So, 19. November 2017

Coup in St. Pölten

15.05.2012 12:27

Versuchter Raub bei Juwelier: drei, vier und 4,5 Jahre Haft

Wegen versuchten schweren Raubes an einem Juwelier sind am Landesgericht St. Pölten am Dienstag drei Angeklagte schuldig gesprochen worden. Ein 16-Jähriger, von dem der Tatplan ausging, wurde zu viereinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, ein Gleichaltriger zu drei und ein 19-Jähriger zu vier Jahren unbedingter Haft. Die Urteile des Schöffensenats sind nicht rechtskräftig.

Das Trio war am 23. Februar in der City der niederösterreichischen Landeshauptstadt maskiert in ein Juweliergeschäft gestürmt. Der Inhaber und ein Uhrmacher wurden mit einer Gaspistole bedroht und gezwungen, die Vitrinen zu öffnen. Die Verdächtigen packten schließlich Schmuck im Wert von 70.000 Euro ein. Zwischenzeitlich war allerdings die von der Ehefrau des Juweliers alarmierte Polizei eingetroffen, worauf sich die drei mit ihren Opfern in den hinteren Teil des Geschäfts zurückzogen, dann aber nach rund 45 Minuten aufgaben. Der Tatbestand der erpresserischen Entführung war laut Staatsanwaltschaft daher nicht erfüllt.

Geständnisse wurden mildernd bewertet
Zur Strafbemessung führte der Richter aus, dass dem Alter der Beschuldigten entsprechend unterschiedliche Strafrahmen vorlagen. Mildernd habe man die Geständnisse bewertet und dass es beim Versuch geblieben sei, erschwerend beim vorbestraften 16-jährigen Tschetschenen war u. a. die Tatbegehung innerhalb der Probezeit. Die Opfer hätten ein Martyrium erlitten und auch generalpräventiv wäre angesichts zunehmender Raubüberfälle auf Juweliere eine unbedingte Strafe zu verhängen gewesen. Zu empfehlen sei, dass auch der 19-Jährige die Strafe in der Jugendstrafanstalt Gerasdorf verbüßt, wo alle drei eine Lehre beginnen sollten.

Trio kannte sich aus Schule bzw. Fitnesscenter
Die Tat sei zwar relativ glimpflich ausgegangen, aber dennoch besonders verwerflich, hatte der Staatsanwalt betont. Die drei, die sich aus einem Fitnesscenter bzw. der Schule kennen, nannten Geldmangel als Motiv und schilderten Planung und Verlauf. Sie stellten aber in Abrede, die Möglichkeit einer Geiselnahme diskutiert zu haben, als die Situation angesichts der Einsatzkräfte vor der Tür eskalierte. Hingegen hatten sowohl der Juwelier (69) als auch sein Angestellter (52) dahingehende Sätze gehört. Beide Zeugen gaben an, dass ihnen die Waffe angehalten worden war.

Überfallener Juwelier wacht bis heute in der Nacht auf
Einen "sehr langen" Zeitraum der Angst hatte auch die Ehefrau des Inhabers durchlebt. Die 56-Jährige hatte im Stiegenhaus die bedrohlichen Worte "Überfall, Geld her, wo ist das ganze Gold" aus dem Geschäft vernommen, wählte sofort den Notruf und lief in den zweiten Stock des Hauses, wo sie sich einschloss und in Sorge um ihren Mann war. Dieser hatte – aus ungeklärten Umständen – eine Platzwunde am Kopf erlitten. Noch haben die Betroffenen das Geschehen nicht ganz verarbeitet: Ihr Mann wache nachts mehrmals auf, sagte die 56-Jährige, und der Uhrmacher ist seitdem in psychotherapeutischer Behandlung.

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