08.03.2018 09:56 |

Gender Medizin

Frauen, hört auf Euer Herz!

Häufigere Todesfälle nach Infarkt, erhöhtes Allergie- und Schlaganfallrisiko, schmerzempfindlicher: Frauen benötigen andere medizinische Betreuung als Männer.

Etwa 84 Jahre beträgt die derzeitige Lebenserwartung einer Österreicherin, 2030 werden es fast 90 Jahre sein. Das soll aber nicht darüber hinweg täuschen, dass sich zahlreiche Krankheiten beim weiblichen Geschlecht anders auswirken und darstellen, als bei Männern, allen voran Herzinfarkt. Oft entstehen nur minimale Beschwerden wie Übelkeit oder Bauchweh, Schmerzen im Arm oder der Brust bleiben aus. So kommt es, dass Herzprobleme bei den Damen immer noch als weniger dramatisch eingeschätzt werden und ihnen Hilfe dann häufig zu spät zu teil wird . Daraus erklärt sich auch, dass fast jeder zweite Todesfall nach Infarkt Frauen trifft. Nach den Wechseljahren stellt Vorhofflimmern einen bedeutenden Faktor dar.

„Auch Bluthochdruck ist eine stark unterschätzte Belastung, viele Symptome wie etwa Kurzatmigkeit oder Nervosität werden als Wechselbeschwerden fehlinterpretiert“, so Apothekerkammer-Präsidentin Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr im Zuge der Aufklärungsinitiative „Starke Frauen -Starke Herzen“. Dazu gehört auch, über seine Cholesterinwerte Bescheid zu wissen und gegebenfalls etwas gegen erhöhte Werte zu unternehmen.

Schlaganfall in jungen Jahren
Eine besondere Gefahr ergibt sich für junge Frauen, wenn sie  hormonelle Verhütung anwenden und Raucherinnen sind. Dann nämlich schnellt das Schlaganfall-Risiko empfindlich in die Höhe. Was viele nicht wissen: Eine Schwangerschaft gilt ebenfalls als möglicher Auslöser. Migränikerinnen mit Aura wiederum müssen mit einem siebenfachen Risiko rechnen.

Hormone, v.a. Östrogen, machen anfälliger für Schmerzen. Über Schulter-, Nacken- und Bauchbeschwerden (Menstruation ausgenommen) klagen zehn Prozent mehr Frauen als Männer. So betrifft etwa Reizdarm doppelt so viele Frauen. Es wird vermutet, dass ihr Nervensystem anders programmiert ist, was die Reizleitung verstärkt. Dies birgt aber den Vorteil, frühzeitige Abklärung herbeizuführen und sollte nicht als „überempfindlich“ abgetan werden. Es ist ein Überlebensvorteil! Allerdings werden die meisten Schmerzmittel noch immer nur an Männern getestet, dabei belegen Studien mittlerweile, dass nicht nur die Dosierung ausschlaggebend ist, sondern bestimmt Mittel bei Frauen sogar gegenteilige Wirkung haben. Hier fehlen immer noch aussagekräftige Daten.

Neuesten Erkenntnissen zufolge stehen Hormonveränderungen während des weiblichen Zyklus, bei Schwangerschaft und in der Menopause in Verdacht, die Empfindlichkeit der Bronchien zu erhöhen und dadurch das Auftreten von Allergien und Asthma zu forcieren. Das sollte bei Diagnose und Behandlung mehr berücksichtigt werden. 

Mit all diesen Themen beschäftigt sich die Gendermedizin. Nicht nur zum heutigen Weltfrauentag eine Herausforderung für die Zunkunft!

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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