Nur wenige Minuten außerhalb der 1,8-Millionen-Einwohner-Metropole Almaty wird die Luft klarer und auch dünner, denn mit der Seilbahn geht es bis hinauf in 3200 Meter Seehöhe, wo selbst im Frühjahr Schwünge in den Schnee gezogen werden und im Sommer gewandert werden kann sogar tagelang, ohne dabei nur einer einzigen Menschenseele zu begegnen. Dafür besteht die Chance, mit viel Glück einen der scheuen, seltenen und wunderschönen Schneeleoparden zu Gesicht zu bekommen, die hier ihre Spuren ziehen und auch das Wappen von Almaty prägen.

Landschaftlich ist Kasachstan mit seinen Bergen, Seen, Wäldern, Steppen und Halbwüsten extrem abwechslungsreich und oft auch menschenleer. Ein wahrer Tourismus-Geheimtipp also noch. Denn anders als in vielen Nationalparks oder Sehenswürdigkeiten weltweit, kann hier der Moment noch so richtig genossen werden – völlig verschont von anderen Reisenden mit ihren Selfie-sticks.

Etwa im Charyn-Nationalpark, wo mich Kasachstan erneut zum Staunen brachte. Der Charyn-Fluss hat hier jahrtausendelang einen tiefen Canyon mit bizarren Steinformationen in den roten Sandstein gegraben. Entstanden ist dabei der kleine Zwillingsbruder des Grand Canyons.

Wasser und Wind haben auch die Weißen Berge von Aktau geformt. Die Berge sind in Weiß-, Rot- und Gelbtöne getaucht und liegen mitten im Herzen des Altyn-Emel-Nationalparks, des größten und bekanntesten Nationalparks Kasachstans. Nicht weit von den Weißen Bergen entfernt findet sich im Schutzgebiet, das nur mit einem örtlichen Guide betreten werden darf, auch die berühmte Singende Düne, die bei passendem Wind und Wetter ein tiefes Brummen erzeugt und bei mir unvergessliche Eindrücke hinterlässt.

Für die Erkundung der Nationalparks – Offroad-Fans aufgepasst – ist in Kasachstan ein Geländewagen mit viel Bodenfreiheit ganz klar von Vorteil, denn die Straßen abseits der Städte sind teils richtig abenteuerlich – inklusive Kamelen am Straßenrand. Denn nur über eine holprige, steinige und sandige Piste samt tiefer Schlaglöcher und Flussdurchfahrten geht es hinauf zum Kaindysee mitten im Tian Shan, der nach einem schweren Erdbeben entstanden ist. Mitten im kleinen Bergsee ragen heute noch die überfluteten Fichten aus dem türkis blauen Wasser. Ein Ort zum Träumen, denn touristische Einrichtungen sind hier rar – zum Glück, denn die Inszenierung der Naturschönheiten wird der Natur selbst überlassen. Wie auch bei den drei glasklaren Kolsai-Bergseen, die auch „Perlen des Tian Shan“ genannt werden und auf 1800 Meter, 2250 Meter und 2700 Meter Seehöhe zu finden sind.

Erreichbar sind die Seen – vor allem die beiden höher gelegenen – nur zu Fuß oder im Sattel eines Pferdes. An deren Ufer kann man übrigens seine Seele baumeln lassen, ohne den Augenblick sofort krampfhaft per Instagram und WhatsApp mit dem Rest der Welt teilen zu müssen.

Abenteuerlich und manchmal auch gewöhnungsbedürftig ist die Küche des Nomadenvolks, dessen Speisen in den Jurten reichlich aufgetischt werden. Beshbarmak heißt das Nationalgericht und bedeutet „fünf Finger“, da die Nomaden die Mahlzeit früher mit bloßen Händen aßen. Beshbarmak ist übrigens gekochtes, klein geschnittenes Schaffleisch, das mit Nudeln vermischt und mit Zwiebelsauce abgeschmeckt wird. Zu besonderen Anlässen wird ein gekochter Lammkopf dazu serviert.

Während man auf dem Land mit den berittenen Hirten und Viehherden noch den Hauch des einstigen Nomaden-Lebens spüren kann, bringen einen die unerwartet modernen Städte Kasachstans wieder zum Staunen. Neben Almaty ist Nursultan mitten in der kasachischen Steppe eine der futuristischsten Hauptstädte der Welt, die im März ihren Namen von Astana zu Ehren des langjährigen Staatspräsidenten Nursultan Nasarbajew umgeändert hat. Viele Stararchitekten haben hier gebaut, und supermoderne architektonische Meisterleistungen reihen sich aneinander, wie der 105 Meter hohe Bayterek-Turm, das Wahrzeichen Nursultans, der „Baum des Lebens“.

Der Legende nach legte der Wundervogel Samruk sein goldenes Ei auf dem Baum ab, unerreichbar für die Menschen, deren Wünsche und Sehnsüchte im Ei enthalten sind. Eine Meisterleistung ist das größte kugelförmige Gebäude der Welt, das das Museum der Zukunft beherbergt, oder auch das Khan Shatyr, das größte Zelt der Welt, mit Einkaufszentrum, Themenpark und Wellnesscenter auf sechs Etagen, das vom britischen Stararchitekten Norman Foster geplant wurde, der auch die Pyramide des Friedens und der Eintracht errichtete. Kasachstan verspricht Tradition, Moderne und viele Wunder zum Entdecken.

Hannes Wallner, Kronen Zeitung

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