06.04.2019 09:21 |

Starke Hardware

Das LG V40 im Test: Unverschuldet unpopulär!

Der südkoreanische IT-Riese LG hat in den letzten Jahren als Smartphone-Hersteller kontinuierlich an Popularität verloren und wird immer stärker von neuen Rivalen aus China verdrängt. Die geringe Beliebtheit von LG-Smartphones zeigt sich an ihrer Preisentwicklung: Die Preise fallen in aller Regel besonders schnell auf ein erträgliches Maß. Aber woran liegt das, baut LG schlechte Geräte? Wir haben es mit dem aktuellen Flaggschiff V40 getestet.

Noch vor einigen Jahren galt LG Electronics als innovativer Smartphone-Hersteller, experimentierte mit futuristischen Features wie selbstheilenden Lackierungen, flexiblen Displays oder modularen Geräten. Seit zwei, drei Jahren scheint allerdings die Luft draußen zu sein. Oberklassegeräte werden oft schon ein Jahr nach Erscheinen für einen Bruchteil des Preises zur Markteinführung gehandelt.

Das verblüfft angesichts dessen, dass LG im Grunde sehr ähnliche Komponenten - OLED-Display, Dreifach-Kamera - verbaut wie die Konkurrenz, wie wir hier anhand der Hardware-Tabelle zeigen:

LG V40

CPU

Snapdragon 845: 4 x 2,7 + 4 x 1,7 GHz

RAM

6 GB

Diagonale

6,4 Zoll (OLED)

Auflösung

3120 x 1440 Pixel

Speicher

128 GB

Speicherkarten-Slot

microSD bis 2TB

Hauptkamera

Dreifach-Kamera:
12 MP (F/1.5) mit OIS
16 MP (F/1.9) Weitwinkel
12 MP (F/2.4) Zoomlinse

Frontkamera

8 MP (F/1.9)

Funk

LTE, Gigabit-WLAN, Bluetooth 5.0, NFC, GPS, GLONASS, Galileo

Maße

158,8 x 75,7 x 7,6 Millimeter, 169 Gramm

Akku

3300 mAh

Extras

Metall-Glas-Chassis
Wasserfest (IP68)
Fingerscanner (hinten)

Dual-SIM

Software

Android 8.1

Preis

ab ca. 650 Euro

In der Praxis hält die verbaute Hardware, was sie auf dem Papier verspricht. Der Snapdragon 845 mag zwar schon ein paar Monate am Buckel haben, ist für den Alltag so ziemlich jedes Smartphone-Users aber mehr als ausreichend schnell.

Flüssige Bedienung, sehr gutes Display
Android läuft flüssig am V40, Apps starten schnell, Multi-Tasking ist mit sechs Gigabyte RAM auch kein Problem und selbst 3D-Spiele bringen den Chip nicht ins Stottern. In puncto Leistung hält das V40 also gut mit seinen Rivalen mit, liegt in Benchmark-Vergleichstests leistungstechnisch auf jenem Niveau, das vor einem halben Jahr noch absolute Top-Klasse gewesen wäre.

Auch am Display des V40 haben wir nichts zu bemängeln, im Gegenteil: LG zeigt hier, dass beileibe nicht nur Samsung gute OLED-Displays baut und liefert einen sehr hellen und kontraststarken Bildschirm mit kräftiger Farbdarstellung, guter seitlicher Ablesbarkeit und sehr hoher Schärfe ab. Auch in der Disziplin Bildschirm ist das V40 durchaus konkurrenzfähig.

Sehr gute und flexible Kamera
Beim Probeknipsen mit der Kamera des V40 hat uns die hohe Lichtstärke der Hauptkamera und die gute Bildstabilisierung gefallen. Beim Scharfstellen erschien uns die Kamera minimal langsamer als manch ein Rivale, prinzipiell gelingen mit der Hauptkamera aber sowohl bei hellem Tages- als auch im Zwielicht sehr gute Bilder. Bei der Schlechtlicht-Leistung haben Samsung und Huawei zwar ein wenig die Nase vorn, das LG V40 liegt aber nicht weit dahinter.

