18.03.2019 06:09 |

Wissenschafts-News

Was uns das Blut über Krebs verrät

Nicht nur der rote Lebenssaft, auch andere Körperflüssigkeiten können für die Liquid Biopsy zur Diagnose und Therapiekontrolle herangezogen werden.

Es klingt wie aus einem Science-Fiction-Roman: Man nimmt eine Blutprobe, schickt sie ins Labor und herauskommt der aktuelle Krebsstatus.

Test zur Früherkennung von Brustkrebs
Nun, so einfach ist das natürlich nicht, der erste Schritt in diese Richtung ist aber tatsächlich bereits getan. Vor Kurzem stellten Deutsche Wissenschafter der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg bei einem Fachkongress einen Bluttest zur Früherkennung von Brustkrebs vor. Damit sollen bald - die Markteinführung ist noch für heuer geplant - bildgebende Diagnosemöglichkeiten wie Mammografie, Ultraschall und Magnetresonanz (MRT) ergänzt und erweitert werden. Eine breite Anwendung oder gar ein Screening im Sinne von Vorsorgeuntersuchungen ergibt sich daraus aber nicht.

Die Methode beruht auf einem Verfahren, das in Körperflüssigkeiten wie eben Blut, aber auch Speichel und Urin, genetische Bestandteile („Tumor DNA“) oder auch frei zirkulierende Krebszellen aufspürt, Liquid Biopsy genannt, also Flüssigkeitsbiopsie. Werden diese Bestandteile der Probe biochemisch analysiert, können Rückschlüsse auf Art und Aggressivität des Tumors gezogen werden. Langfristig steht im Raum, damit die schmerzhafte und invasive Gewebebiopsie zu ersetzen, für die ein Eingriff notwendig ist. Weiterer Vorteil: Krebsherde sind nicht einheitlich, können bei demselben Patienten in unterschiedlicher Ausprägung auftreten. So bilden die ausgestanzten Gewebestücke nur einen „Schnappschuss“ der Realität ab und lassen keine Schlüsse auf zeitliche Veränderung des Krebsgeschehens zu.

Möglichst breites Beobachtungsspektrum
Bei Verdacht auf Prostata-Karzinom bzw. auffälligen PSA-Werten bei Männern könnte im Falle spezieller Fragestellungen auch eine Urinprobe herangezogen werden. Besonders Tumoren der Vorsteherdrüse sind uneinheitlich („inhomogen“), ergeben damit ein breiteres Bild der Begutachtung. Auch wenn eine Gewebeentnahme nicht möglich ist, kann die Blutbiopsie eine Alternative darstellen. Derzeit vor allem zu Forschungszwecken eingesetzt, zeigt sich an der Entwicklung, wie Fachwissen letztendlich direkt für Patienten nutzbar wird. „Große Erwartungen kann in die Liquid Biopsy für die therapiebegleitende Diagnostik im Bereich zielgerichteter Behandlungsstrategien gesetzt werden“, so Molekularbiologin Prof. Dr. Gerda Egger. Sie ist stellvertretende Leiterin des LBI Applied Diagnostics, wo man neue nicht-invasive bildgebende und molekulare Verfahren für die Krebsdiagnostik beforscht.

Interview: „Chance für die Zukunft“ (mit Prof. Dr. Gerda Egger)

Wie kann man so einen Bluttest zur Brustkrebsfrüherkennung anwenden?
Wir verwenden die Flüssigkeitsbiopsie bereits, um bösartige genetische und biochemische Veränderungen in Tumoren aufzufinden, aber noch nicht im breiten klinischen Bereich, nur bei besonderen Fragestellungen. Das wird auch mit dem neuen Bluttest nicht möglich sein. Dennoch hat das Verfahren hohes Potenzial.

Bei den Ergebnissen aus Deutschland zeigten sich starke Unterschiede in der Trefferquote (zwischen 60% und 86%) je nach Alter der Teilnehmerinnen. Woran könnte das liegen?
Ältere Personen zeigen oft Mutationen (Anm.: spontane Veränderung im Erbgut) in bestimmten Zellen, obwohl gar keine Tumorerkrankung vorliegt. Daraus resultiert dann unter Umständen eine Überdiagnose. Daher macht die Kombination mit bildgebenden Verfahren Sinn.

Der Trend geht also weiter in Richtung personalisierte Krebstherapie?
Jeder Tumor hat seine eigene Charakteristik. Wenn wir diese molekularbiologisch verstehen können, lassen sich auch Behandlungsschritte besser umsetzen, der Verlauf dokumentieren, passende Medikamente finden und solche, die nicht wirken, ausschließen.

Weitere Informationen: www.lbg.ac.at

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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