30.07.2007 10:42 |

Fußball-Märchen

Irakisches Nationalteam gewinnt den Asien-Cup

Younis Mahmouds Goldtor in der 71. Minute hat dem irakischen Fußball-Sommermärchen das erhoffte Happy End beschert. Im Finalspiel des Asien-Cups in Jakarta besiegten die Iraker am Sonntag die favorisierten Saudi-Araber dank eines Kopfballtreffers ihres Kapitäns mit 1:0. Es ist der erste Kontinental-Titel für das seit Jahren vom Krieg geplagte Land. Der Jubel war am Rasen mindestens so groß wie im Heimatland der frisch gebackenen Asien-Meister, wo durch Freudenschüsse mindestens sieben Menschen ihr Leben ließen. Im Kugelhagel wurden weitere 17 Menschen verletzt!

Die Erfolge der Fußball-Mannschaft haben den Irakern in den vergangenen Wochen einen ersehnten und seltenen Grund zum Feiern gegeben. Das Team vereint die drei großen Volksgruppen des zerrissenen Landes - Schiiten, Sunniten und Kurden - in einer Mannschaft und hat während des Cups viel mitmachen müssen.

Unzählige Anschläge passierten in ihrem Heimatland, während sie auswärts Fußball spielten. Drei Teamkicker hatten in den vergangenen Monaten Verwandte im Irak verloren, die Nationalmannschaft hatte ihre Qualifikationsspiele wegen der gefährlichen Situation in ihrem Heimatland in neutralen Ländern austragen müssen. Doch am Sonntag spielten die Fußballer, von einer überschäumenden Welle der nationalen Unterstützung getragen, gegen die dreifachen Asien-Cup-Sieger aus Saudi Arabien das Spiel ihres Lebens.

In der Infobox findest du eine Diashow mit Bildern vom Finalspiel und dem Jubel im Heimatland des Asien-Cup-Siegers.

Die saudischen Stürmer, die im Asien-Cup bis zum Finale 12 Tore erzielt hatten, machten gegen die beste Abwehr des Turniers keinen Stich. Die Iraker hatten die besseren Chancen, scheiterten aber an mangelnder Chancenauswertung und dem starken saudischen Schlussmann Yasser Al Mosailem.

In der 71. Minute schließlich servierte Hawar Mulla Mohammed einen perfekten Eckball auf den Kopf von Kapitän Younis Mahmoud, der sich die Chance nicht entgehen ließ. Nach dem Schlusspfiff fielen die erschöpften Iraker zu Boden, küssten den Rasen und umarmten einander, überwältigt von grenzenlosen Emotionen.

FIFA-Präsident Joseph Blatter, der im Stadion in Jakarta anwesend war, sagte nach dem Spiel, dass die irakischen Fußballer Millionen inspiriert hätten, und das ihr Finaltriumph der Beweis sei, dass der Sport Menschen unter den widrigsten Umständen vereinen könne.

Sieben Tote durch Freudenschüsse
Entgegen der Anweisungen der Behörden haben zuhause Tausende Iraker den Sieg ihrer Fußballmannschaft über Saudi-Arabien mit Freudenschüssen gefeiert. Dabei wurden am Sonntag allein in Bagdad mindestens vier Menschen getötet und 17 zum Teil schwer verwundet. Außerhalb der Hauptstadt gab es zumindest drei weitere Todesopfer zu beklagen. Gefeiert wurde der 1:0-Sieg auch in Basra sowie im kurdischen Sulaimanije. Dort fuhren Autofahrer hupend durch die Straßen.

Die Freude über den Sieg im Endspiel des Asien-Cups in Jakarta ergriff Menschen aller Altersgruppen und aller Schichten. Die Furcht vor Anschlägen von Extremisten war trotzdem allgegenwärtig. Über die Lautsprecher der Moscheen in Bagdad wurden die Menschen aufgerufen, das Schießen einzustellen. Die Behörden hatten sogar gedroht, jeden festzunehmen, der Freudenschüsse abgibt. Diese hatten schon bei vorangegangenen Siegen mehreren Menschen das Leben gekostet.

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