15.07.2013 12:17 |

Biss mit Wellness

Peugeot 208 GTi: Weil wir alle keine 20 mehr sind

Er war eine veritable Rennsemmel, der Peugeot 205 GTI. 105 PS, kein Gewicht auf der Waage, dafür im Freundeskreis und auf der Straße, wo die Überholspur gepachtet war. Den Geist dieses Ahnen beschwören die Franzosen nun mit dem 208 GTi – mit fast doppelt so viel Leistung und etwas, das es damals noch nicht gab: Komfort.

Die Optik lässt direkt auf das Sportlerherz schließen: rot lackierte Bremssättel, ein Kühlergrill zwischen A-Klasse-Diamantgrill und Rennsport-Zielflagge, breitere Spur im Vergleich zum braven 208er (vorn 10, hinten 20 mm), im Fall des Testwagens auch noch "Kriegsbeklebung" auf dem Dach.

Innen geht's weiter in dem Ton. Rot doppelgestepptes schwarzes Kunstleder auf der Konsole, auch sonst viele rote Ziernähte, aber auch weniger gelungene Farbverläufe von Rot zu Schwarz auf glänzendem Kunststoff. Dazu ein Sportlenkrad, kaum größer als das eines Karts und damit so klein und handlich wie nirgends sonst im Umfeld. Es kauert sich unter die Instrumente, die ideal im Blickfeld liegen. Es ist ungewöhnlich, sich oberhalb des Lenkrades zu informieren, und mag im ersten Moment verstörend wirken, erweist sich aber schnell als sehr gelungene Einrichtung.

Motor mit Biss
Der Dreh am Zündschlüssel ruft den bekannt bissigen 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbo aus der Kooperation mit BMW/Mini/Citroen zur Einlösung des sportlichen Versprechens. 200 PS leistet er bei Peugeot und stemmt dank variabler Turbinengeometrie bei 1.700 Touren 275 Nm ins Kreuz. Er zieht mächtig ab, man merkt, dass auch im 2013er-GTi relativ wenig Gewicht zu schleppen ist, 1.160 kg stehen im Datenblatt. Wenn man das butterweich zu schaltende Sechsgangetriebe zügig durchpflügt, streicht die Nadel am recht klein gehaltenen Tacho nach 6,8 Sekunden über den Hunderter. Bis 230 km/h kann es dann weitergehen, wenn es keiner sieht oder man in Deutschland unterwegs ist. Bei gemäßigter Fahrweise betrug der Testverbrauch 7,3 l/100 km (Normverbrauch 5,9 l/100 km).

Der Sound ist eher unspektakulär, die Gänsehaut kommt von der Beschleunigung, nicht über die Gehörgänge. Im Unterschied zum Peugeot RCZ, der deutlich emotionaler klingt und speziell ab 4.000 Touren richtig lässige Frequenzen bietet. Der 208er macht eher einen auf großer, starker Erwachsener.

Ein Heißsporn wie der Urahn ist der 208 GTi nicht wirklich, obwohl er ihn in Beschleunigung und sonstigen Fahrleistungen übertrifft. Das Fahrwerk ist so erwachsen wie der Motorsound und schont schmerzende Bandscheiben, statt sie hervorzurufen, sogar auf holprigen Straßen und noch holprigeren Bahnübergängen. Beim scharfen Anbremsen von Kurven taucht er relativ weit ein, was das Heck entsprechend leicht macht und bisweilen zum Ausbrechen verleitet. Das kann man durchaus mögen und macht das Heizen spannend, kostet aber Zeit, wenn es darauf ankommt. Weniger spaßig ist die Lenkung, die mehr Gefühl für die Fahrbahn vermitteln und klarer arbeiten sollte. Ein echter Pluspunkt: Das ESP ist abschaltbar. Und noch einer: Es ist eine echte Handbremse vorhanden.

Bedienung via Touchscreen und zwei Tasten
Was die Bedienung anbelangt, geht Peugeot ganz neue, moderne Wege: Ein 7-Zoll-Farb-Touchscreen ist das zentrale Element für alles außer Heizung/Lüftung, dazu gibt es noch zwei Tasten. That's it. Nun bin ich eigentlich kein Freund davon, alles digital über einen vertapsten Bildschirm zu steuern, aber im 208 klappt das ganz hervorragend, die Menüführung ist logisch und leicht verständlich. Auch das Navi kann überzeugen. Nur dass das CD-Laufwerk ins Handschuhfach verbannt wurde, empfinde ich als Zumutung. Das gilt übrigens auch für die peinlich klingende Hupe.

Der Peugeot 208 GTi basiert auf der höchsten Ausstattungslinie Allure. Zum Serienumfang gehören etwa Bordcomputer, Zwei-Zonen-Klimaautomatik (ohne Mono-Schaltung), Tempomat mit -begrenzer, Lichtsensor, LED-Tagfahrlicht, Regensensor, elektrisch anklapp- und beheizbare Außenspiegel, Sitzheizung, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen samt Ersatzrad sowie Parksensoren hinten. Serie ist auch das "Steering Stability Program" (SSP), das bei Vollbremsungen auf unterschiedlich griffigem Boden durch Lenkeingriffe eine höhere Bremswirkung erzielen kann.

Das Ganze ist zu einem Einstandspreis von 23.950 Euro zu haben, wobei eigentlich alles Wesentliche an Bord ist. Das Feeling eines seligen Peugeot 205 GTI ist nicht erhältlich. Der 208 ist keine Entsprechung zu seinem Urahn, sondern kann als das Auto für Leute gelten, die den 205er einst gefahren haben und heute dementsprechend keine 20 mehr sind – und Komfort-Ansprüche haben, ohne auf den Spaß des Beschleunigens verzichten zu wollen. Mit den richtigen Erwartungen ist der höchst flotte Franzose die richtige Entscheidung.

Warum?

  • Bissiger und doch erwachsener Motor
  • Für einen Sportler komfortables Fahrwerk

Warum nicht?

  • Für einen Sportler komfortables Fahrwerk

Oder vielleicht …

… Citroen DS3 Racing, Mini Cooper Works, Renault Clio RS, VW Polo GTI

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