Di, 17. Juli 2018

Kalenderwoche 29

21.07.2017 17:00

Sie stellen Fragen - Experten antworten

Unsere Leser haben jede Woche die Möglichkeit, sich mit medizinischen Fragen per E-Mail an die Gesundheitsredaktion der "Krone" zu wenden. Wir leiten die Anfragen an kompetente Fachleute aus allen Heilberufen zur Beantwortung weiter.

Knoten in der Schilddrüse

Hermine G.: "Ich habe seit vier Jahren Probleme mit der Schilddrüse. Die Diagnose: Autoimmunhyperthyreose, struma nodosa rechtsbetont, Therapie mit Thiamazol. Meine TSH-Werte pendeln zwischen 0,33 und 0,70. Eine Operation wird immer wieder aufgeschoben, obwohl der Knoten laut Ultraschall wächst. Es wird behauptet, dass meine Beschwerden andere Ursachen haben. Ich bitte um Rat."

Leider sind die Angaben der Leserin etwas knapp ausgefallen - Alter, Beschwerden, Überblick über eingenommene Medikamente etc. fehlen. Die Patientin hat eine Erkrankung, die man Morbus Basedow nennt. Das ist eine sogenannte Autoimmunerkrankung (die Abwehr richtet sich gegen körpereigenes Gewebe) mit Knoten und wurde korrekterweise auf das Medikament Thiamazol eingestellt. Dieses Präparat blockiert die in diesem Fall überschießende Produktion der Schilddrüsenhormone und führt dadurch zu einer Normalisierung. Die Behandlung wird üblicherweise 12 bis 18 Monate durchgeführt und sollte die Zeit bis zu einer möglichen Spontanremission (vorübergehendes Verschwinden der Krankheitszeichen) überbrücken.

Wenn dann  ein Rückfall (Rezidiv) eintritt, also eine Überfunktion der Schilddrüse, so kann diese hier offenbar nicht mehr mit Medikamenten korrigiert werden. Ich rate also zu einer chirurgischen Entfernung der Schilddrüse, um das Problem endgültig zu beseitigen. Dafür spricht der von der Patientin geschilderte Verlauf bzw. das Größenwachstum des mittels Ultraschall erfassten Knotens.

Prof. Dr. Alois Kroiss
Facharzt für Innere Medizin und Nuklearmedizin in Wien.
Informationen: alois.kroiss@clinic.at

"Knick" im Darm

Maria B.: "Ich habe angeblich einen Knick im Darm und deshalb trotz Medikamenten starke Blähungen. Wie könnte man diesen Knick behandeln?"

Ein sogenannter Knick wird im Zuge eines Röntgens mit Kontrastmitteleinlauf (Irrigoskopie)  entdeckt. Hier gehört noch mittels Darmspiegelung (Koloskopie) abgeklärt, ob nichts Ernsthaftes dahintersteckt. Die Therapie richtet sich nach den Beschwerden. Der Knick könnte, muss aber nicht operiert werden.

Univ.-Prof. Dr. Albert Tuchmann
Facharzt für Chirurgie aus Wien.
Informationen:info@tuchmann.at

"Unruhige Zunge"

Elfriede V. (74): "Ich habe Probleme mit unfreiwilligem Zungenschnalzen. Meine Zunge ist gleichsam ,unruhig‘, ich leide sehr darunter. Gibt es ein Mittel, um meine Kaumuskeln zu entspannen?"

Mit der Beschreibung ist wahrscheinlich eine Form von Dyskinesie gemeint. Dabei handelt es sich um eine Bewegungsstörung, die zu kurzen, unwillkürlichen Bewegungen der Muskulatur führt. Diese Beeinträchtigung der Bewegung kann grundsätzlich alle Muskeln des Körpers betreffen. Besonders häufig tritt sie aber im Bereich des Gesichtes auf und betrifft vorwiegend die Mund-, Rachen- und Zungenmuskulatur.
Ursächlich besteht einerseits die Möglichkeit einer sogenannten idiopathischen Störung (kein Auslöser zu finden). Bei dieser seltenen Erkrankung, die vorwiegend ältere Frauen betrifft, kommt es zu krampfartigen, unkontrollierten Bewegungen im Gesicht mit Grimassieren, Kauen, Rollen oder Hervorstrecken der Zunge, aber auch zum krampfartigen Zupressen der Augen. Häufiger sind verzögert auftretende Dyskinesien - darunter versteht man Bewegungsstörungen mit ähnlichem Verlauf, allerdings verursacht durch Medikamente aus der Gruppe der Neuroleptika, die bei unterschiedlichen psychischen Krankheiten eingesetzt werden. Auslösend sind allerdings meistens Präparate älterer Generationen - moderne Mittel führen kaum mehr zu dieser unerwünschten Nebenwirkung.
Erste Maßnahme  zur Behandlung - falls noch nicht erfolgt - ist das Absetzen einer auslösenden Substanz. Speziell im Augenbereich sind weiters gute Erfolge mit Botulinumtoxin möglich. Es gibt noch weitere Medikamente, die helfen könnten. Die Entscheidung darüber sollte jedoch von spezialisierten Fachärzten getroffen werden.

Univ.-Prof. Dr. Siegrid Fuchs
Med. Universität Graz, Abteilung für Neurologie.
Informationen: 0316/385 80389, siegrid.fuchs@medunigraz.at

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