07.08.2014 08:55 |

Affe vs. Fotograf

Aufregung um Affen-Selfie im Internet

Wer hält das Urheberrecht an einem Affen-Selfie? Der Affe, der den Auslöser gedrückt hat, oder derjenige, dem die Kamera gehört? Mit dieser Frage dürfen sich wohl bald die Gerichte auseinandersetzen. Denn ein britischer Fotograf sieht seine Urheberrechte durch die Verbreitung eines mit seiner Kamera aufgenommenen Affen-Selfies auf der zur Online-Enzyklopädie gehörenden freien Bildersammlung Wikimedia Commons verletzt.

Mit Kameraequipment im Wert von umgerechnet über 6.000 Euro war der britische Naturfotograf David Slater laut einem Bericht des "Telegraph" 2011 nach Indonesien gereist, um die dort lebenden Schopfaffen zu fotografieren. Eines der Tiere war allerdings schneller, schnappte sich die Kamera und machte mehrere Hundert Selbstporträts.

Viele der Aufnahmen waren verwackelt und unscharf, auf anderen war lediglich der Dschungelboden zu sehen. Doch auf einer Handvoll Bilder hatte sich der Affe perfekt selbst getroffen - mit breitem Grinsen im Gesicht. Das Bild ging um die Welt, schaffte es in die Schlagzeilen und landete schließlich auch auf Wikimedia Commons.

Sehr zum Leidwesen Slaters, denn die zu Wikipedia gehörende Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien weist das Affen-Selfie als "gemeinfrei" ("Public Domain") aus und bietet es zur freien Verwendung zum ebenso freien Download an. Begründung: Der Affe hat das Bild gemacht, folglich liegt das Urheberrecht bei ihm.

Kein "substanzieller Beitrag"
Um Urheberrechtsansprüche geltend zu machen, hätte Slater einen "substantiellen Beitrag" zur finalen Aufnahme leisten müssen. Und selbst dann hätte er nur einen Urheberrechtsanspruch auf Änderungen, nicht jedoch auf die Aufnahme an sich, argumentiert Wikimedia in einem kürzlich veröffentlichten Transparenzbericht zu Löschanfragen.

In demselben Report heißt es aber auch, dass "nicht-menschliche Autoren" nicht automatisch Urheberrechtsansprüche auf Fotografien haben, die sie anfertigen. Slater, dessen Affen-Selfie nach Beschwerden zwar bereits mehrfach von der Internetseite verschwand, letztlich aber immer wieder hochgeladen und veröffentlicht wurde, will daher nun vor Gericht endgültig Klarheit schaffen.

Eine von 10.000 Aufnahmen
Fotografie sei ein teurer Beruf, erklärte er dem "Telegraph". Allein der Flug habe ihn 2.000 Pfund gekostet, ganz zu schweigen von dem 5.000 Pfund teuren Equipment, das er getragen habe, der Versicherung und seinem Computer, mit dem er die Bilder verarbeitet habe. "Von 10.000 Aufnahmen, die ich schieße, bringt mir nur eine das nötige Einkommen, um meinen Beruf weiter auszuüben. Und das Affen-Selfie war so eine Aufnahme."

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