Mi, 22. November 2017

Trumps Ministerin:

08.02.2017 06:41

„Waffen an Schulen gut, um Grizzlys abzuwehren“

Sie ist eine der umstrittensten Figuren im Kabinett von US-Präsident Donald Trump - und ihre Nominierung verlief alles andere als reibungslos: Betsy DeVos (58), milliardenschwere Unternehmerin aus dem Bundesstaat Michigan, leitet künftig das Bildungsressort. Von Bildung hat sie zwar keine Ahnung, dafür dürfte sie kräftige Unterstützung von der US-Waffenlobby bekommen. So meinte sie etwa in einem der Hearings vor dem Senat, dass Waffen an Schulen in manchen Regionen erlaubt sein sollten - etwa um Grizzlybären abzuwehren.

DeVos ist das bisher erste Kabinettsmitglied in den USA, das beim Nominierungsvotum des Senats allein dank einer Intervention des Vizepräsidenten ins Amt kam. Bei der Abstimmung musste Vizepräsident Mike Pence die entscheidende Stimme abgegeben. Denn sogar zwei republikanische Senatorinnen stimmten gegen Trumps Kandidatin. Sie hatten das im Vorfeld damit begründet, dass DeVos eine zu einseitige Haltung im Bezug auf das Bildungssystem habe und private Schulen den öffentlichen vorziehe.

System gegen staatliche Schulen propagiert
DeVos ist zwar nur eine von vielen heftig umstrittenen Trump-Personalien. Doch sie war diejenige, die bisher im Senat auf den stärksten Widerstand stieß - und dies, obwohl das ihr zugewiesene Ressort wegen seines vergleichsweise schmalen Budgets und Aufgabengebiets zu den weniger bedeutenden gehört. Doch die Unternehmerin bot breite Angriffsfläche für Kritik. Nicht nur, dass sie keinerlei Erfahrung als Pädagogin oder in der staatlichen Verwaltung hat - sie hat sich auch jahrelang dafür eingesetzt, das öffentliche Schulwesen aufzubrechen, das sie nun beaufsichtigen soll.

Mit großem Erfolg propagierte DeVos in ihrem Heimatstaat Michigan ein System, das dem staatlichen Bildungswesen Gelder entzieht: Dabei werden aus Steuergeldern finanzierte Gutscheine an Familien verteilt, die ihre Kinder an private oder halbprivate Schulen schicken. Die oppositionellen Demokraten und andere Kritiker sehen DeVos deshalb als Trumps Speerspitze, die weitere Löcher in das öffentliche Bildungswesen treiben soll.

DeVos wuchs in reichen Verhältnissen auf. Ihr Vater machte mit einer Zulieferfirma der Automobilindustrie ein Vermögen. Sie studierte Betriebswirtschaft und Politologie an einer protestantischen Hochschule und heiratete einen Sohn von Richard DeVos, dem Gründer des Direktmarketing-Giganten Amway. Mit ihrem Mann gründete DeVos eine Firma für Windenergie. Das Paar spendete überdies Millionen an christliche Organisationen sowie die Republikaner.

Grizzlybären-Sager sorgt für Kopfschütteln
In ihren Anhörungen im Senat fiel die neue Bildungsministerin vor allem durch Wissenslücken auf. So patzte sie etwa bei der Frage, nach welchen Grundmaßstäben die Leistungen von Schülern bewertet werden. Und viel Spott löste sie mit ihrer Begründung aus, warum Waffen unter Umständen an Schulen erlaubt sein sollten: Mancherorts könne dies sinnvoll sein, um das Gelände gegen Grizzlybären zu verteidigen, sagte DeVos. Angesichts der zahlreichen blutigen Amokläufe an US-Schulen dürften sich selbst hartgesottene Waffennarren bei solch einer Aussage an den Kopf greifen.

Michaela Braune
Redakteurin
Michaela Braune
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