Lissabon ist eine tolle Metropole. Aber die portugiesische Weltstadt, auf sieben Hügeln gebaut, mit dem Rad erobern? Ja, geht! Sogar für untrainierte Amateure ziemlich gut. Und E-Bikes gibt es zur Not schließlich auch
Eigentlich verdankt die Stadt am Tejo einem Österreicher, dass sie auf der europäischen Tourismus-Landkarte zum Fixpunkt geworden ist. André Hellers „Feuertheater“, ein Pyrotechnik-Spektakel mit einer Million Zuschauern vor Ort und vielen weiteren Millionen vor den TV-Geräten. Das hat den berühmten Wooow-Effekt ausgelöst, die Stadt der Seefahrer wurde zum Muss für reisefreudige Menschen jedes Alters. Der kultige Wiener Künstler hat damit das Stadt-Image nachhaltig geprägt: quirlig, kreativ, vollgepackt mit Traditionen und modern zugleich – schlicht beeindruckend!
Aber der Run hat natürlich nicht nur seine positiven Aspekte. Der berühmte „Übertourismus“ hat auch Portugals Hauptstadt inhaliert. Verstopfte Gassen zu den Hauptreisezeiten, ewige Wartezeiten bei den Öffis, volle Wirtshäuser. Was aber geblieben ist: die immense Gastfreundschaft, eine Kulinarik, die ihresgleichen sucht, und ein Umland, das sich zu entdecken lohnt. Auf zur Perle der Iberischen Halbinsel …
Rauf aufs Rad
Lissabon ist nah am Wasser gebaut, das spürt und riecht man. Möwen kreischen über den Ziegeldächern, der Wind trägt den salzigen Atlantik-Geruch in die tausenden Gastgärten. Wer die Stadt wirklich erleben will, der macht es zu Fuß, rumpelt mit den pittoresken kleinen Straßenbahnen durchs historische Zentrum, oder aber tut es per Rad. Auf den ersten Blick ein bissl ein schräges Unterfangen, die berühmten sieben Hügel können ordentlich ins Schwitzen bringen.
EIN BOOM BEI LEIHRÄDERN
Aber wo es hinauf geht, geht es schließlich auch flott bergab – und E-Bikes erleichtern die ganze Angelegenheit ungemein Und natürlich kann man sich die Räder leihen. Der wichtigste Anbieter heißt „Gira“, betreibt ein Netz mit gut 1000 Radln, sowohl E-Bikes als auch „normale“ Drahtesel. Einfach die App herunterladen, mit der die Räder entsperrt werden. Kosten etwa 2 Euro pro Tag, die Stationen sind über die ganze Stadt verteilt.
Eine andere Möglichkeit ist eine geführte Tour. Und da wiederum gibt es zwei Anbieter, die sogar für Gottes Lohn unterwegs sind. Die Touren dauern zwei oder vier Stunden, man sieht das Wesentliche. Aber Obacht, die Tour selbst kostet zwar nichts, das Bike muss allerdings schon bezahlt werden. Und die Guides erwarten halt auch ein wenig Trinkgeld.
Infos: www.gira-bicicletasdelisboa.pt,
www.freebiketourslisbon.com und www.freetour.com
AUF NACH BELÉM
Am bequemsten, flachsten und sehr entspannt geht es dafür am Tejo-Ufer entlang. Kaum ein Hügel, toll asphaltiert in Richtung Belém. Dieses Viertel war einst der Ausgangspunkt der großen portugiesischen Entdeckungsreisen. Von hier starteten Vasco da Gama, der den direkten Seeweg von Europa nach Indien entdeckte, oder Ferdinand Magellan, der erste historische Weltumsegler, zu ihren spektakulären Fahrten.
Entlang der Route der sehenswerte „Torre de Belém“, ein wehrhafter Turm am Flussufer, das monumentale „Padrao dos Descobrimentos“, ein Denkmal für Portugals Entdecker, sowie das unglaubliche „Mosteiro dos Jerónimos“, ein monumentales Weltkulturerbe.
KÖSTLICHE ENERGIEBRINGER
Alles gut und schön. Aber warum Belém gestürmt wird, das hat noch einen anderen Grund. Dort werden seit 1837 – so steht es halt am Eingang mit Kopfsteinen in die Straße eingearbeitet – in der Bäckerei „Pastéis de Belém“ die legendären „Natas“ gebacken. Kleine Blätterteigtorten mit Vanillefüllung, warm serviert und mit Zimt bestäubt. Und bringen auch ziemlich viel Energie fürs Radeln ...
VON CASCAIS DEN ATLANTIK ENTLANG
Die absolute „1er“-Tour führt aber von Cascais zum Guincho-Strand. Dazu fahren Sie am besten mit der Bahn, die bringt Sie von Lissabon um sehr günstige 2,45 Euro in 40 Minuten in den charmant-eleganten Badeort mit Jachthafen und einer prächtigen Promenade. Am Bahnhof stellt die Stadt kostenlos Räder zur Verfügung. Ein Reisepass genügt bei der Registrierung, die Räder müssen allerdings am selben Tag bis 19 Uhr retourniert werden.
