So, 23. September 2018

Frust bei Wirtsfamilie

10.09.2018 07:21

„Zentimeter-Bürokratie“ gefährdet Zukunft

Eine Vorschriften-Entrümpelung kommt in vielen Politikerreden vor, in der Realität ist das Bild oft ein anderes. Beim Hotel Briem in Westendorf brach die Bürokratie zuletzt wie eine Flut herein, Kosten und Frustpotenzial für die Betreiberfamilie sind hoch. Beim Erfüllen der Auflagen geht es oft um wenige Zentimeter.

Das 3-Sterne-Hotel mit derzeit 95 Betten wurde 1965 auf der grünen Wiese außerhalb des Westendorfer Ortszentrums errichtet. „Wir haben zuletzt einige Zimmer umgebaut, da ging es mit den Vorschriften so richtig los“, erzählt Chefin Christine Schieder (57). Hinzu kamen die regelmäßigen Überprüfungen nach §82b der Gewerbeordnung. Einiges mag - gerade in Hinblick auf Sicherheit - nachvollziehbar sein. „Doch manche Beanstandungen sind ein Wahn“, schüttelt sie frustriert den Kopf.

  • Ein Zentimeter zu hoch
    Die Außen-Fluchtstiege aus Metall fertigte ein Schlosser nach einstigen Normen an. Nun wurde beanstandet, dass die Höhe der Treppenabsätze 19 Zentimeter beträgt - um 1 Zentimeter zu hoch, denn nunmehr sind 18 Zentimeter vorgeschrieben.
  • Das große Fenster oberhalb dieser Fluchtstiege wurde vor wenigen Jahren ausgetauscht. Ohne dass vorher je davon die Rede war, bekrittelte die Behörde nun, dass hier ein Brandschutzfenster eingebaut werden müsse (damit Flüchtende sicherer sind). Das fast neuwertige bisherige Fenster ist Sperrmüll. Geschätzte Kosten: 8000 bis 10.000 Euro.
  • Die Tür zum Speisesaal stellte sich bei einer Kontrolle als um 3 Zentimeter zu schmal heraus. Ein fast unlösbares Problem, falls man nicht einen Teil der tragenden Mauer herausbricht. Ein Tischler hatte dann doch noch eine rettende Idee - und baute den Türstock etwas um. Kosten: immerhin noch 500 Euro.
  • Dritte Aufzug-Tür?
    Den Aufzug baute die Hotelierfamilie schon vor Jahren einmal um, er hat nun zwei Türen. Jetzt hieß es, dass dies brandschutztechnisch trotzdem nicht ausreiche. Eine dritte (!) Tür steht als Lösung im Raum, doch das ist baulich so gut wie unmöglich. Geschätzte Kosten: mehrere 10.000 Euro.
  • Beim Brandschutz legte die Behörde eine ganze Liste von Maßnahmen vor. Wegen neuer Vorschriften muss eine bisherige Rasenfläche geschottert werden, damit die Zufahrt für die Feuerwehr gewährleistet ist. Die umfangreichen Brandschutz-Forderungen, würden etliche Umbauten erfordern. Einer der Knackpunkte: Der Fluchtweg im Keller muss so projektiert werden, dass er 40 Meter nicht überschreitet. Laut einer ersten Messung würde man auf 39,90 Meter kommen, die Familie zittert aber davor, ob ein anderer Beamter auf die selbe Länge kommt.
  • Kühlanlage: In einem Buch muss Jahr für Jahr eingetragen werden, dass sie einwandfrei funktioniert. Ein Firmenvertreter muss dafür eigens anreisen und unterschreiben. Kosten: jedes Mal rund 240 Euro.

Seniorchef Heinrich Briem (85) zur „Krone“: „Wir leben von den Kunden und nicht von die Vorschriften.“ Manchmal stellt sich auch Nachfolger Rene (36) die Zukunftsfrage: „Es gibt Schmerzgrenzen, manchmal denkt man ans Aufhören. Ich glaube, damit wäre auch dem Staat nicht gedient . . .“

Andreas Moser
Andreas Moser

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