Mit seinem Buch über den Tod des einst mächtigsten Justizbeamten unseres Landes hat Peter Pilz einiges ins Rollen gebracht. Die Zweifel am Suizid Christian Pilnaceks sind inzwischen so groß, dass sich auch das Parlament damit befasst. Was meinen Sie: Erachten Sie den Fall für untersuchungswürdig?
Bereits kurz nachdem der einflussreiche Sektionschef tot in einem Seitenarm der Donau entdeckt worden war, kamen Polizei und Ex-Kanzler Kurz zeitnah zum selben Befund: Christian Pilnacek habe Suizid begangen. Doch über zwei Jahre nach seinem Ableben wachsen zunehmend Zweifel an dieser offiziellen Darstellung. Die Spannbreite der Spekulationen dabei ist groß. Sie reicht von einem Unfalltod mit schlampigen Ermittlungen über vorsätzliches, möglichst schnelles Schließen des Aktes bis gar der gezielten Vertuschung einer Gewalttat.
Gab Pilz mit seinem Buch den Anstoß für Verschwörungstheorien, oder legt er berechtigte Fragen offen, die untersucht werden müssen? Untersuchen Sie mit uns gemeinsam den Fall und sagen Sie uns Ihre Einschätzung hier im Forum!
Wurde aus vermeintlicher Gewissheit eine Gelegenheit?
In seinem Buch schildert Peter Pilz zahlreiche Ungereimtheiten im Fall Pilnacek. Runterbrechen lassen sie sich auf eine zentrale Frage: Wie konnte die Polizei so rasch eine Straftat ausschließen? Das ist insofern relevant, als ohne Anfangsverdacht auf ein Verbrechen kein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird. Mögliche Beweismittel blieben daher unangetastet; Pilnaceks Handy etwa wurde nicht ausgelesen. Für manche, so die Mutmaßung, kam das durchaus gelegen.
Beim Auslesen der Datenträger wäre womöglich auch brisantes Material, Stichwort Interventionen, ans Licht gekommen. Zynisch formuliert: Die eilige Gewissheit um den Suizid bot die opportune Gelegenheit, den Akt abzulegen, ohne dabei viel Staub aufzuwirbeln. Sollte daran tatsächlich etwas Wahres sein, würde das ein erschreckendes Licht auf die Integrität unserer Beamten werfen.
Jagt Peter Pilz Skandalen hinterher, die es nicht gibt?
Auf der anderen Seite wurde schließlich doch eine Obduktion vorgenommen. Diese ergab keine eindeutigen Hinweise auf eine grobe Gewalteinwirkung durch fremde Hand. Der Gerichtsmediziner stellte fest, dass der Tod auf Ertrinken zurückzuführen sei; Hinweise auf ein gewaltsames Festhalten oder Untertauchen fanden sich nicht. Die dokumentierten Verletzungen am Leichnam seien mit einem Rutsch- oder Sturzgeschehen vereinbar.
Zudem müsste in einer unlauteren Vertuschung eine ganze Kette von Beteiligten mitspielen, vom Streifenpolizisten in Rossatz bis zu ranghohen Beamten im Innenministerium. Schon die schiere Zahl notwendiger Mitwisser macht solch ein Szenario wenig glaubwürdig. Wird hier also der Ruf der Behörden zu Unrecht beschädigt, nur weil einige Akteure auf politische Skandale bauen, die es gar nicht gibt? Schadet diese Skandalisierung letzten Endes nur dem Vertrauen in unseren Rechtsstaat?
Was denken Sie?
Antworten auf die unzähligen Fragen wird uns hoffentlich der parlamentarische Untersuchungsausschuss bringen. Vorerst sind aber Sie dran: Sollten die Vorgänge rund um den Tod des Pilnacek untersucht und der Ausschuss übertragen werden?
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.