Von Cascais aus führt der Radweg vorbei an spektakulären Klippen zum Surfstrand Guincho mit seinen Riesenwellen. Ein Paradies für Wellenreiter. Dauert etwa eine Stunde, aber man kann natürlich weiter die Atlantikküste entlangradeln, bis zum „Cabo da Roca“, dem westlichsten Punkt des europäischen Festlandes mit seinem Leuchtturm und den 140 Meter hohen Klippen.
Kulinarisches
„Mercado da Ribeira“, das ist ein traditioneller Markt für Fisch, Obst und Gemüse. Daneben hat sich eine moderne Foodhall etabliert. Im „Time Out“ haben sich an die 40 Essensstandln und Bars angesiedelt. Man gustiert, sucht sich was aus und setzt sich dann an Gemeinschaftstischen zusammen.
Sehr gut besucht, geöffnet von 10 Uhr bis Mitternacht. Lage: Direkt gegenüber von Bahnhof Cais do Sodré. Typische Gerichte sind Bacalhau (Stockfisch), Arroz de Marisco (Meeresfrüchtereis), Bifana (ein würziges Schweinsbraten-Sandwich). Adresse: Mercado da Ribeira, Avenida 24 de Julho.
Nachtleben
1500 Bars gibt es in der Stadt, die meisten davon in der „Pink-Street“. In Lissabon liebt man Sonnenuntergänge. „Miradouro de Santa Catarina“, der Adamestor-Aussichtsplatz, der „Miradouro des Portas do Sol“ oder die Rooftop-Bar des Hotels Mundial sind Hotspots für Sonnenuntergänge. Und natürlich die Waterfront am Tejo mit Blick auf die Brücke des 25. April mit der riesigen Christus-Statue.
Dort reiht sich Bar an Bar. Für die anderen Sonnenuntergangs-Punkte gilt: Getränke mitbringen, die Lisboetas tun das auch. Zwar touristisch, aber man muss dort gewesen sein: Im „A Ginjinha“ am Rossio, quasi dem Hauptplatz der Stadt, stehen Menschenschlangen, um sich in Selbstbedienung an einem Kirschlikör, eben dem „Ginjinha“ gütlich zu tun.
Stadt als Filmkulisse
Lissabon mutet wie eine Filmkulisse an. Und es wurden auch einige Filme hier gedreht: „Erklärt Pereira“, über den Widerstand eines Journalisten gegen die Diktatur Antonio Salazars, der bis 1974 brutal sein Volk unterdrückte (mit Marcello Mastroianni). Oder Wim Wenders „Lisbon Story“ über die „Weiße Stadt“. Oder „Nachtzug nach Lissabon“, mit dem genialen Jeremy Irons. Auch Blockbuster („Fast & Furios X“) wurden im historischen Zentrum gedreht.
Aufzüge und die Bim
Zurück in der Hauptstadt geht es weiter ans Entdecken. Und wo es mit dem Rad wirklich nimmer geht, da helfen die Elevadores, Aufzüge. Der „de Santa Justa“ ist ein besonders sehenswertes Exemplar, gefertigt aus schwerem Eisen um 1902.
Nach 45 Metern senkrechter Fahrt eröffnet sich ein überwältigender Blick auf die Stadt. Berühmt ist Lissabon auch für seine drei historischen Standseilbahnen, die allerdings nach einem tragischen Unglück im September 2025 vorerst außer Betrieb gestellt worden sind.
Die historischen Straßenbahnen, ein Wahrzeichen Lissabons, sind allerdings noch in Betrieb und ein unglaubliches Vergnügen. Vor allem die Linie 28E, die durch die engen Straßen der Alfama, Baixa und Chiado verkehrt, ist sehr beliebt. Und von Touristen überlaufen. Die Polizei warnt übrigens vor den vielen Taschendieben, die hier auch unterwegs sind.
Flohmarkt
Unbedingt vom Radl steigen sollte man beim „Feira da Ladra“, dem Flohmarkt der Stadt. Im Stadtviertel Alfama (Campo de Santa Clara) findet der Dienstag und Samstag statt. Seine Geschichte geht bis ins 13. Jahrhundert zurück.
Zwischen Decken und auf dem Pflaster improvisierten Ständen werden – neben Chinesen-Ramsch – Vintage-Kleidung, handgemachter Schmuck und vor allem alte Azulejos, die portugiesischen Kacheln, angeboten. Aber Vorsicht, die antiken Fliesen sind manchmal aus Kirchen oder historischen Gebäuden „gefladert“ worden. Aber „Feira da Ladra“ heißt übersetzt ja „Markt der Diebin“ ...
Gerhard Felbinger
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