Vor allem bei der Sanierung im Wohnbau wird heuer in Tirol ein kräftiges Minus erwartet. Nur 2,7 Prozent der Betriebe verteilen ein „Sehr gut“ hinsichtlich der aktuellen Geschäftslage. Der Innungsmeister in der Wirtschaftskammer hat mehrere Forderungen an die Politik.
Einen Rück- und Ausblick über das vergangene und heurige Jahr in Sachen Bau gaben am Dienstag Patrick Weber, Innungsmeister des Tiroler Baugewerbes, und Landesbaudirektor Christian Molzer. Dieser sieht angesichts der andauernden Rezession eher trist aus, vor allem bei der Sanierung im Wohnbau. In diesem Bereich gab es im Vorjahr bauwirksame Leistungen von 141 Millionen Euro.
„Für heuer erwarten wir 105 Millionen Euro, also um 25 Prozent weniger“, rechnet Weber vor.
Die Bundesregierung legt einen Fokus auf den Wohnbau. Wir hoffen, dass sich die Lage dadurch wieder etwas verbessert.

Christian Molzer, Landesbaudirektor von Tirol
Bild: Christof Birbaumer
Größtes Plus im Wohnbau erwartet
Ein Minus um 1,2 Prozent von 322 auf 318 Millionen Euro erwartet der Innungsmeister auch im Hochbau. Mit einem Plus rechnen die beiden Experten dafür beim Verkehrswegebau (1,5%), beim Tiefbau (2,8%) sowie dem Tunnelbau (5,3%). Das größte Plus wird im öffentlichen Wohnbau erwartet – und zwar um sechs Prozent von 384 Millionen Euro im Vorjahr auf 407 Millionen Euro in diesem.
Schlechtester Wert seit Daten erhoben werden
Sorgen bereiten Weber und Molzer auch die Ergebnisse einer IMAD-Umfrage. Dieser zufolge bewerten nur 2,7 Prozent der Bauunternehmer in Tirol ihre aktuelle Geschäftslage mit „Sehr gut“, weitere 30,5 Prozent mit „Gut“, 41,4 Prozent geben ein „Befriedigend“, 22 Prozent ein „Genügend“ und 3,4 Prozent ein „Nicht genügend“. „Seit wir die Daten erheben, ist das der schlechteste Wert“, klagt der Innungsmeister.
Bei der Auftragslage haben wir den schlechtesten Wert seit 2011. Es braucht mehrere Maßnahmen, um die Konjunktur anzukurbeln.

Patrick Weber, Innungsmeister des Tiroler Baugewerbes
Bild: Christof Birbaumer
Leichtere Kreditvergabe und Offensive gefordert
Er hat auch klare Forderungen an die Politik im Werkzeugkoffer, um die Konjunktur anzukurbeln: Leichtere Kreditvergabe, Steuerbegünstigung für den ersten Hauptwohnsitz, verdichtete Bauweise, einfachere Genehmigungsverfahren, weniger Bürokratie, eine Bundessanierungsoffensive und das Vorziehen von Bauprojekten der öffentlichen Hand gab er dem ebenfalls anwesenden Wirtschaftslandesrat Mario Gerber zu verstehen.
In dieselbe Kerbe schlägt auch Landesbaudirektor Molzer. Positiv sieht er lediglich die Entwicklung beim Fachkräftemangel: „Dank zahlreicher Lehrlingsoffensiven der Wirtschaftskammer hat sich hier einiges getan.“
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