Im Kontrollausschuss des Vorarlberger Landtags schießen die Mitglieder der Oppositionsparteien scharf gegen die ÖVP, weil deren Mitglieder die Mails des Wirtschaftsbundes an Ex-Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser nicht herausrücken wollen. ÖVP-Klubobfrau Veronika Marte wirft Grünen, SPÖ und Neos vor, den Ausschuss als Showbühne zu missbrauchen.
Im Kontrollausschuss diskutierten die Vorarlberger Landtagsabgeordneten am Mittwoch über den Umgang der Landesverwaltung mit der Archivierung von E-Mails des Wirtschaftsbundes an den ehemaligen Landesstatthalter Rüdisser. „Die Frage, ob diese E-Mails nach dem neuen Informationsfreiheitsgesetz veröffentlicht werden müssen oder ob sie bereits Teil des Landesarchivs sind, kann nicht von den Mitgliedern des Ausschusses entschieden werden“, argumentierte ÖVP-Klubchefin Veronika Marte. Vielmehr müsse dies vom Landesverwaltungsgericht entschieden werden. „SPÖ, Neos und Grüne nutzen den Kontrollausschuss als Showbühne. Das kann man machen – mit seriöser demokratischer Kontrolle hat dieses Schauspiel allerdings wenig zu tun“, ärgerte sich Marte.
Ganz anders sahen dies naturgemäß die Vertreter der drei Oppositionsparteien. „Die ÖVP scheut Transparenz wie der Teufel das Weihwasser“, giftete Eva Hammerer, Vorsitzende des Kontollausschusses. Die E-Mails in der Causa Wirtschaftsbund würden von der Landesregierung zurückgehalten. So werde versucht, das Informationsfreiheitsgesetz auszuhebeln und das Vertrauen in die Politik verspielt. „Was wir im Kontrollausschuss erlebt haben, war kein Beitrag zur Aufklärung, sondern ein Lehrstück im Mauern. Die Landesregierung versteckt weiter Unterlagen, verweigert Antworten und lehnt sogar einen unabhängigen Datenschutzexperten als Auskunftsperson ab“, echauffierte sich SPÖ-Kontrollsprecher Reinhold Einwallner.
„Mails offenbar in Schrödingers Archiv-Zwischenwelt“
Für Neos-Chefin Claudia Gamon gab es nach der Ausschusssitzung mehr Fragen als zuvor. „Die betreffenden E-Mails des Wirtschaftsbundes wurden bereits im Jahr 2019 archiviert – oder besser gesagt: Sie befinden sich seither in einer Art Schrödingers Archiv-Zwischenwelt. Denn obwohl sie formal als archiviert gelten, hat das Landesarchiv diese E-Mails bis heute nicht übernommen“, berichtete sie. Diese Vorgehensweise wirkt faktisch zugunsten der ÖVP, da sie zur Folge hat, dass möglicherweise kritische Unterlagen nicht einer klaren rechtlichen Zuordnung unterliegen.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.