Di, 16. Oktober 2018

Gewerkschaft sagt:

23.11.2016 17:28

Personalnot im Tourismus ist hausgemacht

Die Sommersaison brachte Tirols Tourismus einen Gästerekord. Die bevorstehende Wintersaison bringt einen Personalnotstand. Tausende Kellner und Köche fehlen. Betriebe stehen vor dem Zusperren. Hoteliers zeichnen düstere Zukunftsbilder von Robotern als Ersatz für den Kellner. "Der Personalmangel ist hausgemacht", sagt die Gewerkschaft.

2500 offene Stellen für Küche und Service sind kurz vor der Wintersaison beim AMS Tirol vorgemerkt. Viele Hoteliers und Wirte wissen immer noch nicht, ob sie im Dezember genug Personal haben werden. "Manche überlegen sogar, ihr Haus ganz geschlossen zu halten. Ohne Mitarbeiter können sie auch nichts anderes tun", berichtet Christian Mühlberger, Tourismus-Obmann der Wirtschaftskammer im Bezirk Kitzbühel. Mühlberger betreibt in Kössen das Hotel "Peternhof" und hat selbst monatelang vergeblich Mitarbeiter gesucht: "Wir haben 158 Beschäftigte. Wenn wir nicht eine so große Stammbelegschaft hätten, wäre das das Ende."

Verdrängungswettbewerb

Es herrsche mittlerweile ein Verdrängungswettbewerb innerhalb des Landes. Mühlberger: "Die Prognosen sagen, dass es noch schlimmer wird. Da muss man sich schon überlegen, wohin Tirol will und ob ein weiterer Ausbau der Bettenkapazitäten sinnvoll ist. Sonst müssen wir die Gäste vielleicht bald von Robotern bedienen lassen. Das gibt es in anderen Ländern schon. Kann das das Ziel sein?"

"Fast täglich Beschwerden"

Philip Wohlgemuth, Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft vida, spricht von hausgemachten Personalproblemen: "Fast täglich wenden sich Tourismusbeschäftigte an uns, weil die Arbeitsbedingungen in vielen Betrieben schlecht sind. Arbeitszeitverstöße und unkorrekte Entlohnung sind die häufigsten Probleme." Die Branche habe es über Jahre verabsäumt, die Jobs attraktiv zu gestalten. "Das rächt sich jetzt", meint Wohlgemuth. Dass ein ausgelernter Koch weniger verdiene als ein Verkäufer sei nur ein Grund für die Misere. Auch die Aufwertung des Lehrberufes habe die Arbeitgeberseite bisher blockiert. "Wir fordern mehr Zeit für die Berufsschule und mehr Lehrlingsentschädigung", zählt Wohlgemuth auf. Der Gewerkschafter ist überzeugt, dass viele Tiroler einen Job im Tourismus annehmen, wenn die Arbeitsbedingungen stimmen.

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