Fr, 24. November 2017

Land der Titel

27.03.2008 20:07

Herr Expositus & Frau Obersonderkindergärtnerin

Wenn jeder für seinen Titel einen Orden bekommen würde, könnte man's in der U-Bahn wohl dauernd klimpern hören: Rund 900 Titel gibt es in Österreich, die der Autor Heinz Kasparovsky in der Neuauflage seines Buches "Titel in Österreich" anführt. Neben allseits bekannten wie dem "Doktor" oder dem "Magister" tauchen dabei auch eher seltene auf: Vom "Expositus" (seelsorgerischer Vorsteher einer Expositurgemeinde im Kirchenwesen) über die "Obersonderkindergärtnerin" (abgekürzt übrigens "OSonderKdg.") bis zum militärischen Dienstgrad "Majorveterinär" ("MjrVet"). Eine befremdliche Nachricht hat das Buch auch für "Kottan"-Seher parat: Den "Inspektor" gibt es nämlich sehr wohl!

Auch dem kniffligen protokollarischen Problem, welche Titel bei einem Zusammentreffen voranzustellen sind, wird nachgegangen - es heißt übrigens im Fall des Falles korrekt "HR Univ. Prof. Akad. Tourismusmanagerin Dr.phil. Maria Bauer, BSc MSc".

Erfasst werden in Kasparovskys Buch - im Zivilberuf ist der Autor Abteilungsleiter im Wissenschaftsministerium - akademische Grade genauso wie akademische Ehrentitel, sonstige Ausbildungsbezeichnungen, Berufsbezeichnungen, Berufstitel, Amtstitel, Verwendungsbezeichnungen, Funktionsbezeichnungen, Diensttitel, Dienstgrade, Standesbezeichnungen und Titel von Kirchen und Religionsgemeinschaften. Angeführt werden auch die korrekten Abkürzungen. Der Begriff "Titel" versteht sich übrigens nicht als Rechtsausdruck, sondern als "Sammelbezeichnung für alle personenbezogenen Ergänzungen zum Namen".

Reihenfolge der Titel gesetzlich nicht festgelegt
Hilfreich auch die Anleitung, wie man beim Zusammentreffen mehrerer Titel bei einer Person korrekt vorgeht. Gute Nachricht: Dafür gibt es kaum rechtliche Vorschriften, Kasparovsky hat aber Empfehlungen parat: Hat eine Person etwa mehrere akademische Grade erworben, dürfen sie grundsätzlich kumulativ geführt werden. Eine Reihenfolge ist gesetzlich nicht festgelegt, allerdings hat sich der Brauch eingeführt, die höherrangigen Grade dem Namen am nächsten zu führen ("Mag. Dr. Max Mustermann"). Magister-, Diplom- und Doktorgrade sind dem Namen aber verpflichtend voranzustellen, Bachelor, Master- und PhD-Grade müssen ihm nachgestellt werden ("Max Mustermann, PhD").

Komplizierter werden die Dinge, wenn mehrere Titel verschiedener Kategorien (Berufsbezeichnungen, Amtstitel, akademische Grade etc.) aufeinandertreffen. Auch hierfür präsentiert Kasparovsky eine Empfehlung: Als erstes genannt werden Berufsbezeichnungen (z.B. "Architekt", "Forstassistent"), anschließend kommen Amtstitel und Verwendungsbezeichnungen (z.B. "Hofrat", "Forstrat"), dann abgestuft Berufstitel (z.B. "Universitätsprofessor"), akademische Ehrentitel (z.B. "Dr. h.c."), Standesbezeichnungen (z.B. "Ingenieur"), sonstige Ausbildungsbezeichnungen (z.B. "Akademischer Tourismusmanager") und endlich die akademischen Magister-, Diplom- und Doktorgrade (z.B. "Diplom-Ingenieur", "Doktor", "Magister"). Dann folgt der Name, hintangestellt werden die akademischen Bachelor-, Master- und PhD-Grade (z.B. "Bachelor of Science", "Master of Science").

Man kann den Titel anführen, muss aber nicht mehr
Die eingangs angeführte Frau Bauer ist übrigens Hofrätin, Universitätsprofessorin, hat außerdem einen Universitätslehrgang zur Tourismusmanagerin absolviert, ein Doktoratstudium sowie ein Bachelor- und ein Masterstudium abgeschlossen. Erfreulich für sie: Kein Titel ist Bestandteil des Namens - eine allgemeine Verpflichtung zur Führung besteht daher heutzutage nicht mehr.

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