09.02.2019 08:00 |

Genuss mit Fluss

Flusskreuzfahrt am Rio Douro

Ein Fluss, ein Schiff, ein Wein. Das Douro-Tal im Norden Portugals gilt als die Wiege des Portweines. Bei einer Flusskreuzfahrt verschmilzt alles zu einer wunderbaren Symbiose.

Nach und nach kehren die Passagiere der „MS Infante Don Henrique“ von ihrem Landausflug durch die sonnenverwöhnte „Regiao do Vinho de Porto“, einem Anbaugebiet des berühmten Portweins, zurück aufs Schiff. Langsam füllt sich das Sonnendeck, und man plaudert über die Erlebnisse des Tages. Auch wir sitzen hier, ein Glas des berühmten Weines vor uns, und genießen die letzten Strahlen der untergehenden Sonne.

Der Portwein hat eine lange Tradition, und nur wenn der kostbare Tropfen aus einer der drei Anbauregionen im Douro-Tal stammt, darf er sich auch „Vinho de Porto“ nennen. Seit dem Jahr 1756 ist das Douro-Tal das erste herkunftsgeschützte Weinbaugebiet der Welt. Und keine andere europäische Weinbauregion kann von sich behaupten, landschaftlich so schön zu sein wie die Heimat dieses süßen, schweren Weines.

Zwischen bewaldeten Hügelketten, schroffen Felswänden und terrassenförmig angelegten Weinbergen sucht sich der Rio Douro seinen Weg zum Atlantik. Der mit 850 Kilometern zweitlängste Fluss der Iberischen Halbinsel entspringt in der spanischen Provinz Soria und mündet bei Porto ins Meer. Früher wild und unbändig, ist der Douro heute durch Schleusen und Staudämme reguliert und für die Flussschifffahrt gut erschlossen. Hier in Pinhão ist der geografische Mittelpunkt des Douro-Weinbaugebietes, und viele mehr oder weniger berühmte Weingüter finden sich in der Umgebung. Karge Schieferböden und heiße Sommer - das ist es, was die Rebstöcke brauchen, um optimal zu reifen.

Besonders sehenswert in Pinhão ist das Bahnhofsgebäude. Blau bemalte Kacheln, sogenannte Azulejos, zeigen auf insgesamt vierundzwanzig Wandbildern Motive aus der Weinherstellung. Den Azulejos sind wir schon in Porto begegnet, denn sie sind so etwas wie ein Wahrzeichen des Landes. Kaum eine Häuserfassade, an der die Kacheln nicht zu finden sind. Bevor wir uns auf den Weg hierher machten, haben wir das historische Zentrum der „heimlichen Hauptstadt“, das von der UNESCO 1996 auf die Liste des Weltkulturerbes gesetzt wurde, besucht.

Enge, verwinkelte Gassen führen vom Fischerviertel Ribeira hinauf in die Altstadt. Ein Spaziergang bringt uns zum Börsegebäude Bolsa, dem Platz der Kathedrale mit dem Bischofspalast und dem Bahnhof São Bento. Szenen aus der Geschichte des Landes sind auch hier auf monumentalen Azulejos festgehalten.

Während die anderen Passagiere schon einige entspannte Tage an Bord der „MS Infante Don Henrique“ flussaufwärts unterwegs waren, haben wir uns erst jetzt eingeschifft und begleiten die Gruppe auf der letzten Etappe der Reise. In der Nacht herrscht ein Fahrverbot auf dem sonst so frequentierten Douro. 

Der nächste Morgen. Mit dem Bus geht es nach Lamego. Wir erkunden die alte Bischofsstadt, die inmitten von Weinbergen, am Abhang des Monte Penude liegt. Im Zentrum der Stadt erhebt sich die gotische Kathedrale, an deren Fassade viele nautische Elemente an die Seefahrervergangenheit Portugals erinnern. Nach zahlreichen Umbauten ist vom ursprünglichen Kolossalbau lediglich der massige rechteckige Turm erhalten. Besonderer Anziehungspunkt für Tausende Wallfahrer ist die der Muttergottes geweihte barocke Kirche Nossa Senhora dos Remédios auf dem Monte de Santo Estevão. Siebenhundert Stufen, unterbrochen von Terrassen mit reich verzierten Stationskapellen, führen vom „Jardim“, dem Stadtgarten, hinauf zu der weithin sichtbaren Pilgerstätte.

In der Zwischenzeit ist die „MS Infante Don Henrique“ unterwegs nach Régua, wo auch wir wieder an Bord gehen. Den Rest des Tages genießen wir im Liegestuhl auf dem Sonnendeck. Die Landschaft verändert sich. Die Weinberge werden weniger, die Ufer felsiger. Am Abend erreichen wir Porto. Gerade richtig zum Sonnenuntergang. Die meisten Passagiere sind jetzt an Deck. Denn atemberaubend schön ist es, wenn die Sonne langsam im Atlantik verschwindet und nach und nach die Lichter der Stadt angehen.

Eva Bukovec, Kronen Zeitung

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