Und alle zahlen

Sperrmüll in Gemeindebauten kostet uns Millionen

Wien
14.10.2026 11:00

21.293 Mal musste in Wiens Gemeindebauten binnen sechs Monaten Gerümpel weggeschafft werden. Wer es hinterlassen hat, bleibt meist im Dunkeln. Wiener Wohnen führt dazu nicht einmal eien Statistik. Die Rechnung landet deshalb bei allen Bewohnern – auch bei jenen, die sich brav an die Regeln halten.

Der Kellergang als Abstellkammer, der Dachboden als Lager, der Müllplatz als Halde für alles, was keiner mehr braucht: In Wiens Gemeindebauten wird abgeladen, was das Zeug hält. Von Jänner bis Juni 2026 waren 21.293 Entrümpelungen nötig, rund 118 pro Tag. Spitzenreiter sind die Müllplätze mit 8874 Einsätzen, gefolgt von Kellergängen und Dachböden mit 7136.

Schaden geht in Millionenhöhe
Die „Krone“ wollte wissen, was dieser Wahnsinn kostet. Die Antwort von Wiener Wohnen: rund 3,2 Millionen Euro – alleine im ersten Halbjahr dieses Jahres. Und selbst diese Summe ist nur veranschlagt, die Endabrechnung steht noch aus. Der Betrag könnte also durchaus wachsen. Wie viel Müll für das Geld abtransportiert wurde? Keine Ahnung. Aufzeichnungen in Tonnen oder Kubikmetern gibt es nicht. Besonders oft trifft es jedenfalls große Anlagen mit vielen Stiegen und viel Grünfläche. Dort fühlen sich die Schmutzfinken scheinbar besonders wohl.

Die Verursacher kommen meist ungestraft davon
Noch dünner wird es bei der Frage nach den Schuldigen. Wie viele ausgeforscht wurden und was sie tatsächlich bezahlt haben, wertet Wiener Wohnen nicht zentral aus. Laut den zuständigen Fachbereichen lassen sich die Täter nur in einem kleinen Teil der Fälle eindeutig identifizieren. Ohne Meldung und Zeugen geht gar nichts.

Wer doch erwischt wird, muss die Entsorgung berappen. Zusätzlich drohen 70 Euro Organmandat, nach einer Anzeige bis zu 2000 Euro. Von Jänner bis Juli stellten die Ordnungsberater 1552 Organstrafverfügungen aus und erstatteten 401 Anzeigen – allerdings für sämtliche Verstöße gegen das Reinhaltegesetz, von weggeworfenen Zigaretten bis zum Hundekot.

Ehrliche Bewohner blechen für den Dreck anderer
Und der Rest? Den tragen alle. Bleibt der Verursacher unbekannt, wandern die Kosten laut Mietrechtsgesetz in die Betriebskosten der jeweiligen Wohnhausanlage. Wer seinen Sperrmüll ordnungsgemäß entsorgt, finanziert also den Unrat des Nachbarn mit.

Wohnbaustadträtin Elke Hanel-Torsch betont: „Der Gemeindebau ist das Zuhause für hunderttausende Wiener.“ Ein Zuhause, in dem die Ehrlichen die Zeche begleichen. Wiener Wohnen verweist auf Aufklärung bei Vertragsabschluss, Aushänge und Gespräche vor Ort. Missstände lassen sich rund um die Uhr unter 05 75 75 75 melden. Denn ohne Hinweis kein Täter – und ohne Täter zahlt die ganze Anlage.

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