Di, 21. November 2017

Stärke 6,5

30.10.2016 13:19

Italien erneut von heftigem Erdbeben erschüttert

Mittelitalien ist am Sonntag um 7.41 Uhr von einem Erdbeben mit einer Magnitude von 6,5 (anfangs war von 7,1 die Rede gewesen) erschüttert worden. Die Erdstöße, die auch in Rom, im Friaul sowie in weiten Teilen Österreichs deutlich zu spüren waren, dürften keine Menschenleben gekostet haben. Nach Angaben des Zivilschutzes wurden aber 20 Menschen verletzt, es gibt keine Vermissten.

Der neue, mehrere Sekunden dauernde Erdstoß sorgte für weitere Einstürze in der Region Marken, die bereits am Mittwoch große Schäden erlitten hatte, und löste Angst unter der Bevölkerung aus, die in Notunterkünften bereits die vierte Nacht im Freien verbracht hatte.

U-Bahn-Verkehr in Rom wurde unterbrochen
Nach dem schweren Erdbeben gab es laut dem nationalen Institut für Geologie und Vulkanologie zwei weitere Erdstöße mit Magnituden von 4,6 und 4,1. Sie verursachten erhebliche Probleme auf der Via Salaria, der großen Konsularstraße, die Rom mit Umbrien und den Marken verbindet. In Rom wurde der U-Bahn-Verkehr wegen Kontrollen auf der Linie unterbrochen.

Das aktuelle Beben ist das stärkste der vergangenen Jahrzehnte in Italien. Das verheerende Erdbeben in Friaul 1976 hatte eine Magnitude von 6,4, jenes in L'Aquila 2009 eine von 5,8. Das Beben im süditalienischen Irpinien 1980 war mit einer Magnitude von 6,5 gleich stark wie jenes, das am Sonntag registriert wurde.

Video zeigt Außmaß der Zerstörung in Pescara:

Epizentrum nahe Benedikt-Stadt Norcia
Das Epizentrum des Bebens lag zwischen umbrischen Kleinstadt Norcia, dem Heimatort des Heiligen Benedikt, der dort im Jahr 480 zur Welt kam, und der Ortschaft Preci in zehn Kilometern Tiefe. Die Basilika des Heiligen Benedikt und die Kathedrale von Santa Maria Argentea stürzten ein. Lediglich Teile der Fassaden der Gotteshäuser blieben erhalten.

"Schäden wie bei einem Bombenangriff"
Die Behörden der 5000-Seelen-Gemeinde Norcia, die bereits bereits 1979 von einem Erdbeben betroffen war, klagen über riesige Schäden. "Es ist, als wäre es zu einem Bombenangriff gekommen", berichten Augenzeugen. Neun Verletzte wurden in Norcia gemeldet, zwei von ihnen wurden mit dem Hubschrauber ins Spital geflogen. Langwierige Restaurationsarbeiten seien durch die Erdstöße innerhalb von Sekunden vernichtet worden, berichteten die Behörden. Eingestürzte Häuser würden vor der Beseitigung des Schutts mit Suchhunden auf Lebenszeichen oder auch Schlimmeres untersucht, berichtet der Fotograf Josef Bodner, der mit seiner Kamera Einsatzkräfte im Erdbebengebiet filmte, auf Facebook.

Das Krankenhaus der umbrischen Stadt Cascia musste evakuiert werden. Die Diözese von Rieti, zu der auch Amatrice gehört, schloss aus Sicherheitsgründen alle Kirchen. Unzählige Gebäude, die bereits bei den Erdbeben am Mittwochabend schwer beschädigt worden waren, stürzten ein. Aleandro Petrucci, Bürgermeister der Ortschaft Arquata, die bereits am 24. August von einem schweren Erdbeben betroffen war, sagte, dass das ganze Dorf zerstört sei. "Arquata gibt es nicht mehr", klagte er. Auch die vom Erdbeben am Mittwoch schwer beschädigte Kleinstadt Ussita sei komplett zerstört, hieß es.

Erdstöße auch in Österreich zu spüren
Wie der Österreichische Erdbebendienst der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) mitteilte, ist das Beben ersten Meldungen aus der Bevölkerung zufolge auch in weiten Teilen Österreichs deutlich bis stark zu spüren gewesen. Die Rückmeldungen stammten "aus Kärnten, dem Inntal, dem Grazer Becken sowie bis hin nach Salzburg und ins Salzkammergut". Laut ZAMG wurde vor allem aus höheren Stockwerken über ein langsames Schwanken und das Schwingen hängender Gegenstände berichtet. Einige Personen seien auch aufgewacht.

Keine Schäden in Kärnten und der Steiermark
Laut Angaben der Polizeidienststellen in Kärnten und der Steiermark hat es von seiten der Bevölkerung bislang keine Meldungen über etwaige Beschädigungen an Gebäuden gegeben. Im Raum Aichfeld von Knittelfeld und Judenburg bis Unzmarkt im obersteirischen Murtal werden nach langjähriger Erfahrung öfters Erdstöße verspürt, zu Auswirkungen kommt es so gut wie nie.

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