Die beiden anderen Objektive sind indes eher Schönwetter-Knipser. Bei hellem Tageslicht draußen oder im hellen Kunstlicht liefern sowohl Weitwinkel- als auch Zoomlinse gute Schnappschüsse ab und sind durchaus nützlich, wenn man nicht näher an ein Objektiv herankommt oder sich nicht weiter davon wegbewegen kann. Im Schlechtlicht sollte man sich aber an die Hauptkamera halten.

Videotechnisch liefert das V40 - nicht zuletzt dank hoher Lichtstärke und optischer Stabilisierung - ebenfalls eine gute Leistung ab. An den Selfie-Qualitäten der Frontkamera gibt es auch nichts auszusetzen. Sie liefert draußen wie drinnen scharfe Selbstportraits ab und ist auch gut für die Videotelefonie geeignet.

Ein paar Schwächen haben wir bei der Verarbeitung und der Akkulaufzeit des V40 ausgemacht. Während uns das Gehäuse aus Metall und mattem (und somit griffigerem und weniger fingerabdruckanfälligem) Glas an sich gut gefällt, wertig und sauber verarbeitet ist, hätten die Lautstärke- und Entsperrtasten am Gehäuse einen etwas knackigeren Druckpunkt vertragen.

Akku ist eher eine Eintagsfliege
Der über USB-C oder kabellos (Qi-Standard) geladene 3300-mAh-Akku reicht, um bei normaler Nutzung mit dem V40 durch den Tag zu kommen. Nennenswerte Reserven hat man hier aber nicht, Intensivnutzer müssen bisweilen nachtanken, die meisten V40-User werden täglich laden.

Sehr gut hat uns am LG V40 die Ausstattung gefallen. Das Gerät bietet alle gängigen Funkstandards, der ohnehin recht üppige interne Speicher kann mit microSD-Karten erweitert werden und sogar ein Klinkenanschluss für verkabelte Kopfhörer - eine Tugend, die man fast nur mehr bei den Koreanern findet - ist vorhanden. Der Fingerscanner an der Rückseite arbeitet schnell und zuverlässig, zudem klingen die Lautsprecher des V40 ziemlich gut.

Software ist recht überladen
Was uns im Test am wenigsten am LG V40 gefallen hat, war die Software. LGs Interpretation von Android hat zwar einige ganz praktische Features wie das Entsperren durch Klopfen, ist aber auch ausgesprochen überladen und mit einem Haufen LG-eigenen Apps und Funktionen angereichert. Dass das V40 ab Werk kein App-Startmenü hat, sondern alles auf der Startseite deponiert, ist nicht optimal, Updates dürften durch die vielen Anpassungen eine Weile auf sich warten lassen.

Fazit: Gut, die Software ist nicht optimal und wird von den meisten Nutzern vermutlich noch angepasst. Ein dickerer Akku hätte auch nicht geschadet. Aber davon abgesehen braucht sich das LG V40 nicht vor der Konkurrenz zu verstecken, erfreut mit gutem Display, mehr als genug Power, einer Kamera auf Oberklasse-Niveau, netten Features wie microSD-Slot und Audioklinke sowie sauberer Verarbeitung. Eigentlich unverständlich, dass LG-Smartphones nicht populärer sind.

Für Preisfüchse kann das andererseits ganz gut sein, ist doch bei grundsolider Hardware mit einem rasanten Preisverfall zu rechnen. Der vor anderthalb Jahren erschienene Vorgänger - damals 800 Euro teuer - kostet heute noch rund 300 Euro. Da ist davon auszugehen, dass auch das V40 - der Nachfolger wurde schon angekündigt - schnell günstiger wird.

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Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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