10.03.2019 20:00 |

„Katharina Blum“

Next Liberty: Stilles Ringen mit der Wahrheit

Den Sensationsjournalismus seiner Zeit hat Heinrich Böll in seiner Erzählung „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ einst angeprangert. Regisseur Kristo Šagor und das Ensemble des Next Liberty bringen den Klassiker in Graz in einer Bearbeitung auf die Bühne, die die Zeitlosigkeit des Stoffes eindrucksvoll vor Augen führt.

Katharina Blum ist eine unscheinbare, unbescholtene Frau. Eigentlich. Denn als sie nach einer Party einen Mann mit zu sich nimmt, ändert sich ihr Leben für immer: Der Mann ist ein gesuchter Straftäter, Blum gerät ins Zentrum der Ermittlungen. Von einer Zeitung wird sie zur Femme Fatale hochstilisiert und für eine Skandalmeldung nach der anderen missbraucht - bis sie tatsächlich für einen blutigen Eklat sorgt.

Ein Klassiker der 1970er
Heinrich Böll hat mit seinem 1974 erschienenen Erzählung den Sensationsjournalismus seiner Zeit - vor allem in Zusammenhang mit dem linken Terrorismus der RAF - angeprangert. Regisseur Kristo Šagor bringt den Klassiker im Grazer Next Liberty in einer ebenso smarten wie effektiven Inszenierung auf die Bühne, der kleine Andeutungen reichen, um die Brisanz dieses historischen Stoffes für die Gegenwart klarzumachen.

Demokratisierte Hetzkampagnen
Er belässt die Geschichte in der Welt der 1970er, die Ausstatterin Denise Heschl fantastisch einfängt, doch er schmuggelt zum Beispiel ein Smartphone ins Geschehen. Das reicht um zu zeigen, dass die Hetzkampagnen, die einst von mächtigen Medienhäusern gesteuert wurden, sich heute demokratisiert haben und dank Sozialer Medien zum Massenphänomen geworden sind.

Ringen um die Wahrheit
Vor allem aber löst Šagor die Erzählung in seiner Bearbeitung aus ihrem scheinbar auktorialen Rahmen: Die Figuren sind zwar lose den Darstellern zugeordnet, doch es gibt immer wieder Ausbrüche: So wie die Figuren im Stück um die Wahrheit über Katharina ringen, so kämpfen auch die Darsteller um die Deutungshoheit über den Text. Die Wirklichkeit bestimmt, wer am effektivsten an ihr dreht.

Tolles Ensemble
Sagor steht dafür ein Ensemble zur Seite, das sein Konzept perfekt umsetzt: Helmut Pucher, Martin Niederbrunner, Amelie Bauer, Michael Großschädl und Christoph Steiner changieren zwischen individuellen Glanzleistungen und präzise eingespielten Chorszenen. Im Auge des Sturms verleiht Yvonne Klamant ihrer Katharina Blum stillen Stolz und grazile Stärke.

Alle Infos und Termine finden Sie hier

Christoph Hartner
Christoph Hartner

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