So, 24. Juni 2018

Die Kollegienkirche:

29.03.2018 09:00

Das ist Salzburgs Gotteshaus der Künste

Vor 311 Jahren geweiht, ist die Kollegienkirche von einem abwechslungsreichen Schicksal begleitet – vom Heulager zu Napoleons Zeiten bis zu Festspielbühne und Präsentation  von Kunstwerken der Salzburg Foundation.

Die Kollegienkirche wurde 1707 eröffnet, Pläne einer Universitätskirche hegte Fürsterzbischof Paris Lodron schon einige Jahrzehnte zuvor. „Gottseidank hat es im Sinne der architektonischen Qualität bis zur Ausführung so lange gedauert, so wurde es zu einem Bau Fischer von Erlachs“, meint   MMag.  Christian Wallisch-Breitsching, der schon die Renovierung der Kirche als Verwaltungsdirektor über ein Jahrzehnt begleitete.

Und gelegentlich zu ganz speziellen Führungen in das Gotteshaus mit seinen Mysterien und vielen Geschichten lädt (das nächste Mal am 16. April, Auskunft über die KHG). Einer der abstrusesten Storys über die Kirche ist man im Zuge der Restaurierung ganz genau nachgegangen: „Es tauchte auch in der Literatur immer wieder das Gerücht auf, dass Erzbischof Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein sein Gehirn der Universität vermacht habe und es in der Kirche bestattet sei. Doch wir haben alle Grüfte öffnen lassen und kein Hirn gefunden“, erklärt Wallisch, der neben seinen Verwaltungsagenden Seelsorger der Katholischen Hochschulgemeinde ist.   Der heute doppelte Magister der Theologie, Lehramt inklusive, kam in der 80er-Jahren über einen Orden zu Studienzwecken nach Salzburg, und ist geblieben. „Für diese Laufbahn hatte mich ein Geistlicher aus Seekirchen animiert, ein schon damals moderner und offener Denker“, erzählt der gebürtige Niederösterreicher, der in Wiener Neustadt maturiert hat.

Die Kollegienkirche ist indes in gewissem Sinn eine Staatskirche. „Die Liegenschaft gehört der Bundesimmobiliengesellschaft, alles in der Kirche, wie die Altäre, gehört der Erzdiözese – und die Sessel, teilweise schon fast 100 Jahre alt, den Festspielen“, verweist der 51-Jährige auf einen Kunstpartner. 1922 war das Juwel des Spätbarocks erster überdachter Festspielort, nach dem Skandal um Tabori in den 80ern war es ruhiger. „Aber speziell Markus Hinterhäuser hat schon in seiner Zeitfluss-Ära die Kirche bespielt, und durch die Ouvertüre spirituelle bekam alles eine neue, noch breitere Dimension.“

Vor allem auch, dass sich immer mehr Einheimische für den Erlach-Bau interessieren, der unter Denkmalschutz steht und zum UNESCO-Welterbe zählt. „Wir sind eine Kirche ohne Bänke, das ermöglicht ein spezielles, sehr spirituelles Raumerlebnis, das auch die Künstler spüren und schätzen“, sagt der Verwalter, der in solchen  Aktivitäten auch ein Wort des Papstes erkennt. Man solle sich den Rändern öffnen, Kunst ist auch irgendwie so ein Rand, meint er.

Derzeit läuft die Pure Life Ausstellung von Oskar Stocker, eine Porträtserie von Flüchtlingen afrikanischer Herkunftsländer, die ’Salzburg Foundation’ wird wiederum eine mit dem Krauthügel korrespondierende Installation einbringen.

Auch neben dem Hort der Künste prägt das Gotteshaus eine wechselvolle Geschichte: Als die Bayern Salzburg ihre Universität nahmen, verkam es in den Napoleonischen Kriegen zum Heulager, später zu einem Gefängnis. „Eine Form der Degradierung“, sagt der 52-jährige „Gotteshausherr“ über das Glaubensdomizil, das zu Ehren der Unbefleckten Jungfrau Maria eingeweiht wurde. Mit einem einwöchigen Fest damals - und heutzutage immer wieder kunstvollen Manifestationen.

Roland Ruess
Roland Ruess

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