Mo, 23. Oktober 2017

"Vergasen!"

16.05.2017 12:54

Wüsteste Drohungen für Bibi – YouTube tut nichts

Mit ihrem ersten Musikvideo hat sich die 24-jährige Videobloggerin Bianca Heinicke, auf YouTube besser als "Bibi" bekannt, ordentlich in die Nesseln gesetzt. Während ihre Schminktipps für 4,5 Millionen Abonnenten beste Unterhaltung darstellen, hat ihr musikalisches Werk einen veritablen Shitstorm ausgelöst, Beschimpfungen und strafbare Meldungen wie "Vergasen, die Schlampe!" inklusive. Seitens YouTube wird beteuert, das Hassposting-Problem jedenfalls sehr ernst zu nehmen. Man stelle den Usern zudem Tools zur Verwaltung der Kommentare zur Verfügung.

"Bibi, du bist so fett, geh verrecken!", oder "Wenn ich dich schlage, siehst du aus wie Schrott!" - die Drohungen, mit denen YouTube-Star Bibi laut einem "Standard"-Bericht seit der Veröffentlichung ihres Musikvideos konfrontiert ist, sind verstörend und unwürdig. Manch einer wünscht der jungen Frau gar Nazi-Verbrechen an den Hals: "Vergasen, die Schlampe!", steht unter ihrem Video - und offenbar löscht niemand das Posting.

Hass auf YouTube wird kaum entfernt
Das ist bemerkenswert, weil inmitten der öffentlichen Debatte über Hass im Netz meist Facebook und Twitter in die Kritik geraten, Googles lukrative Videoplattform dagegen nicht. Dabei sei gerade sie besonders nachlässig, wenn es um die Löschung verwerflicher Inhalte geht, heißt es in dem Bericht. Blutige IS-Propaganda, menschenverachtende Nazi-Postings oder schlicht Beschimpfungen bleiben stehen, zu viel nackte Haut oder Urheberrechtsvergehen werden gelöscht.

Google: "Nehmen Problem sehr ernst"
Im Gespräch mit krone.at streicht Google-Pressesprecher Wolfgang Fasching-Kapfenberger hervor, dass man seitens der Plattform YouTube das Hassposting-Problem "sehr ernst nimmt". Daher hätten die "Kreativen" auch mit entsprechenden Tools "die Möglichkeit, das selbst zu managen". YouTube habe klare Richtlinien gegen Mobbing, Belästigung und Hassreden. Man entferne schnell unangemessene Videos und Kommentare, "wenn sie markiert/reportet werden".

Menge an Aufmerksamkeit "nicht mehr normal"
Bibi selbst bleibt ob der Flut an Drohungen und Beschimpfungen erstaunlich gelassen. Schon vor rund einer Woche richtete sie den vielen Hasspostern, die ihr erstes Musikvideo mit dem wohl größten Shitstorm in der noch jungen Karriere der Schmink-Bloggerin überziehen, aus: "Mein Song muss nicht jedem gefallen!" Tatsächlich sieht sie es auch positiv, dass der Song spaltet. "Es ist auf jeden Fall nicht mehr normal, wie viel Aufmerksamkeit dieses Lied bekommen hat", sagt Bibi.

Bibis Beauty Palace: Polarisierend und einträglich
Dass Videobloggerin Bibi den Mega-Shitstorm, der gerade über sie hinwegzieht, so gelassen nimmt, könnte auch mit den finanziellen Vorzügen zusammenhängen, die mit der Aufmerksamkeit für das Video und ihren Blog einhergehen. Wie das Teenie-Magazin "Bravo" kürzlich berichtete, ist Bianca Heinicke mit einem Monatseinkommen von geschätzten 110.000 Euro die am besten verdienende Videobloggerin Deutschlands.

Einen Teil ihrer Einkünfte erzielt Bibi dabei durch Klicks auf ihre Videos, immerhin ist sie an den Werbeeinnahmen, die YouTube mit ihren Videos erwirtschaftet, direkt beteiligt. Der andere Teil kommt durch Buchungen und Product Placement zusammen: Wenn YouTube-Stars wie Bibi in ihren Videos Produkte anpreisen, spielt das zwischen 40 und 80 Euro für 1000 Aufrufe in die Kassen.

Doch auch wenn Bibi gut von der Öffentlichkeit lebt, der sie sich selbst aussetzt: Die widerwärtigen Attacken, die sie wegen ihres Musikvideos einstecken muss, werden durch die Rekorderlöse nicht ungeschehen gemacht. YouTube als Plattform für Nazis und Menschenfeinde - diesen Vorwurf muss sich Google angesichts der Nachlässigkeit bei der Löschung extremer Kommentare wohl gefallen lassen.

 krone.at
Redaktion
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