SPÖ-Wahlkampfauftakt

Kern: “Treten an, um Nummer eins zu werden”

Österreich
07.09.2017 21:10

Schwarz-Blau soll der rote Wahlschlager werden. Das wurde beim offiziellen Wahlkampfauftakt der SPÖ am Donnerstagabend in Graz klar. Umfassend warnte da Bundeskanzler Christian Kern vor einer Neuauflage einer Koalition von ÖVP und FPÖ und stellte dem die Option eines solidarischen Landes unter SPÖ-Führung entgegen. "Wir treten mit dem Anspruch an, Nummer eins zu werden", so die Marschrichtung Kerns.

3000 Funktionäre waren dem Ruf der Sozialdemokraten in die steirische Landeshauptstadt gefolgt. Kern war der einzige Redner und durfte sich vom Publikum vor allem zu Beginn und am Ende seiner gut einstündigen Rede bejubeln lassen. Der Kanzler nahm die Ovationen des Auditoriums mit einem Griff ans Herz an und sprach von einem bewegenden Moment, sei es doch motivierend, zu wissen, wie viele hinter einem stünden.

(Bild: APA/HANS PUNZ, krone.at-Grafik)
Bundeskanzler Christian Kern und Ehefrau Eveline Steinberger-Kern (Bild: APA/HANS PUNZ)
Bundeskanzler Christian Kern und Ehefrau Eveline Steinberger-Kern

In seiner Rede fackelte der SPÖ nicht lange und rief den Urnengang am 15. Oktober gleich zur Richtungsentscheidung aus. Bei der Wahl werde sich entscheiden, ob der Erfolg des Landes künftig vielen zugutekomme oder nur einigen wenigen sowie ob das Verbindende gestärkt werde oder das Trennende in den Vordergrund rücke.

SPÖ-Stimmenanteile bei jeweils jüngsten Wahlen in Prozent und Veränderung zur vorhergehenden Wahl (Bild: APA)
SPÖ-Stimmenanteile bei jeweils jüngsten Wahlen in Prozent und Veränderung zur vorhergehenden Wahl

"Bin überzeugt, dass ich nicht mehr wert bin als jeder andere"
Wofür er selbst steht, machte Kern nicht ganz ohne Pathos klar: "Was mich persönlich leitet, ist eine kraftvolle Idee. Ich lebe mein Leben so wie ihr auch. Ich bin davon überzeugt, dass ich nicht mehr wert bin als jeder andere. Ich kümmere mich um meinen Nächsten und wenn mein Nachbar ein Problem hat, bin ich da, um ihm zu helfen. Wir sind keine Egoisten, wir sind Teil einer Familie, Teil eines Landes, Teil Europas, Teil der Welt, Teil der Menschheit."

(Bild: APA/HANS PUNZ)

Kern über ÖVP: "Wo Wert eines Menschen vom Kontostand abhängt"
Weit weniger rosig war das Bild, das der SPÖ-Vorsitzende von Volkspartei und Freiheitlichen zeichnete. Es gehe nun gegen ein Weltbild, bei dem der Wert eines Menschen vom Kontostand abhänge. Angesichts der teils hohen Zuwendungen für die ÖVP vermutete Kern: "Man spendet ein paar Millionen und bekommt ein paar Milliarden zurück." Auch den Freiheitlichen unterstellte er, sich nicht den Sorgen der Arbeitnehmer widmen zu wollen: "Bevor die FPÖ wirklich die Interessen des kleinen Mannes vertritt, wird Mick Jagger demnächst in Spielberg den Erzherzog-Johann-Jodler anstimmen."

(Bild: APA/HANS PUNZ)

"Treten mit dem Anspruch an, Nummer eins zu werden"
Seiner Partei versuchte Kern Mut zu machen. Bei manchen herrsche dieselbe Hochmütigkeit, wie sie schon 2000 geherrscht habe: "Wir werden ihnen klarmachen, dass sie sich zu früh freuen. Wir treten mit dem Anspruch an, Nummer eins zu werden." Es sei entscheidend, dass die SPÖ die Regierung anführe: "Machterhalt, Jobs, warme Sessel interessieren mich null. Ich bin nicht bereit, dass wir dafür unsere Grundsätze über Bord werfen", tönte Kern unter dem lauten Applaus des Publikums.

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Seinen wohl härtesten Gegner, ÖVP-Obmann Sebastian Kurz, nannte Kern nicht beim Namen, kritisierte ihn indirekt aber ausführlich. Der neue Stil, den manche beschwörten, bestehe offenbar darin, auch Familie und Medien in die Auseinandersetzung zu ziehen, und darin, "andere so richtig fertigzumachen". Bei der ersten kritischen Journalistenfrage zu jammern zu beginnen, sei zudem "wirklich schwach".

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Kern ätzt über Frauenbild der FPÖ
Freundlichkeiten gab es auch keine in Richtung FPÖ, dafür auf deren Kosten eines der zahlreichen Scherzchen, die Kern in seine Rede eingebaut hatte: "Beim Klimawandel glauben die ja, das haben die Chinesen erfunden." Zum Frauenbild der Freiheitlichen wiederum meinte Kern, nach deren Vorstellung sollten die Frauen dem Heiratsmarkt und nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.

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