Fr, 19. Oktober 2018

„Krone“-Interview

22.06.2018 07:00

50 Jahre Deep Purple: Nick Simper erinnert sich

Im September 1968 erschien das Deep-Purple-Debütalbum „Shades Of Deep Purple“ und veränderte die Musikwelt nachhaltig - gemeinhin war damit der Hard Rock geboren, auch wenn es den Begriff damals noch gar nicht gab. Originalbassist Nick Simper erinnert sich im Interview an die Zeit kompositorischer Ungezwungenheit zurück und kommt mit den Nasty Habits bald in den Wiener Reigen, um diese Klassiker wieder live zu spielen.

„Krone“: Nick, du bist ein Gründungsmitglied von Deep Purple und als Bassist warst du integraler Bestandteil der ersten drei Alben. Woran erinnerst du dich, wenn du an diese Tage zurückdenkst?
Nick Simper:
An die Dringlichkeit und Aufregung. Wir waren in einer unglaublichen Tretmühle voller Arbeit gefangen, hatten kaum Zeit, das Album aufzunehmen und standen unter enormem Druck. Dennoch gab es ein großes Kameradschaftsgefühl.

Viele behaupten ja, euer Debüt „Shades Of Deep Purple“ aus dem Jahr 1968 wäre die Geburtsstunde des Hard Rock gewesen. Siehst du das auch so?
Es ist natürlich schön, so etwas zu hören, aber der Begriff Hard Rock war damals einfach noch nicht existent. Wir waren inspiriert von Bands wie Vanilla Fudge oder Graham Bond Organisation, die schon vor uns sehr harte Alben veröffentlichten.

Wie haben sich der Songwriting- und Aufnahmeprozess damals angefühlt? Hattet ihr das schon im Gefühl, dass dieses Album etwas ganz anderes wird und mit nichts bis Vorhandenem im Musikbusiness zu vergleichen wäre?
Wir haben immer sehr viel Bemühen reingelegt, so anders wie möglich zu sein und hatten schon damals das Gefühl, dass wir einen völlig neuen Sound erschaffen würden.

Welchen Einfluss hat dieses Album auf Musiker und Fans gleichermaßen? Welchen Stellenwert nimmt „Shades Of Deep Purple“ in der Rockgeschichte ein?
So eine Einordnung fällt mir immer schwer, aber da dieses Album schon so oft wiederveröffentlicht und neu aufgelegt wurde, scheinen die Leute es wirklich zu schätzen. Ich habe schon oft gehört, dass es für den einen oder anderen das Purple-Lieblingsalbum wäre und sehr viele Musiker, die nach uns kamen, Inspirationen daraus zogen.

Wie würdest du aus heutiger Sicht deine nur eineinhalb Jahre in der Band bewerten? Und wie sehr hat diese kurze Zeitspanne bei Deep Purple deine weitere Karriere geprägt?
Es war eine aufregende, manchmal auch sehr hektische Zeit, in der wir in einer unheimlich kurzen Zeitspanne wahnsinnig viele Erfolge feiern konnten. Natürlich hat dieser frühe und schnelle Erfolg mich und meinen Namen verfolgt, aber das hat mich niemals davon abgehalten, mich als Musiker weiterzuentwickeln und mich in anderen Projekten auszuprobieren. Viele davon waren auf keinen Fall schlechter, nur eben bei weitem nicht so erfolgreich.

Wie sah denn eigentlich der Lifestyle in den späten 60er-Jahren aus?
Wir haben damals zusammen gelebt und die ganze Zeit gemeinsam gespielt - alles hat sich nur um uns selbst gedreht. Wir haben die meiste Zeit darauf geachtet, uns als Musiker zu entwickeln und waren wirklich dicke Freunde. Wenn man älter wird, dann geht man natürlich in allen Bereichen vom Gaspedal. Vor allem wenn man, so wie ich, seit 49 Jahren verheiratet ist und vier Kinder hat.

Am 23. Juni wirst du mit den Nasty Habits im Wiener Reigen erstmals das volle „Shades Of Deep Purple“-Album live spielen. Wie fühlt es sich an, als Zeitzeuge nun 50 Jahre später diese Songs mit einem Haufen Österreicher zu spielen?
Es ist absolut wundervoll, diese Songs nach 50 langen Jahren spielen zu können und zu wissen, dass sie immer noch Menschen interessieren. Vor allem mit so großartigen Musikern wie den Nasty Habits. Dieses halbe Jahrhundert verging tatsächlich etwas sehr schnell, aber dass die Menschen immer noch Freude aus dem Album ziehen, ist einfach großartig.

Welche Bedeutung hat Deep Purple in deinem Leben und welchen Stellenwert für die Musikgeschichte im Allgemeinen?
Ich bin unheimlich stolz darauf, welche Musik wir damals als Originalband kreierten und habe eigentlich nur gute Erinnerungen daran. Es gibt gar keinen Zweifel daran, dass dieser Name und diese Band nach 50 Jahren des Livespielens und Albumaufnehmens einen verdienten Teil der Musikhistorie eingenommen hat und ich hoffe eigentlich nur, dass diese alten, klassischen Songs, noch ein weiteres halbes Jahrhundert gespielt und gehört werden.

Live in Wien
Am 23. Juni spielen Nick Simper & Nasty Habits im Wiener Reigen erstmals das Debütalbum “Shades Of Deep Purple“ in seiner vollen Länge live. Weitere Infos und Karten erhalten Sie unter www.reigen.at

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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