„Wie ein Vampir“

Rad-Jungstar Seixas lässt ganz Frankreich träumen

Sport-Mix
11.10.2026 13:09
Porträt von krone Sport
Von krone Sport

Paul Seixas hatte auch nach seiner Fahrt in die Geschichtsbücher des Radsports nicht genug. Am frühen Sonntagmorgen stand er beim Mountainbikerennen Roc d‘Azur in Südfrankreich wieder an der Startlinie. Dabei hatte das französische Wunderkind keine 24 Stunden zuvor noch Historisches geschafft. 

Im Alter von 20 Jahren und 16 Tagen stieg er zum jüngsten Sieger in der 121-jährigen Geschichte der Lombardei-Rundfahrt auf. Die Franzosen schwärmen von ihrem neuen Rad-Helden.

Paul Seixas
Paul Seixas(Bild: AFP/MARCO BERTORELLO)

„Etwas Außergewöhnliches“
„Manchmal habe ich das Gefühl zu träumen. Dieses Ergebnis ist der Wahnsinn, etwas Außergewöhnliches. Hätte man mir zu Saisonbeginn gesagt, was ich alles gewinnen würde, hätte ich es nie geglaubt“, sagte Seixas. Nicht einmal dem legendären Eddy Merckx oder Superstar Tadej Pogacar war es gelungen, in dem jungen Alter eines der fünf Radsport-Monumente (Mailand-Sanremo, Flandern, Paris-Roubaix, Lüttich, Lombardei) zu gewinnen. Ohnehin waren nur drei Fahrer jünger – allerdings in Zeiten vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, als der Radsport kaum vergleichbar mit dem heutigen Profigeschäft war.

„L‘Equipe“: „Wie ein Vampir“
Entsprechend überschlugen sich die Schlagzeilen, speziell in seiner Heimat. „Seixassionnel“, titelte die „L‘Equipe“ und widmete dem neuen französischen Rad-Helden die ersten sechs Seiten. „Er nahm seine Rivalen einen nach dem anderen auseinander – chirurgisch präzise“, hieß es weiter: „Wie ein Vampir, der den Blutgeschmack seiner gerade gequälten Rivalen auf den Lippen spürte.“ Und in Italien feierte die „Gazzetta dello Sport“ den „jüngsten König der Lombardei“.

Im Stile von Pogacar, der nach seinem Schlüsselbeinbruch bei der Vuelta die Saison beendet hatte, holte sich Seixas nach einer Attacke am vorletzten Anstieg im Alleingang nach 239 Kilometern in Como den Sieg. Den Civiglio stürmte er in 11:54 Minuten hinauf, 38 Sekunden schneller als der slowenische Tour-de-France-Champion vor vier Jahren. Viel zu schnell für Stars wie dem dieses Mal viertplatzierten Europameister Remco Evenepoel. Der Radsport darf sich in Zukunft auf große Duelle mit Pogacar freuen, der in den letzten fünf Jahren den Herbstklassiker stets dominiert hatte.

Duelle mit Pogacar
Vermutlich hätte Seixas auch gegen Pogacar noch keine Chance gehabt. „Ohne Tadej sind die Rennen nicht dasselbe – er ist der Beste“, sagte Seixas und blickte bereits voraus: „Er ist so stark, dass jeder härter arbeiten muss, um besser zu werden. Es ist ein Traum für mich, mich mit ihm messen zu können. Vielleicht gelingt es mir eines Tages, vielleicht auch nie, aber ich werde es immer wieder versuchen.“

Doch der acht Jahre jüngere Seixas hat noch viel Potenzial. Dabei ist seine Bilanz in diesem Jahr schon erstaunlich. Bei seinem Tour-Debüt, das eigentlich erst für 2027 oder 2028 geplant war, fuhr er auf Anhieb auf den vierten Platz. Zuvor hatte er bereits den Halbklassiker Fleche Wallonne und die schwere Baskenland-Rundfahrt gewonnen. Außerdem belegte er bei der WM den dritten Platz im Zeitfahren.

Erster französischer Toursieger seit Hinault?
Erfolge, die kein Zufall sind. „Schicksal gibt es nicht. Man muss hart arbeiten und sein Schicksal selbst in die Hand nehmen. Dinge geschehen nicht durch Zauberei“, so Seixas, der Hoffnungsträger der Grande Nation auf den ersten französischen Tour-Triumph seit Bernard Hinault 1985.

Denn Seixas ist ein Überflieger in seinem Metier. „Er ist seiner Zeit immer voraus. Der Plan verläuft wie vorgesehen, wobei sich das Szenario von Mal zu Mal optimistischer gestaltet“, sagt Jean-Baptiste Quiclet als Leiter für Leistungsentwicklung beim Decathlon-Team. Mit 14 Jahren wurde er bereits französischer U17-Meister, mit 18 gab er sein Profidebüt, mit 19 wurde er schon EM-Dritter. Nebenbei machte er seinen Schulabschluss mit Auszeichnung.

Sein Ehrgeiz ist groß, manchmal zu groß. Bei der WM in Montreal hatte er Krämpfe und belegte Platz 15. Danach geißelte er sich selbst: „Meine Teamkollegen hatten keinen Kapitän wie mich verdient. Ich schäme mich.“ Das sah er am Samstag bei der improvisierten Champagner-Feier vor dem Mannschaftsbus schon wieder anders, ehe sich der Jungstar auf den Weg zum nächsten Rennen machte.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Hinweis in eigener Sache: Schon bald erwartet Sie auf krone.at ein rundum erneuerter Forenbereich mit vielen neuen Features! Mehr Informationen finden Sie hier.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

KMM
Top 3
Top Gutscheine
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung