„Krone“-Kolumne

Die Freiheit im Käfig

Kolumnen
08.10.2026 06:45

Als Georg Danzer 1979 über „Die Freiheit“ gesungen hat, erreichte der Kalte Krieg gerade einen weiteren Höhepunkt, das Wettrüsten der Großmächte eskalierte, die Weltkarte war übersät mit autoritären Regimen und Diktaturen.

In dieser Zeit also erzählte Danzer die Geschichte eines Mannes im Zoo. Vor einem Käfig mit dem Schild „Nicht füttern und nicht reizen, da sehr wild“ standen zahlreiche ratlose Menschen. Also fragte der Mann den Wärter: „Wie heißt denn dieses Tier? Das ist die Freiheit, sagte er zu mir, die gibt es jetzt so selten auf der Welt, drum wird sie hier für wenig Geld zur Schau gestellt.“ Doch im Käfig war nichts zu sehen, er war leer. „Das ist ja grade – sagte er – der Gag! Man sperrt sie ein, und augenblicklich ist sie weg! Die Freiheit ist ein wundersames Tier, und manche Menschen haben Angst vor ihr. Doch hinter Gitterstäben geht sie ein, denn nur in Freiheit kann die Freiheit Freiheit sein.“

Der 2007 viel zu früh verstorbene Danzer wäre gestern 80 Jahre alt geworden. Das Lied des stillen Mahners, der stets für Toleranz, Solidarität und demokratische Werte einstand, ist jedoch (leider) alterslos geblieben. Ja sogar brandaktuell, da Populisten wieder mehr denn je mit „Freiheit“ werben, um ihre eigene Machtkonzentration zu stärken. Eine Freiheit, die auf Hetze und Ausgrenzung baut und nur dem „richtigen Volk“ gilt. Für all jene aber, die aus ethischen, religiösen, sexuellen oder welche Kriterien auch immer nicht dazu gehören, geht sie hinter Gitterstäben zugrunde.

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