Im Kärntner Landtag wird heute ein Gesetz beschlossen, das Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern die „Babykarenz“ möglich macht. Das könnte auch den Weg für viele Frauen in die Gemeindepolitik ebnen.
Wenn es um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie geht, steht meist das Betreuungsangebot im Vordergrund – über eine gesetzliche Karenzregelung mit geregelten Bezügen muss sich eigentlich niemand mehr Gedanken machen. Außer, wenn man Bürgermeisterin oder Bürgermeister in Österreich ist. In Kärnten wird jetzt diese erschreckende Gesetzeslücke geschlossen – nur in Salzburg und Niederösterreich gibt es ebenfalls entsprechende Regeln.
„Wer Bürgermeisterin oder Bürgermeister wird, übernimmt Verantwortung für viele Menschen. Wer Mutter oder Vater wird, übernimmt Verantwortung für den eigenen Nachwuchs“, betont Landesrätin Marika Lagger-Pöllinger. „Das darf sich nicht ausschließen.“ Sie kennt die Problematik zu gut, war sie doch selbst zehn Jahre lang Bürgermeisterin von Lendorf.
Niemand soll sich zwischen der eigenen Familie und dem Engagement für seine Gemeinde entscheiden müssen.

Landesrätin Marika Lagger-Pöllinger
Bild: Landespressedienst/Helge Bauer
Mit dem heutigen Beschluss im Landtag steht Kärntens Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern sowie Stadtsenatsmitgliedern von Klagenfurt und Villach bis zu ein Jahr Karenzurlaub mit weiterlaufenden Bezügen in der Höhe von 50 Prozent. „Wer in Kärnten Bürgermeisterin oder Bürgermeister ist, stand bisher vor einer schwierigen Entscheidung: Wie lässt sich die Verantwortung für eine ganze Gemeinde mit der Verantwortung für ein neugeborenes Kind vereinbaren?“, betont SPÖ-Klubobmann-Stellvertreterin Manuela Lobnik.
Wichtiger Schritt für mehr Frauen in der Politik
Sie betont die Bedeutung der gewonnenen Zeit: „Ein Kind zu bekommen, gehört wohl zu den schönsten, aber auch herausforderndsten Erfahrungen im Leben. In dieser Zeit voller Veränderungen braucht man vor allem eines: Zeit füreinander.“ So könnten vielleicht auch mehr Frauen den Weg in die Gemeindepolitik finden – derzeit steht in nicht einmal einem Zehntel der Kommunen eine Frau an der Spitze.
Für einen Wandel ist ein anderes Umfeld notwendig. „Wir wollen mehr Frauen in der Politik. Dann müssen wir aber auch die Rahmenbedingungen schaffen, damit sich Familienleben und politisches Engagement besser miteinander vereinbaren lassen“, stellt auch die SP-Landtagsabgeordnete Nicole Schojer klar. „Zeit mit den eigenen Kindern verbringen zu wollen, ist zwar keine Frage des Geschlechts, trotzdem tragen Frauen klar die Hauptlast in der familiären Kinderbetreuung. Vor allem für sie ist das ein wichtiger Schritt.“
„Die Stimme Kärntens“
„Ist Ihre Gemeinde bereit für eine Frau an der Spitze?“. So lautet eine der Fragen bei „Die Stimme Kärntens“. Mit der neuen Karenzregelung könnten schließlich mehr Frauen den Schritt in die Gemeindepolitik wagen. Nehmen Sie an der Umfrage teil, und geben Sie Ihrer Region eine Stimme. Alles, was Sie brauchen, ist ein aktives Profil auf krone.at.
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