Sa, 23. Juni 2018

Goldenhar-Syndrom

18.09.2017 09:59

Mutter erbost: Instagram zensiert einäugigen Buben

Instagrams Löschrichtlinien sorgen wieder einmal für Aufruhr: In Großbritannien erhebt die Mutter eines Zwölfjährigen mit Fehlbildungen im Gesicht Vorwürfe gegen das Portal, weil es das Foto das Buben wegen Verstößen gegen die Nutzungsbedingungen gelöscht hat. Instagram räumte zwar ein, einen Fehler gemacht zu haben. Doch der Zorn der Mutter bleibt.

Harry (12) ist mit dem Goldenhar-Syndrom zur Welt gekommen. Durch die Fehlbildung hat der Bub nur ein Auge, überdies fehlen auf einer Seite seines Gesichts Augenhöhle, Nasenloch und Ohr. Für Mutter Charlie Breswick sind die Leiden ihres Sohnes eine Herausforderung. Doch die Britin geht offen mit der Fehlbildung um, vernetzt sich online mit anderen Betroffenen.

Zwei Fotos von Harry wurden gelöscht
Als die Britin jüngst ein Foto von Harry ohne sein künstliches Auge auf Instagram veröffentlichte, wurde es laut BBC gelöscht. Begründung: Es verstoße gegen die Nutzungsbedingungen. Später räumte Instagram zwar ein, dass die Löschung ein Fehler gewesen sei. Das lässt die Mutter allerdings nicht gelten - auch, weil es bereits die zweite Löschung eines Bildes von Harry ohne seine Augenprothese gewesen sei und sich Instagram nie offiziell bei ihr entschuldigt habe.

Breswick: "Ich weiß, dass er anders aussieht und das vielleicht nicht jeder sehen will, aber das ist nicht die Entscheidung von Instagram!" Es sei "ekelhaft", dass sich Instagram das Recht herausnehme, zu entscheiden, ob Harrys Gesicht für die Augen der Öffentlichkeit geeignet sei oder nicht. "Das fühlt sich für mich wie Diskriminierung an", klagt Breswick. Es handle sich immer noch um das Gesicht ihres Sohnes und sie sei stolz, ihn herzuzeigen.

Löschung sorgt für Proteststurm auf Twitter
Ihren Protest hat Breswick auf Twitter zum Ausdruck gebracht. Dort verbreitet sich die Geschichte über die gelöschten Fotos wie ein Lauffeuer, der Tweet wurde mehr als 121.000 Mal geteilt und 73.000 Mal mit einem "Like" versehen. Sogar Prominente haben sich eingeschaltet: Der britische Kabarettist Adil Ray hat um ein Foto mit Harry gebeten. Es habe zwar auch "erschreckende Kommentare" gegeben, die meisten Reaktionen seien laut Breswick aber "wirklich positiv".

Die Causa Harry Breswick ist der jüngste Zwischenfall in einer schon lange schwelenden Kontroverse zur Löschpraxis sozialer Netzwerke. Dabei ist auch die Instagram-Mutter Facebook vor einem Jahr in die Kritik geraten, weil die Zensur-Algorithmen das bekannte historische Foto eines weinenden Mädchens gelöscht hatten, das nach einer Napalm-Attacke im Vietnamkrieg nackt über eine Straße läuft. Facebook entschuldigte sich später für den Vorfall und schaltete das Foto wieder frei. Die Diskussion über die Frage, welche Inhalte Facebook löschen soll und welche nicht, blieb aber.

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