Mobbing, Erpressung, Bloßstellungen, rechtswidrige Inhalte bis hin zu Kindesmissbrauchsmaterial: Mit alledem sind Kinder und Jugendliche im Internet konfrontiert. Betroffenen hilft die Kinder- und Jugendanwaltschaft: Als „Trusted Flagger“ nach EU-Gesetz können sie jungen Menschen zu helfen.
„Er ist ein Straftäter, ein Pädophiler. Seine Freundin ist erst 12 Jahre alt!“ Mit solchen Anschuldigungen wurde im Internet das Bild eines 17-jährigen Oberösterreichers verbreitet. Neben dem Teenager war ein deutlich jüngeres Mädchen zu sehen – bei dem es sich um seine kleine Schwester handelte.
Illegale KI-Influencerin
Das ist noch weit nicht das Schlimmste, was jungen Menschen im Internet widerfahren kann. „Junge Frauen verkaufen sexualisierte Fotos, ohne dass das Alter von Anbietern oder Kunden überprüft wird. Eine KI-generierte Influencerin tanzt in Hakenkreuz-Unterwäsche, und erstellt für jeden gelöschten Account mehrere neue. Junge Menschen werden mit persönlichen Daten oder intimen Fotos erpresst, und Kindesmissbrauchsmaterial wird in Gruppen geteilt, oder gar auf Whatsapp als Sticker verschickt“, weiß Doris Bonifarth, Leiterin der Präventionsstelle der OÖ. Kinder- und Jugendanwaltschaft.
Vertrauenswürdige Hinweisgeber
Dagegen rüstet auch die Behörde auf: Seit April ist sie nach dem Digital Services Act der EU als „Trusted Flagger“, bzw. vertrauenswürdiger Hinweisgeber zertifiziert. Für solche müssen die Online-Plattformen direkte Kanäle bzw. Portale haben, um deren Meldungen schnellstmöglich und ernsthaft zu bearbeiten. Auch mit rechtlicher Expertise kann das unabhängige Team der Kinder- und Jugendanwaltschaft Betroffene und deren Eltern unterstützen, wie Kinder- und Jugendanwältin Christine Winkler-Kirchberger betont.
„Nicht nur Verbote setzen“
Auch andere Online-Phänomene wie die Tradwife-Bewegung, die „Manosphere“ oder auch „The Com“ sind große Bedrohungen. Letztere ist ein loser Überbegriff für nihilistische Anstifter im Internet. Diese „fischen“ ihre Opfer mit überbordender Zuneigung und Aufmerksamkeit, bevor sie sie zu Sachbeschädigung, Brandstiftung, Tierquälerei, Selbstverletzung oder gar zum Suizid erpressen. „Es ist wichtig, Kindern nicht nur Verbote zu setzen, sondern das Internet mit ihnen gemeinsam zu erkunden. Sind ihre Grundbedürfnisse, also Anerkennung, Aufmerksamkeit, soziale Beziehungen und Bindung, nicht gedeckt, sind sie viel anfälliger für solche Gefahren“, weiß Chefinspektorin Kerstin Matschiner von der Kriminalprävention beim LKA OÖ.
Nur Deutsch und Englisch, aber . . .
Die Kinder- und Jugendanwaltschaft OÖ behandelt selbst nur Meldungen über Beiträge auf Deutsch und Englisch. Aber: „Beiträge in anderen Sprachen leiten wir an die zuständigen Stellen in anderen EU-Ländern weiter“, so Bonifarth – besonders häufig seien Fälle auf Telegram in kyrillischer Schrift. Insgesamt seien seit April mehrere hundert Beiträge gemeldet worden, von denen rund 70 als rechtswidrig eingestuft und bei den Plattformen gemeldet worden seien.
Pornos in der Volksschule
Auch Medienbildung sei essenziell. Damit könne man gar nicht früh genug anfangen: Wer denkt, sein Kind sei nicht betroffen, weil es noch kein Handy oder Tablet hat, der irre. Immer wieder gäbe es Fälle, wo schon Volksschüler etwa Pornos, aber auch andere Inhalte in der Klasse herumzeigen würden.
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