Bei Quelle Österreich zeigt man sich auf jeden Fall nach wie vor optimistisch. Chef Wolfgang Binder verwies in einer Aussendung auf den "unverändert zufriedenstellenden" Geschäftsverlauf. Man habe bereits Fortführungsmodelle ohne die deutschen Mutter entwickelt. Notwendig dazu sei aber ein Investor. Möglicherweise könnte Quelle Österreich von der deutschen Otto-Gruppe übernommen werden.
"Quelle-Auslandstöchter prüfen"
"Für uns könnten Teile des Mittel- und Osteuropageschäfts oder Teile von Spezialversendern interessant sein", sagte ein Otto-Sprecher in Hamburg. "Wir werden jetzt mit der Insolvenzverwaltung schnell Gespräche führen und alle Quelle-Auslandstöchter prüfen." Österreich sei dabei einer der interessantesten Märkte und habe ein gutes Markt-Standing.
Das Schicksal der Österreich-Tochter hängt aber auch davon ab, wie es in Deutschland weitergeht, so Johann Kalliauer, Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich. Es gebe derzeit hektische Bemühungen, um die Fortführung zu sichern. Eine Vorentscheidung müsste jedenfalls innerhalb der nächsten zwei Wochen fallen. Es werde vor allem von der deutschen Insolvenzverwaltung abhängen, ob die Linien für Österreich aufrecht bleiben.
Stadt Linz bürgt für Quelle-Kredit
Der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch hatte bereits im August betont, man habe ein gewaltiges Interesse daran, dass Quelle erhalten bleibe. Die Stadt bürgt etwa mit 800.000 Euro für einen Oberbank-Kredit über 1 Million Euro. In Österreich sind insgesamt rund 1.000 Mitarbeiter bei Quelle beschäftigt.
Mutterkonzern Arcandor seit Juni in Insolvenz
Der Quelle-Mutterkonzern Arcandor hat im Juni Insolvenz angemeldet und sich zunächst noch um ein Sanierungs- bzw. Verkaufskonzept bemüht. Der Flächenvertrieb sollte teilweise aufgegeben werden und auch das QuelleTechnikCenter. Mit einem Massekredit von 50 Millionen Euro hatte man im Sommer noch den neuen Katalog retten können. Die öffentliche Debatte habe aber Kunden verunsichert, hieß es.
Vorgesehen war im Sanierungsplan auch ein Personalabbau von 10.500 auf knapp 7.000 Stellen bis Jänner 2010. Bis Ende September 2009 hatten 600 Beschäftigte selbst gekündigt, für 2.500 Mitarbeiter wurden Interessenausgleich und Sozialplan ausgehandelt. Die restlichen rund 7.000 Mitarbeiter werden ihre Arbeit verlieren, berichtet die Zeitung "Financial Times Deutschland".
Seehofer sagt Mitarbeitern Hilfe zu
Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer sagte den Quelle-Mitarbeitern Hilfe zu. "Wir müssen gemeinsam - Politik, Insolvenzverwalter und Belegschaft - schauen, dass wir die Auswirkungen für die betroffenen Menschen so gering wie möglich halten", sagte er. Große Hoffnungen wollte er der Belegschaft aber keine machen. "Ich kann nur sagen, dass wir uns weiter kümmern wie in den letzten Monaten", sagte er. Die bayerische Staatsregierung werde die Beschäftigten nicht alleine lassen.
Keiner wollte Quelle komplett kaufen
Das gesunde Auslandsgeschäft von Quelle soll schnell in einem eigenen Prozess verkauft werden. "Die internationalen Gesellschaften verfügen nach wie vor über stabiles Geschäft und sind solide, stabile und zuverlässige Partner bei Kunden wie bei Lieferanten", hieß es von Arcandor. Gleiches gelte für den Einkaufssender HSE 24. Die Spezialversender wie Baby Walz sollen ihr Geschäft selbstständig weiterführen.
Man habe zuletzt mit vier Interessenten gesprochen. Das Versandgeschäft mit Quelle und den Spezialversendern wollte aber niemand komplett übernehmen. Quelle war einst der zweitgrößte europäische Versandhändler und fusionierte 1999 mit Karstadt. Von da an ging es für den Konzern fast nur noch abwärts.
Betriebsratschef: "Es ist aussichtslos"
Quelle-Betriebsratschef Ernst Sindel reagierte schockiert auf das Aus für das insolvente Versandhaus. "Das ist für die betroffenen Menschen und ihre Familien eine Riesenkatastrophe", sagte er am Dienstag. Sindel hatte im Gläubigerausschuss bis zuletzt um eine Lösung gerungen. "Ich habe nochmals alles probiert", sagte er. "Aber es ist aussichtslos. Obwohl ich nie aufgebe, mache ich mir jetzt keine Hoffnungen mehr." Er setze jetzt auf die Hilfe des Freistaats Bayern und auch des deutschen Bundes, "um wenigstens ein bisschen Abfederung für die Betroffenen zu bekommen".









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