Der Gesundheitsplan 2040+ sei „fahrlässig“ für die Menschen in Niederösterreich, sagt auch ein Notarzt, der 2013 Lindsey Vonn nach ihrem Sturz versorgte.
Im Jahr 2013 dauerte es wenige Minuten, bis Notarzt Klaus Katzensteiner bei Lindsey Vonn nach ihrem Sturz beim Super-G auf der Piste war. „Ich war zufällig dem Pistenabschnitt zugeteilt, wo sie gestürzt ist“, erzählt er. Dass ein Notarzt in Niederösterreich ab April 2027 vielleicht 40 Minuten bis zum Notfall brauche, mache ihm Sorgen. Gemeinsam mit der „Plattform NÖ“ – einem Zusammenschluss von elf Bürgerinitiativen – setzt er sich für die Neuverhandlung des Gesundheitsplans 2040+ ein.
Die strategische Intransparenz der NÖ-Landesregierung ist Teil des Problems.
Mitglieder der Plattform NÖ
Drei Forderungen an Politik
Die Forderung an erster Stelle lautet: „Der bedingungslose Erhalt aller Notarztstützpunkte und Krankenhäuser“, sagt Tamara Schönsbichl aus Gmünd, wo sie mit ihrer Initiative „LKGmündbleibt“ um den Erhalt des Krankenhauses kämpft. Neuverhandlungen rechtlich durchzusetzen, könnte sich Schönsbichl durchaus vorstellen. „Der Gesundheitsplan ist ja rechtlich auch intransparent gestaltet worden“.
Ein Abbau Gmünds sei etwa erst vorgesehen gewesen, wenn bereits geeignete Alternativen geschaffen wurden. Bestehende Notärzte und Krankenhäuser sollen bleiben, das Gesundheitssystem aber auf keinen Fall in seinem jetzigen Zustand bleiben, so die zweite Forderung. „Ein großes Lob an jene im Gesundheitspersonal, die sich das überhaupt noch antun“, betont Schönsbichl. Die Plattform fordert eine aktive Personalpolitik, bessere Arbeitsbedingungen.
In Graz wurde wissenschaftlich getestet, ob mehr Rettungsautos und Sanitäter den Notarzt ersetzten können – negativ.
Dr. Klaus Katzensteiner
Risiko falsch eingeschätzt
„Es kann nicht sein, dass zuerst politische Entscheidungen über Schließungen getroffen werden und danach die Folgen für die Menschen untersucht werden“, ärgert sich auch Alfred Lichtenschopf, Arzt aus Waidhofen an der Ybbs. Wird ein Gesundheitsplan neu aufgestellt, wolle man als Bürger mehr Mitsprache bei Entscheidungen. „Alles was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen“, zeichnet Vonn-Notarzt Katzensteiner eine düstere Prognose, wenn elf Notarztstützpunkte wegfallen. Sanitäter und mehr Rettungsautos seien kein adäquater Ersatz für geschlossene Standorte. Selbst wenn man per Telemedizin mit einem Notarzt verbunden ist, gibt es nicht immer durchgehend Empfang in Niederösterreich. „Das sind Sekunden, die im Notfall zählen!“ Egal, ob dieser nun im tiefen Waldviertel ist, oder auf der Skipiste bei Lindsey Vonn.
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