Sotschi 2014

Russland plant Totalüberwachung während Olympiade

Web
07.10.2013 11:58
Russland plant einem Zeitungsbericht zufolge, während der im Februar stattfindenden olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi jegliche Kommunikation der Athleten und der Zuschauer abzufangen und auszuwerten. Dabei sollen ähnlich fortschrittliche Überwachungstechnologien eingesetzt werden, wie sie der US-Geheimdienst NSA mit seinem PRISM-Programm verwendet. Der russische Geheimdienst soll die Kommunikation sogar nach bestimmten Wörtern durchsuchen können.

Einem Bericht des britischen "Guardian" zufolge, der bereits den PRISM-Skandal (siehe Infobox) aufgedeckt hatte, plant der russische Geheimdienst FSB eine der größten Überwachungs-Offensiven in der Geschichte der olympischen Spiele. Dokumente, die zwei russische Enthüllungsjournalisten der Zeitung zugespielt haben, zeigen das gesamte Ausmaß der russischen Überwachungspläne.

Geht es nach dem FSB, soll während der Spiele keine Kommunikation an der staatlichen Überwachung vorbeikommen. Jedes Telefongespräch und jedes Datenpaket soll abgehört werden. Die russische Spionagemaschinerie hört dabei offenbar auf die Bezeichnung "Sorm" und wurde seit drei Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und ausgebaut, um die Totalüberwachung während Olympia zu gewährleisten.

Experte spricht von "PRISM auf Steroiden"
"Sorm" wurde offenbar per Gesetz bei allen russischen Telekommunikationsdienstleistern installiert und ermöglicht dem FSB, die Kommunikation nach bestimmten Schlüsselbegriffen zu durchforsten und so potenzielle "Störenfriede" zu entdecken und auszuforschen. Und zwar ohne das Wissen der Telekom-Firmen – Anfragen braucht der FSB nicht extra zu stellen.

Don Deibert, ein kanadischer Datenschützer und Überwachungsexperte, nennt das russische "Sorm"-Abhörprogramm im Gespräch mit der Zeitung gar "PRISM auf Steroiden". Damit will er verdeutlichen, dass die Spionagemaschinerie des FSB jener der NSA um nichts nachstehe, ja in manchen Bereichen die US-Spionage sogar übersteige. Das liege vor allem daran, dass die Arbeit des FSB weniger streng reglementiert sei als jene des US-Geheimdienstes NSA.

Datenschützer besorgt, Geheimdienst dementiert
Der britische Datenschützer Gus Hosein warnt im Gespräch mit der Zeitung vor allem Geschäftsreisende vor der Spionagemaschinerie in Sotschi. Sie sollten sich dessen bewusst sein, dass durch die russische Totalüberwachung Wirtschaftsgeheimnisse, Verhandlungspositionen und andere sensible Informationen abgefangen werden könnten. Hosein befürchtet, dass derlei Informationen dann auch an russische Mitbewerber weitergeleitet werden könnten.

Der russische Geheimdienst selbst dementiert, dass die Überwachungsmaßnahmen während der Olympiade so exzessiv sein werden wie vom "Guardian" geschildert. Man werde zwar Vorkehrungen treffen, die Spionage während der olympischen Sommerspiele in London sei jedoch weit schlimmer gewesen, so der FSB-Geheimdienstler Alexei Lavrishchev. "Verzeihen Sie, dass ich das sage, aber dort hat man Überwachungskameras auf den Toiletten montiert. Diese Art von Maßnahmen treffen wir nicht", sagt er.

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