20.03.2019 19:13 |

Nach Razzia in Erfurt

Die ersten Bilder des Dopinglabors des Schreckens!

Von außen schaut alles nach einer normalen Garage aus, dort in einem ostdeutschen Wohnviertel. Und auch ein erster Blick ins Innere des Gebäudes lässt einen noch nichts Schlimmes vermuten. Man sieht eine selbstgebaute Bretterwand mit einer schmucklosen Tür auf der rechten Seite. Dazu ein angelehnter Besen und eine Leiter. Besonderes meint man hier nicht wahrzunehmen - und doch steht man an exakt dieser Stelle vor dem Eingang zum berühmt-berüchtigten Dopinglabor des deutschen Arztes Mark S. in Erfurt …

Der früher im Radsport aktive Arzt betrieb laut den Ermittlungen der „Schwerpunktstaatsanwaltschaft München I für Dopingvergehen im Sport“ seit Ende 2011 an Profisportlern Blutdoping. Der Mediziner mit Praxis in Erfurt und vier seiner Helfer befinden sich in Untersuchungshaft. Nach dem Arzt, einem Mann in Erfurt, einer Frau und einem bereits von Österreich an Deutschland ausgelieferten Mann wurde laut Oberstaatsanwalt Kai Gräber am Montag eine fünfte Person aus dem Netzwerk festgenommen. Der 38-jährige Deutsche habe Blutbeutel transportiert und ohne medizinische Ausbildung Blutdoping an anderen durchgeführt. Dem Arzt drohen zwischen einem Jahr und zehn Jahren Haft, so Gräber.

In dem Doping-Labor des Schreckens in einem Verschlag in jener Erfurter Garage wurden jedenfalls Kühlschränke und ein spezieller Tiefkühlschrank für Temperaturen bis minus 80 Grad aufgefunden. Einen Kühlschrank und eine Blutzentrifuge, die in einer Wohnung in Erfurt sichergestellt wurde, habe S. laut Gräber „von einem zuvor in Österreich verurteilten Mann“ um 50.000 Euro gekauft. Der Ex-Sportmanager Stefan Matschiner hatte zuletzt gegenüber Medien erklärt, er habe das Gerät weitergegeben. 2018 habe Mark S. laut Gräber auch noch eine neue Zentrifuge gekauft. Neben Gerätschaften für das Blutdoping seien auch Wachstumshormon sowie weitere vorerst nicht identifizierte Präparate gefunden worden.

Für seine Dienste hat der Arzt laut Staatsanwalt zwischen 4.000 und 12.000 Euro pro Saison verlangt. Das ergibt nach vorsichtigen Schätzungen mindestens 100.000 Euro pro Saison. Laut Gräber wurden 40 bis 50 Blutbeutel sichergestellt. Er gehe davon aus, dass diese auch ohne DNA-Abgleich zugeordnet werden könnten. Der DNA-Abgleich diene dann als Bestätigung. Alle gefundenen Gegenstände würden aktuell kriminaltechnisch untersucht. Mit Ergebnissen wie der Nennung weiterer Namen sei in den nächsten Tagen nicht zu rechnen. Detail am Rande: Die Beschuldigten hätten sich sicher gefühlt. Denn zuletzt wurde noch ein Telefonat abgehört, in dem der Arzt sagte, er habe alle Unterlagen geschreddert.

Staatsanwalt Gräber betonte übrigens, was angesichts der semiprofessionell anmutenden „Labor“-Bedingungen auch für den Laien logisch erscheint. Bei Überwachungen habe man etwa gesehen, wie ein Sportler nach dem Blutdoping wie unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln aus dem Haus gekommen sei. Ein anderer habe nach der Rückführung beide Arme bis zu den Schultern in den Schnee gesteckt. Risikoreich sei auch die Zuführung von einem Liter Blut vor Langstreckenflügen gewesen. Zudem sei etwa die Rückführung des Blutes von Personen ohne medizinische Ausbildung durchgeführt worden, an einem Aktiven wurde gar ein unbekanntes Präparat getestet.

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