Sa, 21. Juli 2018

Doping-Geständnis

05.10.2007 15:43

Marion Jones drohen Haft und Medaillen-Verlust

Jahrelang hat sie alles abgestritten oder geleugnet. Jetzt jedoch hat die dreifache Leichtathletik-Olympiasiegerin Marion Jones aus den USA nach Angaben der Tageszeitung "Washington Post" vom Freitag zugegeben, vor den Olympischen Spielen 2000 in Sydney mit leistungssteigernden Drogen gedopt zu haben. Das Blatt beruft sich dabei auf einen Brief des ehemaligen Sprintstars an Freunde und Familienmitglieder.

Wie es in dem Schreiben heißt, wolle sich Jones am Freitag vor einem Bundesgericht in New York schuldig bekennen, in zwei Fällen gegenüber Untersuchungsbehörden gelogen zu haben. Laut Gesetz droht bei einem Fall von Falschaussage eine längere Haftstrafe. Zudem muss sie mit der Aberkennung ihrer drei Goldmedaillen von Sydney rechnen.

In dem Brief betont die 31-Jährige, von 1999 an zwei Jahre lang illegale Substanzen genommen zu haben, die sie von ihrem Trainer Trevor Graham erhalten habe. Der umstrittene Coach, so die Kalifornierin, habe ihr erklärt, es handle sich um ein Leinsamen-Öl. Jedoch hätte sie misstrauisch werden müssen, als Graham ihr empfohlen habe, das Nahrungsergänzungsmittel geheim zu halten. Außerdem habe sie nach der Einnahme des Präparats eine leistungssteigernde Wirkung gespürt, heißt es in dem Schreiben, deren wesentliche Angaben eine Vertrauensperson gegenüber der "Washington Post" bestätigt hat.

"Es tut mit leid"
"Ich möchte mich für alles entschuldigen. Es tut mir leid, dass ich alle in vielen Sachen enttäuscht habe", zitiert die Zeitung die Vertrauensperson, der eine Kopie des Briefes vorlag. Persönlich war Jones nach Angaben der "Washington Post" am Donnerstag nicht zu erreichen. Graham wollte auf Anfrage des Mediums keinen Kommentar abgeben. Jones erwähne in dem Brief zudem, dass sie im Zusammenhang mit einem Scheck über 25.000 Dollar gelogen habe.

Das Geld habe sie zwar 2005 von ihrem ehemaligen Freund und Vater des gemeinsamen Sohnes, Tim Montgomery, bekommen, dies aber gegenüber den Untersuchungsbehörden bestritten. Der ehemalige 100-m-Weltrekordler Montgomery hatte damals angegeben, die Summe stamme aus dem Verkauf eines Wagens und sei eine Teilrückzahlung an Jones, bei der er sich 50.000 Dollar geliehen habe. In diesem Jahr hatte sich schließlich Montgomery schuldig bekannt, in millionenschwere Bank-Betrüge und Geldwäsche beteiligt gewesen zu sein. Er soll am 1. November verurteilt werden.

Drummond fasst es nicht
"Das ist beängstigend, ich hatte geglaubt, sie ist sauber. Ich bin geschockt", meinte der ehemalige US-Sprinter John Drummond, der in Sydney Olympiasieger mit der 4x100 Meter-Staffel wurde. "Es ist wie der alte Spruch, dass Betrüger niemals gewinnen. Egal, wie glorreich und glamourös die Dinge auch aussehen mögen, letztlich werden sie gefasst und bezahlen ihren Preis. Wir sollten keine Angst vor der Wahrheit haben, es ist traurig, dass es so weit gekommen ist. Solche Sachen schaden der Leichtathletik", so Drummond weiter.

"Panik und Selbstschutz"
In der Vergangenheit war Jones immer wieder mit Doping in Verbindung gebracht worden. So stand ihr Name nach amtlichen Angaben auf der Kundenliste des Balco-Unternehmens, das bis zur Aufdeckung 2003 US-Spitzensportler mit Steroiden versorgt hat. Laut des jetzigen Briefes habe Jones damals bei der Befragung durch staatliche Behörden gelogen und Dopingmissbrauch abgestritten, obwohl sie eine ihr präsentierte Probe des Steroids sofort wieder erkannt habe, da sie diese auf Anordnung von Graham benutzt habe. Als Grund für ihre Falschaussage gab sie in dem Schreiben Panik und Selbstschutz für sich und ihren Trainer an.

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