So, 20. Mai 2018

Wehrsport-Affäre

10.09.2008 18:30

Neue "Paintball-Fotos" mit Waffen und Strache

Im Wahlkampf kocht nun auch die bald zwei Jahre alte Foto-Affäre rund um FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und seine "Paintball-Session" wieder hoch. Eines der Bilder, mit denen Strache im Jänner 2007 den Verdacht entkräften wollte, er habe Ende der 1980er-Jahre an einer Wehrsportübung teilgenommen, war nämlich offenbar unvollständig. Auf dem Bild ist Strache mit drei nachträglich unkenntlich gemachten Kameraden in Uniform zu sehen. Die am bisher nicht veröffentlichten Original des Bildes ebenfalls sichtbaren Waffen wurden durch einen Ausschnitt kaschiert, berichtet das Nachrichtenmagazin "News". Für Strache sind die neuen Fotos "alte Hüte", er habe "damit gerechnet". Die angeblichen Waffen seien Softgun-Spielzeuge.

Am von "News" veröffentlichten Originalfoto (siehe Faksimile oben; die beiden Fotos auf der linken Seite) sind auch der Lauf einer doppelläufigen Schrotflinte sowie eine vierte Person abgelichtet, die mit einer Art Sturmgewehr hantiert. Beides fehlt auf dem von der FPÖ veröffentlichten Bild, das offenbar nur ein Ausschnitt des Originals war. Auf den im Jänner 2007 von Strache dem ORF übergebenen Bildern waren bis auf Schlagstöcke und einen Dolch keine Waffen zu sehen.

Ein weiteres Foto von der Veranstaltung, auf dem ein Vermummter (im Faksimilie auf der linken Seite; "News" mutmaßt, es könnte sich dabei um Strache handeln) in Kampfanzug mit Sturmgewehr und Pistole zu sehen ist, hat der FP-Chef damals nicht vorgelegt.

An der von Strache als Paintballspiel bezeichneten Veranstaltung hat laut "News" auch Andreas Reichhardt teilgenommen, heute Leiter der Sektion Innovation und Telekommunikation im Infrastrukturministerium. Das Magazin will außerdem mehrere heute als Rechtsextremisten eingestuften Personen auf den Fotos erkannt haben. Die Bilder sind Teil einer Serie, die der damalige FPÖ-Abgeordnete Ewald Stadler (jetzt BZÖ) Ende 2006 während eines Machtkampfs mit Strache an die Partei weitergeleitet hatte und von deren Existenz in der Folge auch die Öffentlichkeit erfuhr. Dass er selbst Medien über die Existenz der Fotos in Kenntnis gesetzt habe, wurde von Stadler stets dementiert.

Strache: "Habe damit gerechnet"
"Ich habe damit im Wahlkampf gerechnet. Immer wenn die FPÖ gut liegt, muss man mit solchen Sachen rechnen. Das bestätigt, dass ich gewissen Kreisen im Weg bin", erklärte Strache am Mittwochnachmittag am Rande einer Pressekonferenz in Eisenstadt. Die Bilder seien alt, es handle sich um die gleichen wie von vor zwei Jahren und würden ihn beim Paintball-spielen zeigen, so Strache.

Wie bereits vor zwei Jahren werde mit Denunzierungen, falschen Unterstellungen und Behauptungen sowie Lügen gearbeitet, meinte der Bundesparteiobmann. Laut Strache wurden News die Bilder von Ewald Stadler übergeben. Die Zeitschrift lasse sich "vor den Karren spannen". "News macht nichts anderes, als alte Hüte in einer lächerlichen Weise aufzuwärmen", so der FP-Obmann.

Waffen sollen Softguns sein
Bei den Waffen, die auf den Fotos zu sehen sind, handle es sich um Softguns, wie sie beim Paintball verwendet werden. Die Ausrüstung sei geborgt gewesen. Da es zu diesem Zeitpunkt noch keine Spielstätten für Paintball gegeben habe, wurde im Wald gespielt. Danach habe man die Ausrüstung wieder zurückgegeben, erklärte Strache. Entstanden seien die Fotos in Kärnten.

"Das ist ein lächerlicher und peinlicher Vorwurf. Es gibt gewisse Kreise, denen wir zu stark sind", so der FP-Chef. Ziel sei eine Diffamierung sowie "uns und die Partei zu schädigen. Deshalb wird das aufgewärmt." Strache glaubt nicht, dass dies potenzielle Wähler abschrecken könnte. Eher das Gegenteil sei der Fall, zeigte er sich überzeugt. "Ich bin ein leidenschaftlicher Demokrat. Diese Sudelkampagne ist durchschaubar."

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