Mi, 20. Februar 2019
02.02.2019 11:52

Auftrag um 1,7 Mrd. €

Siemens baut Züge für Londons U-Bahn in Österreich

Siemens wird die im vergangenen Sommer bestellte neue Zugflotte für die Londoner U-Bahn großteils in Wien und Graz bauen. In England hatte man gehofft, dass Siemens die neuen Züge in seiner neuen Fabrik im ostenglischen Goole produzieren würde, und fühlt sich getäuscht. Der Technologiekonzern beruhigt: Im Endeffekt würden 1700 indirekte Jobs in dem Inselstaat geschaffen. Bei dem Großauftrag im Wert von 1,7 Milliarden Euro hatte Siemens die beiden Mitbewerber Hitachi und Bombardier ausgestochen, die gemeinsam geboten hatten.

Bei dem Großauftrag geht es um 94 U-Bahn-Züge, die ab 2023 die aus den 1970er-Jahren stammenden Züge auf der Picadilly-Linie ersetzen sollen. Geplant sei darüber hinaus, danach auch die Züge für drei weitere Linien bei Siemens zu bestellen, hieß es.

Siemens Österreich ist offenbar bemüht, die Wogen um den Großauftrag etwas zu glätten. „Der Auftrag für die Metro London ist ein bedeutender Schritt für Siemens mobility, um die neue Fabrik in Goole, East Yorkshire, zu bauen, um dort Züge zu bauen und in Betrieb zu setzen“, so Michael Braun, Sprecher von Siemens Österreich. Dort sollen bis zu 700 Leute Arbeit finden. Weitere 250 Personen sollen während der Bauphase der Fabrik beschäftigt werden, insgesamt so 1700 indirekte Jobs in Großbritannien geschaffen werden.

Kritik an Standort
Der britische Unterhausabgeordnete Phil Wilson hatte in einem an den Londoner Bürgermeister Sadiq Khan gerichteten Brief kritisiert, dass Siemens zwei Drittel der Züge in Wien bauen und sämtliche Drehgestelle in Graz produzieren wolle. Die Fabrik in Goole, die Siemens bauen wolle, würde für den Auftrag nicht rechtzeitig fertig.

„Ich bin zutiefst enttäuscht zu hören, dass die Fabrik in Goole nicht in der Lange sein wird, den Auftrag vollständig auszuführen, während es in meinem Wahlbezirk eine Zugfabrik gibt, die über die notwendigen Arbeitskräfte, die Erfahrung und die Zulieferkette verfügt, um den Auftrag gemeinsam mit Bombardier auszuführen“, heißt es im Brief des Abgeordneten Wilson an den Londoner Bürgermeister.

Wertschöpfung soll im eigenen Land generiert werden
Die Hitachi-Werke mit einer Stammbelegschaft von 750 Personen hätten noch keine neuen Aufträge in Sicht, würden aber über die erforderlichen Arbeitskräfte, die Erfahrung und Zulieferkette verfügen. Hitachi fordert deshalb Schadensersatz von den Londoner Verkehrsbetrieben. Man sei in der Lage, die Züge in England zu bauen und so mehr Wertschöpfung in London und im Rest des Landes zu generieren, hieß es seitens des Unternehmens.

Ein Sprecher von Bürgermeister Khan erklärte, der Bürgermeister sei in den Vergabeprozess nicht involviert gewesen. Die Londoner Verkehrsbetriebe Transport for London seien überdies an EU-Bestimmungen gebunden gewesen, wonach britische Hersteller oder Produktionsstandorte nicht direkt bevorzugt werden dürften.

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