Österreichs Wirtschaft soll wieder wachsen. Die Frage ist nur, wie viel davon im Alltag ankommt. Wifo und IHS haben ihre Herbstprognosen veröffentlicht und erwarten heuer ein BIP-Plus von 0,9 bzw. 0,8 Prozent. Nach Jahren der Rezession ist das eine Erholung. Ein Aufschwung sieht aber anders aus.
Die Industrie soll wieder zum Wachstumsmotor werden, die Exporte anziehen. Doch hohe Energiepreise und schwache Nachfrage bremsen die Entwicklung. Dazu kommt die Inflation: Für 2026 rechnen Wifo und IHS mit 3,3 beziehungsweise 3,1 Prozent. Das Zwei-Prozent-Ziel bleibt damit außer Reichweite. Das BIP wächst leicht, die Preise stark– für Haushalte und Firmen eine schlechte Kombination. Die Kaufkraft bleibt unter Druck, Betriebe kämpfen mit hohen Kosten und Investitionen werden verschoben. Wer angesichts dieser Zahlen bereits den Aufschwung feiert, sollte erklären, wo genau er stattfindet.
Genau hier ist die Politik gefragt. Als Land mit überdurchschnittlich hohen Lohnstückkosten braucht es gezielte Entlastungen statt Gießkannenmaßnahmen, verlässliche Rahmenbedingungen statt politischer Ankündigungen und Investitionen in die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts statt der nächsten Sonntagsrede. Ein Wirtschaftsstandort wird nicht dadurch attraktiver, dass man ihn regelmäßig zum Zukunftsstandort erklärt. Natürlich kann Österreich keine internationalen Energiepreise kontrollieren. Aber es kann Unternehmen beim Umbau unterstützen, Investitionen erleichtern und Haushalte gezielt entlasten.
Die Prognosen sind kein Grund zur Panik. Nur eben auch kein Grund, sich zurückzulehnen.
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