Während andere Wiener Museen am Tourismus in der Stadt kräftig mitnaschen können, ist das Naturhistorische Museum in dieser Hinsicht bisher ziemlich leer ausgegangen. Das soll mit neuen Angeboten, die über den bloßen Museumsbesuch hinausgehen, geändert werden.
Der geplante große Umbau für mehr Besucher-Komfort ist durch den Budget-Sparkurs der Regierung auf Eis gelegt, und auch sonst ist die finanzielle Lage des Naturhistorischen Museums (NHM) nicht rosig. Geschäftsführer Markus Roboch führte das bei der Jahrespressekonferenz darauf zurück, dass man ein „Museum wie kein anderes im Land“ sei: viel mehr junge Besucher, die gratis ins Museum dürfen, und viel mehr Forschung.
Leichter Besucherrückgang trotz wachsender Touristenströme
Aus der Geldnot will das Museum nun vermehrt eine Tugend machen – mit vielen neuen Angeboten, die auch ein wenig Geld in die Museumskasse bringen sollen. Zahlende Erwachsene will das NHM mit einer „Song Contest“-Ausstellung anlocken: Ein Pfad durch das Museum führt dann mit Klang-Installationen zu 35 Objekten, von denen jedes mit einem ESC-Teilnehmerland zu tun hat.
Tatsächlich kann das NHM an wachsenden Touristenströmen nur bedingt mitnaschen: Zwar hat es letztes Jahr mit Eintritten 8,1 Millionen Euro deutlich mehr als in den Jahren 2022 und 2023 eingenommen, gegenüber dem Vorjahr sanken die Erlöse jedoch um rund 100.000 Euro. Potenzial gäbe es wohl genug: Trotz geringerer Besucherzahlen wurden im Jahresvergleich um 100.000 Euro mehr in den Shops ausgegeben, insgesamt 1,4 Millionen Euro.
Abenteuer für die Jungen, Schmuck für die Erwachsenen
Dementsprechend wird das Angebot an zusätzlichen „Zuckerln“ zum Museumsbesuch ausgebaut: Schon ab jetzt gibt es im neuen Eiszeitsaal für Familien die Erlebnis-Abende „Eiszeitkinder bei Nacht“, ab Februar außerdem eine virtuelle Urzeit-Show, bald einen Extra-Raum für Kindergeburtstage und im 1. April erstmals eine „Game Night“, bei der gleichermaßen die Evolution nachgespielt werden kann, mit Biologen und anderen Wissenschaftlern als exklusiven Spielberatern und Tippgebern.
Erwachsene finden im Shop etwa neuen Schmuck, der dem berühmten und nun restaurierten Edelsteinstrauß von Kaiserin Maria Theresia nachempfunden ist. Dazu kommt die Möglichkeit neuer Objektpatenschaften, und selbst das zum NHM gehörende Nationalparkinstitut Petronell soll durch Vermietung künftig Seminarhotel-Publikum anlocken.
Vom großen Umbau bleibt zumindest der Lift
Das Geld braucht Direktorin Katrin Vohland für ihr ambitioniertes Programm: Bei der Erneuerung aller Säle ist heuer die Vogelsammlung dran, dazu kommen mehrere Sonderausstellungen. Die große Frühjahrsausstellung widmet sich dem 150-jährigen Jubiläum der Museumssammlung und stellt dabei auch die Frage nach der historischen Verantwortung, vom Kolonialismus bis zur NS-Zeit. Im Narrenturm, der schon im letzten Jahr mit seiner „Safe Sex“-Schau nachhaltig zu den Besucherzahlen beitrug, steht ab Sommer eine schaurige Ausstellung zu den Folgen von Stromunfällen an.
Außerdem wird zumindest ein kleiner Rest der Umbaupläne umgesetzt: Ein moderner Lift bringt Gäste künftig bequem in die oberen Stockwerke. „Bitter“ ist aus Sicht des Museums jedoch, dass der neue Eingangsbereich mit Besucherzentrum und barrierefreiem Zugang auf Eis gelegt werden musste. Zum Beleg, wie dringend nötig der sei, dient dem Museum ein Bild mit Menschenschlangen vor dem Museum bei Schlechtwetter: Man bedauere es, dass man die Besucher nun weiterhin „im Regen stehen lassen“ müsse.
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