Mi, 14. November 2018

Patient nicht verletzt

30.06.2018 05:30

Sieben Fragen zum Sturz vom OP-Tisch im LKH Graz

Die Wogen gingen hoch nach dem dramatischen Zwischenfall in der Grazer Uniklinik! Ein Patient war direkt vor seiner schweren Herz-OP vom defekten Tisch gefallen; wir berichteten. Die „Krone“ hat bei der Spitalsgesellschaft KAGes nachgefragt, was die Konsequenzen sind.

Kennt man schon die Ursache für den Vorfall?
Nein, derzeit kann weder menschliches Versagen noch ein Defekt am Operationstisch ausgeschlossen werden. Die Techniker der Herstellerfirma und ein Expertenteam der KAGes arbeiten mit Hochdruck auch am Wochenende an einer Antwort. Das Krankenhaus ist allerdings guter Dinge, dass man mit Wochenbeginn wieder in den Vollbetrieb gehen kann.

20 OP-Tische mussten gesperrt werden. Wie ist der aktuelle Stand?
Die OP-Tische bleiben gesperrt, bis die Fehlerquelle gefunden wird und der Fehler ausgemerzt ist. Für Notfälle und dringend nötige Eingriffe gibt es Kapazitäten. Jene Patienten, für die geplante Operationen abgesagt werden mussten, haben bereits Ersatztermine.

Wie geht’s dem Patienten, der runterfiel?
Er hat laut KAGes unter dem Vorfall zum Glück nicht gelitten, aber er spürt natürlich die Folgen seiner Operation nach einem Herzinfarkt, die noch am Donnerstag nachgeholt wurde.

Wird der Patient rechtliche Schritte gegen die KAGes einleiten?
Im Moment weiß das Spital davon nichts, natürlich kann man solche Schritte aber nicht ausschließen. Anders als zunächst befürchtet ist dem Patienten bei dem Unfall nichts passiert.

Auf 20 OP-Tischen finden Hunderte Eingriffe in der Woche statt, die jetzt entfallen. Wie sehr wirkt sich das auf die Wartezeiten für nicht dringend nötige Eingriffe aus? Sie sind an der Grazer Uniklinik zum Teil ja berüchtigt lange und sollen teilweise durch Personalpolitik etc. hausgemacht sein…
Es gibt laut KAGes drei Bereiche, an denen Wartezeiten von mehreren Monaten in Kauf zu nehmen sind: die Orthopädie, die Augenklinik und die Herzchirurgie, was damit zusammenhängt, dass die Bevölkerung immer älter wird. Man kann keine Durchschnittszeiten angeben, weil die Dauer von der Dringlichkeit des Eingriffes abhängt, die sich etwa beim Herz in vier Stufen, von „sehr“ bis „zur Beobachtung“, staffelt. Die Zeiten im Internet transparent zu machen, was manche fordern, sei aus Datenschutzgründen undenkbar.

Die Chirurgie ist ja erst im Vorjahr eröffnet worden, man hört aber von diversen gröberen Pannen…
Laut KAGes kann jeder Häuslbauer bestätigen, dass nach einem Bau Fehler zu beheben sind - und bei einem komplexen Bau wie der Chirurgie potenzieren sich die möglichen Fehlerquellen. Es gibt eine Mängelliste. Jeder Mangel wird sukzessive abgearbeitet, betont das Krankenhaus.

Vor jeder Operation gibt es Checklisten, die penibel erledigt werden müssen. Ändern sich diese jetzt?
Checklisten können sich bei einem Unternehmen wie der KAGes immer verändern. Bevor das passiert muss man aber erst wissen, wo die Fehlerquelle ist. Davon hängt alles ab.

Christa Bluemel
Christa Bluemel

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