Das freie Wort

Die Entwicklungen waren seit Langem absehbar

Überlastete Krankenhäuser sowie erschöpfte Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte prägen zunehmend den Alltag im Gesundheitswesen. Patienten müssen lange warten, Stationen werden wegen Personalmangels geschlossen und tragische Einzelfälle zeigen, dass Überlastung im System auch Folgen für die Versorgung haben kann. Diese Entwicklung sollte uns alle alarmieren. Die Ursachen liegen nicht nur im Arbeitsalltag der medizinischen Berufe, sondern auch in strukturellen Versäumnissen der Politik über viele Jahre hinweg. Erstens wurde der Personalmangel lange unterschätzt. Zu wenige Ausbildungsplätze in Pflege und Medizin sowie eine zu langsame Anpassung an den steigenden Bedarf haben dazu geführt, dass heute vielerorts Fachkräfte fehlen. Gleichzeitig verlassen viele Beschäftigte den Beruf wegen hoher Belastung, Überstunden und schwieriger Arbeitsbedingungen. Zweitens stand in den vergangenen Jahrzehnten häufig der Kostendruck im Mittelpunkt gesundheitspolitischer Entscheidungen. Krankenhäuser wurden auf Effizienz getrimmt, Betten reduziert und Personalstellen knapp kalkuliert. Dadurch fehlen heute wichtige Reserven, wenn Patientenzahlen steigen oder außergewöhnliche Belastungen auftreten. Drittens klagen viele Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte über zunehmende Bürokratie. Ein erheblicher Teil der Arbeitszeit wird für Dokumentation und administrative Aufgaben aufgewendet – Zeit, die eigentlich für Patientinnen und Patienten benötigt würde. Hinzu kommt der demografische Wandel: Die Bevölkerung wird älter und benötigt mehr medizinische Versorgung, während gleichzeitig viele Beschäftigte im Gesundheitswesen in den kommenden Jahren in Pension gehen. All diese Entwicklungen waren seit Langem absehbar. Umso wichtiger wäre es, jetzt konsequent gegenzusteuern: mit besseren Arbeitsbedingungen, mehr Ausbildungsplätzen, einer Entlastung von Bürokratie und einer langfristigen Planung der Gesundheitsversorgung. Das Gesundheitssystem ist eine der wichtigsten Säulen unserer Gesellschaft. Wenn diejenigen, die täglich für die Gesundheit anderer arbeiten, selbst an ihre Grenzen geraten, sollte das ein deutliches Signal sein, dass grundlegende Verbesserungen notwendig sind.

Gerhard Obersteiner, St. Lorenzen im Mürztal

Erschienen am Di, 17.3.2026

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