Fr, 19. Oktober 2018

560 SL Roadster

17.09.2018 17:24

Warum will niemand den Trump-Mercedes kaufen?

Gebrauchtwagen prominenter Vorbesitzer gelten gemeinhin als begehrte Sammlerstücke. So brachte der VW Golf von Joseph Kardinal Ratzinger, dem späteren Papst Benedikt XVI., fast 190.000 Euro. Der Land Rover des einstigen britischen Premierministers Winston Churchill wurde 2012 für umgerechnet 170.000 Euro versteigert. Ein barolorotes Mercedes-Benz 560 SL Cabrio, Baujahr 1987, dagegen steht sich seit einigen Jahren bei Baz Dreamcars in Waghäusel bei Hockenheim und in Oberhausen die Reifen platt. Sein Vorbesitzer: ein gewisser Donald Trump, wohnhaft zur Zeit des Kaufs laut Vertrag: 225 Fifth Avenue, New York, NY 10021, USA.

Das 60.000 Dollar-Auto war vermutlich ein Weihnachts- oder Wiedergutmachungsgeschenk (?) für die erste Ehefrau des heutigen Präsidenten der USA, Ivana. Die Tschechin war zu diesem Zeitpunkt bereits zehn Jahre mit dem damaligen Unternehmer verheiratet und sollte es noch weitere fünf an seiner Seite aushalten. 1993 wurde sie von der 14 Jahre jüngeren US-amerikanischen Schauspielerin Marla Maples abgelöst.

Besonders ins Herz geschlossen hat Ivana, Mutter der heutigen Präsidentenberaterin Ivanka, den 231 PS starken V8-Sportwagen offensichtlich nicht. Als sie das Auto nach sechs Jahren verscherbelte - just als ihre Nachfolgerin offiziell die nächste Frau Trump wurde - hatte es gerade mal 11.000 Meilen, umgerechnet knapp 18.000 Kilometer, auf dem Tacho. Die meiste Zeit muss der Wagen mit der Autonummer „Ivana 1“ in einer Tiefgarage in Palm Beach im Süden Floridas herumgestanden haben.

Auf einen Tipp von einem Freund hin reiste Bariz Baz, Juniorchef von Baz Dreamcars, vor fünf Jahren nach Florida. Dort würde ein Gebrauchtwagenhändler Trumps ehemaligen Roadster verkaufen, hieß es. Bariz schlug zu und brachte das Auto nach Deutschland. „Der Wagen war in einem top Zustand„, erinnert er sich. Insgesamt kostete ihn der Deal rund 40.000 Euro. “Leider war der SL damals noch keine 30 Jahre alt und somit kein Oldtimer.„ Deshalb wurden nicht nur zehn Prozent Zoll, sondern zusätzlich noch die gesetzliche Mehrwertsteuer von 19 Prozent fällig. Anschließend gab es noch eine intensive Verjüngungskur. Bariz Baz: “Der Mercedes ist jetzt in einem Jahreswagenzustand.“ Sein Wert (Zustand 1-2) liege zwischen 40.000 und 60.000 Euro - ohne Promibonus - gaben ihm die Oldtimer-Experten der Marktbeobachtung GmbH Classic Data aus Bochum schriftlich.

Doch damit dürften sich die Fachleute etwas verkalkuliert haben. Gleich sechs Mercedes-Benz 560 SL Roadster aus den Baujahren 1987 bis 1989 in gutem Zustand versuchte der Auktionsriese Sotheby‘s am letzten August-Wochenende in Auburn im US-Bundesstaat Indiana zu versteigern. Zwei davon fielen mangels Interesse unter den Tisch, die restlichen kamen auf Preise zwischen 18.000 und 39.000 Dollar (15.400 bis 33.500 Euro).

Das Interesse am Ex-Trump-Mercedes in Deutschland hält sich deshalb - Promibonus hin, Promibonus her - in Grenzen. Die Fachzeitschrift „kfz-betrieb„ schrieb vor zwei Jahren über Baz Dreamcars: “Jetzt kalkuliert der Händler aus Baden-Württemberg mit einem sehr hohen Verkaufserlös. Seine Rechnung: Der Wagen wäre ohne Promifaktor schon 80.000 Euro wert. Mit dem Promifaktor könne ein Vielfaches dieses Wertes erzielt werden. Als Beispiel verweist er auf den ehemaligen Golf von Kardinal Joseph Ratzinger, den späteren Papst Benedikt XVI. Dieser habe im Einkauf 9400 Euro gekostet und sei später für 190.000 Euro auf Ebay versteigert worden.“ So viel wollte aber bisher kein Mensch bezahlen, denn Trump ist nun mal, auch wenn er sich selbst als wesentlich bedeutender einschätzt, nicht der Papst.

Andere Mercedes-Modelle aus dem Umfeld des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten lassen sich jedoch leichter verkaufen. In Oberboihigen/Baden Württemberg steht zurzeit bei Auto-Auer-Klassik ein Mercedes 280 SE zum Verkauf, den die jetzige First Lady der USA fuhr, als sie noch Melania Knavs hieß und Slowenin war. 15.800 Euro möchte Franz Auer, Spezialist für gebrauchte Mercedes-Modelle, für den 38 Jahre alten, aber gut erhaltenen und rostfreien Oldtimer erzielen, was durchaus als nicht unrealistisch erscheint.

Außerdem hat Auer mit Autos aus der gleichen Quelle bislang gute Erfahrungen gemacht. Er ist mit Viktor Knavs, Melanias Vater, befreundet. Trumps Schwiegervater ist Mercedes-Fan seit vielen Jahren und legte sich schon 1959 gleich nach dem Erwerb seines Führerscheins und in einer Zeit, als es in Slowenien noch sehr wenige Privatautos gab, einen alten Mercedes zu. Dieser Marke blieb er bis heute treu, auch nachdem das Ehepaar Knavs vor ein paar Jahren seiner Tochter in die USA folgte und sich dort im Trump Tower in New York einen zweiten Wohnsitz einrichtete. Franz Auer konnte bereits mehrfach Autos von Viktor Knavs verkaufen, so zum Beispiel einen 500 SL und einen Maybach.

Ob da noch weitere hinzukommen? Bekanntlich will Donald Trump nicht ruhen, bis keine Mercedes-Modelle mehr auf der Fifth Avenue in New York rollten. Das habe der US-Präsident im April beim Besuch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron gesagt, berichtete damals die "Wirtschaftswoche". Doch das wird er wohl kaum schaffen. Viktor Knavs ähnelt nicht nur optisch, sondern angeblich auch charakterlich seinem Schwiegersohn. Er dürfte sich von seiner Mercedes-Liebe nicht abbringen lassen.

(ampnet)

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