09.05.2019 10:00 |

Enormes Medienecho

Klagsdrohung löste Welle der Empörung aus

Enormes internationales Medienecho zieht der Bericht der „Tiroler Krone“ über die Klagsdrohung zweier von der Bergrettung Tannheim geretteten deutschen Schneeschuhgeher gegen ihre Retter nach sich. Und in den sozialen Medien (krone.at/tirol) überschlagen sich die empörten Reaktionen.

Die beiden Männer hatten sich am 3. Februar bei einer Schneeschuhwanderung auf den Schönkahler in Zöblen verirrt, kamen nicht mehr weiter und mussten völlig durchnässt und entkräftet von der Bergrettung Tannheim geborgen werden. Als „Dankeschön“ schrieb einer der beiden, er ist auch Anwalt, einen gesalzenen Brief an die Landesleitung der Tiroler Bergrettung. Der Einsatz sei viel zu mannintensiv verlaufen, die Kosten von 2261 Euro für den Einsatz würden daher nicht bezahlt werden

Fremdschämen
„2200 Euro für einen neuen Geburtstag finde ich nicht übertrieben!“ So lautet einer von hunderten Kommentaren in den sozialen „Krone“-Medien (krone.at/tirol, Facebookseite der Tiroler Krone). Die Mitnahme einer Bankomatkasse empfiehlt ein anderer User auf Facebook: „Diejenigen, die nicht zahlen wollen, bleiben eben da, wo sie sind.“ Empörte Kommentare kommen auch von Landsleuten der zwei Schneeschuhwanderer: Nach erfolgreicher Rettung ein Feilschen um den Preis beginnen, ginge gar nicht. Andere Deutsche User empfinden sogar ein Fremdschämen ob des Briefes des Anwalts, der - davon gehen die Einsatzkräfte aus - wie sein Kollege die Winternacht am 3. Februar ohne die Hilfe nicht überlebt hätte.

„Nach dem Bericht in der ,Tiroler Krone’ läutete bei mir fast pausenlos das Telefon. Journalisten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz baten um Interviews“, sagt Reinhold Bilgeri, Ortsstellenleiter der Bergrettung Tannheim. Gleiches berichtet Hermann Spiegl, Landesleiter der Bergrettung Tirol. „Keine Reaktion gab es von den beiden Geretteten“, sagt Spiegl.

Platter stützt Bergretter
Sein Unverständnis hat mittlerweile auch der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter gegenüber der „Tiroler Krone“ ausgedrückt. „Ich bin erschüttert über die Wertehaltung dieser Menschen. Nach erfolgreicher Rettung anstelle von Dank eine Klagsandrohung zu erhalten, ist völlig unangebracht. Mit wie vielen Mitgliedern und mit welchen Einsatzmitteln die Bergrettung ausrückt, ist immer noch deren Entscheidung. Sie weiß am besten, wie sie ihre Einsätze absolvieren muss.“

Peter Freiberger
Peter Freiberger
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