Mi, 15. August 2018

Nach Übernahme

29.08.2017 10:17

Amazon bringt smarten Lautsprecher in Bio-Läden

Als neuer Eigentümer der Biolebensmittelkette Whole Foods bläst Amazon zur Attacke auf die US-Lebensmittelbranche. Preissenkungen um bis zu 50 Prozent sind nur der Anfang. Dabei ächzen die Rivalen ohnehin schon unter verschärftem Wettbewerb.

Bereits am ersten Tag nach der milliardenschweren Übernahme der Öko-Supermarktkette Whole Foods lässt Amazon die Preise purzeln: Avocados kosten plötzlich 1,49 Dollar (1,25 Euro) statt 2,99 Dollar und das Pfund Wildlachs aus Alaska 9,99 Dollar - das sind fünf Dollar weniger als bisher. "Das ist nur der Anfang", verkündet das Werbeschild in der Filiale in Brooklyn, New York. Ein Versprechen, das Kunden erfreut - aber zugleich eine Kampfansage, die Konkurrenten erschaudern lässt.

Denn der US-Einzelhandel ächzt bereits unter massiv verschärftem Wettbewerb. Die aggressiv expandierenden deutschen Diskonter Aldi und Lidl nehmen die Platzhirsche wie Wal-Mart, Target, Kroger oder Costco in die Mangel. Nun heizt mit Amazon ausgerechnet der Quälgeist den Preiskampf weiter an, dessen boomende Online-Verkäufe der Branche schon seit Jahren die Geschäfte erschweren.

Hiobsbotschaft für etablierte Shopping-Größen
Der 13,7 Milliarden Dollar teure Whole-Foods-Kauf wurde an der Börse von Anfang an als Hiobsbotschaft für die etablierten Shopping-Größen verstanden. Seitdem der Deal vor rund zehn Wochen angekündigt wurde, sind die Aktien von Lebensmittelhändlern unter Druck. Die größte US-Supermarktkette Kroger hat binnen drei Monaten Kursverluste von 28 Prozent erlitten, für Costco ging es 15 Prozent bergab.

Vergangene Woche genehmigten die US-Kartellwächter - nach überraschend zügiger Prüfung - Amazons Whole-Foods-Übernahme. Der neue Eigentümer setzte schnelle Schritte: "Ab Montag werden wir die Preise bei einer Auswahl an Bestsellern senken", kündigte Manager Jeff Wilke an. Damit sei jedoch nur der Auftakt gemacht, künftig würden die Preise bei Whole Foods "kontinuierlich" schrumpfen.

Bruch mit bisherigem Geschäftskonzept
Damit will Amazon die Bio-Kette mit mehr als 460 Filialen in den USA, Kanada und Großbritannien für eine breitere Kundschaft öffnen. "Jeder sollte sich Whole Foods leisten können", findet Wilke. Das ist ein Bruch mit dem bisherigen Geschäftskonzept, das sich mit gehobener Qualität, exklusiven Produkten und teuren Preisen an wohlhabende Kunden richtete und sich so von der Billig-Konkurrenz abgrenzte.

Dieser Ansatz brockte Whole Foods jedoch auch den Ruf eines Oberschicht-Supermarktes für Öko-Snobs ein. Über die Jahre entwickelte sich das Unternehmen zu einem kontroversen Symbol der Gentrifizierung in US-Metropolen und wurde deshalb etwa von den Machern der Comedy-Serie "Southpark" auf die Schippe genommen. Amazon will dieses Image nun offenbar schleunigst loswerden. Und der E-Commerce-Gigant drückt nicht nur die Preise.

Smarte Speaker im Bio-Laden
Amazon vermarktet über Whole Foods auch seine eigenen Produkte - der vernetzte Lautsprecher Echo steht bereits prominent im Eingangsbereich. Zudem wird der Prime-Service, der Abonnenten Zugang zu Video-Streaming und Gratisversand bietet, zum Prämienprogramm für Supermarkt-Kunden ausgebaut. So verzahnt Amazon seine Online-Dienste mit dem stationären Einzelhandel. Das verheißt für die Konkurrenz nichts Gutes, zumal Geldverdienen für den nach Marktdominanz strebenden Amazon-Chef Jeff Bezos nicht an erster Stelle steht.

"Amazon wendet die gleiche Strategie an, mit der bereits Buchverkäufern und anderen Einzelhändlern zugesetzt wurde", so Marktexperte Chris McCabe gegenüber dem "Wall Street Journal". Der Konzern übernehme den Markt, indem er die Konkurrenz mit niedrigen Preisen ausschalte. Als solle diese Theorie bestätigt werden, hat Amazon einige der gefragtesten Whole-Foods-Produkte in Brooklyn bereits um bis zu 50 Prozent verbilligt.

 krone.at
krone.at

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Tinder-Promis
Diese Hollywoodstars daten auch online
Video Stars & Society
Leine statt Taktstock
Mariss Janson: Maestro muss auch mal Gassi
Stars & Society
Fix im CL-Play-off
Minamino schießt RB Salzburg zu Last-Minute-Sieg!
Fußball International
Im Wert von 600.000 €
Endoskopiegeräte aus Wiener Ordensspital gestohlen
Österreich
Brücken-Drama in Genua
Star-Kicker „verpasst“ Inferno um 10 Minuten!
Fußball International
„Kein Rosinenpicken“
Brexit: Strache stellt sich hinter EU-Kommission
Österreich

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.